Einige Länder haben im Laufe der letzten 15 Jahre aus ihrer Devisennot die Behelfstugend einer regulierten Währung gemacht. Sie betonen seitdem den Vorrang der Vollbeschäftigung im eigenen Lande. Sie tun das selbst unter. Verletzung der Spielregeln der orthodoxen Währungs- und Kreditpolitik. Dazu gehört auch die Pflege besonders gutnachbarlicher Beziehungen zu den Ländern eines „Blocks“ oder eines „Großraums“, wie ihn das Empire darstellt. Die einstmals universale Weltwirtschaft wurde bei dieser Praxis naturgemäß stark parzelliert, und das Gold in seiner internationalen Mittler- und Regulierungsfunktion weitgehend, entbehrlich.

Allerdings gibt es noch Inseln, auf denen die goldenen Spielregeln Gültigkeit haben. Aber das. sind die Ausnahmeländer mit den „harten“ Valuten. Schweden und die Schweiz gehören dazu. In erster Linie natürlich die Länder der Dollarzone auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Alle übrigen Länder haben wohl oder übel auf eine paritätische Währungsverbundenheit verzichtet. Sie gehen ihre eigenen Valutawege und wirtschaften: mit „weichem“ Geld.

Die Valutaschwächlinge sind gegenwärtig weit in der Mehrheit. Denn den dreihundert Millionen Dollar-Anhängern und den etwa dreißig Millionen – Goldgeldbesitzern stehen 1,8 Milliarden Menschen gegenüber, die „weiches“ Geld in der Tasche haben. (Ein Kuriosum: Kürzlich wurde das englische Schatzamt befragt, welche Länder gegenwärtig als valutastark bezeichnet würden. Ein gewissenhafter Beamter zählte – Japan dazu. Das ist nicht ganz unberechtigte denn in Japan wird der monopolisierte Außenhandel in Dollar abgerechnet. Der Yen ist damit ein Dollartrabant geworden.)

Die Länder mit den „weichen“ Valuten – so sagt man in Washington – sind – weltwirtschaftliche Störenfriede. Das stimmt insofern, als diese Länder sich der Wiederherstellung „freier“ Handelsbeziehungen widersetzen and in Ermangelung einer international gültigen Kaufkraft dem Verrechnungsverkehr mit einigen dazu ausersehenen Ergänzungspartnern dem offenen Markt gegenüber den Vorzug geben, Tatsächlich ist also der Handlungsspiel-Kaum der Länder mit der „weichen“ Valuta gegenüber der starken Konkurrenz eingeengt In der räumlichen Begrenzung der Kaufkraft unterwertiger Valuten liegt zumindest die latente Gefahr einer Spaltung der global gedachten Weltwirtschaft in genau soviele Einzelräume, wie es Valutagemeinschaften gibt.

Die Länder mit den „weichen“ Valuten haben sich mit bilateralen Methoden abgefunden. Sie Sehen darin eine „zweitbeste“ Lösung, die sie der Anarchie einer sich selbst überlassenen Wirtschaft alten Stils vorziehen. Die USA stehen mit ihren im Krieg geweckten Außenhandelsinteressen vor der Aufgabe, diese Trümmerweltwirtschaft neu zu Inszenieren. Ihre Bemühungen gehen in erster Linie dahin, die Autonomie der nationalen Valutapolitik einer neuen, internationalen Solidarität unterzuordnen. Die Konstruktionen von Bretton Woods, die zu der Gründung der Weltbank und eines Währungsnotkartells geführt haben, sind Anätze – aber auch nicht viel mehr. Denn das Kernproblem, die Überwindung des chronischen Mangels in „starken“ Valuten, in Sonderheit an Dollars, in aller Welt, ist nicht mit Währungs- und Wiederaufbaukrediten, wenigstens nicht für die Dauer, und auch nicht mit der Dollarüberflutung der Notstandsländer zu bewältigen.

Woher diese Dollarnot? Sie ist die Kehrseite der nordamerikanischen Außenhandelsbilanz. Das Land des Überflusses, kauft zu wenig ein in der nicht-amerikanischen Welt. Es kommen also zu wenig Dollars außerhalb der nordamerikanischen Grenzen in Umlauf. Diese Beschränkung der nordamerikanischen Importe hat zwei Ursachen:

Eine zeitlich befristete: Das Nachkriegsamerika ist an einer Reihe von Mangelwaren interessiert, die allerdings niemand heute exportieren kann. Wichtiger ist aber ein chronisches Übel. Nordamerika braucht den Außenmarkt, um – kurz gesagt – seine Arbeitslosigkeit zu exportieren. Denn es kann Vollbeschäftigung nur bei gesteigerten Umsätzen erreichen, für die der Binnenmarkt nicht ausreicht.