Es ist kaum einmal von Grenzverletzungen oder Annexionsplänen auf dem Balkan die Rede, dane daß Jugoslawien in diesem Zusammenhang erwähnt wird. Die neue Volksrepublik Titos kann nach nicht als innerpolitisch stabilisiert angesehen werden; im Gegenteil: in der letzten Zeit sind sogar Anzeichen dafür vorhanden, daß sich breite Schicaten des Volkes, soweit sie dazu in der Lage sind, gegen die Regierung stellen. Antikommunistische Banden, die sogenannten „Krijari“ (Kreuzfahrer), sind keine Seltenheit mehr. Aber Tito gewisse populäre Witze, wie zum Beispiel; daß Tito „Titler“ genannt und sein Regime als „Titotalitär“ bezeichnet wird, sprechen ziemlich deutlich über die Stimmung im Land. Aber dies hindert de Regierung in Belgrad anscheinend nicht, außenpolitisch, um nicht zu sagen militärisch, äußerst aktiv zu bleiben.

Nach übereinstimmenden Berichten spielt Jugoslawien, von Albanien und Bulgarien unterstützt, eine beträchtliche Rolle bei der Förderung der Bindentätigkeit in Nordgriechenland. Durch die Lieferung von Waffen und die Ausbildung von griechischen Aufständischen auf jugoslawischem Gebiet leistet Jugoslawien einen bedeutenden Beitrag zur Aufrechterhaltung der Bandentätigkeit des General Markos. Diese Hilfe reicht zwar nicht aus, den Aufstand auf ganz Griechenland auszudehnen ermöglicht es aber den Aufständischen immerhin, sich in Griechisch-Mazedonien wenigstens zuhalten. Die Errichtung einer kommunistischen „freien Regierung,“ in Nordgriechenland ist dadurch im Bereich des Möglichen Sie scheint das vorläufige Ziel der nördlichen Nachbarn Griechenlands zu sein.

Damit würden die Sowjet-Trabanten Jugoslawien, Albanien und Bulgarien in ihrer Arbeit eine Schritt vorwärts kommen, zunächst Griechisch-Mazedonien dem übrigen, Teil Mazedoniens, der zu Jugoslawien gehört, anzuschließen. Die geplante Balkanföderation, die durch den Besitz von Saloniki nicht nur den nördlichen Baikanländern, sondern auch vor allem die Sowjetunion den Weg zum Mittelmeer öffnen würde, könnte, dadurch der Verwirklichung näherkommen.

Aber auch gegenüber Österreich zeigt Jugoslawien eine aggressive Haltung. Über die österreichische Grenze, hauptsächlich nach Steiermark, kommen immer wieder jugoslawische Partisanen, welche angeblich die Weißgardisten“ König Peters bekämpfen wollen, die sich in diesen Gebieten, aufhalten und die Grenzbevölkerung in Jugoslawien terrorisieren sollen Die Bandentätigkeit in Kärnten ist zwar nicht so groß, dafür sind aber die dort lebenden Slowenen, die Anschluß an Jugoslawien suchen, eine gut organisierte Gruppe, welche die dortigen Österreicher, in ständiger Angst leben läßt.

Natürlich gibt eine solche Haltung. Jugoslawiens Anlaß zur Beunruhigung und Befürchtungen, bei seinen Nachbarn und bei den Großmächten. Dies bedeutet aber nicht, daß die Jugoslawische Aktivität gegenüber Griechenland und Österreich in nächster Zukunft noch ernstere Formen als bisher anzunehmen brauchte. Es hat vielmehr den Anschein, daß gegenwärtig nur die Organisation und Voraussetzungen für spätere Aktivitäten geschaffen werden. Denn die Belgrader Regierung und ihre Förderer in Moskau dürften sich über die Gefahren im Klaren sein, zu denen eine Überspannung des Bogens führen könnte. Vermutlich vertrauen sie nicht so sehr ihren heutigen Kräften, als der morgigen Schwäche der westlichen Demokratien, vor allem der Vereinigten Staaten, mit der sie rechnen. Sie sind anscheinend, überzeugt, daß die Zeit für sie arbeitet und sind bereit, zu warten.

A. B.