Zellstoffimporte, die einst vorwiegend aus den nordischen Ländern erfolgten, werden mindestens zwei Jahre nicht zu erwarten sein. Dieses Ergebnis von Verhandlungen zwischen Mil.-Gov. und Schweden, bedeutet, daß wir auf die interzonale Produktion angewiesen sind. Somit ist es also Aufgabe des Zweizonen-Wirtschaftsamtes, eine gleichmäßige Belieferung der Spinnereien beider Zonen zu bewirken. Minden nahm auch für Mai 1947 mit Einverständnis der süddeutschen Länder auf dem Papier eine gerechte Verteilung vor, aber Blau-Weiß Schwarz-Rot und Rot-Weiß setzten sich über die Anordnungen, die doch auch für sie verbindlich sein sollten, hinweg. Sie ließen die vorgesehenen Lieferungen ihrer Zellstoffwerke an die britische Zone nicht ausführen, um die eigenen Verarbeitungsbetriebe stärker zu beschäftigen. Da aber die Zellstoffproduktion mit einer Ausnahme – „Alphalint“ in Wildshausen mit minimaler Produktion – in der amerikanischen Zone beheimatet, die Zellstoffverarbeitung jedoch mit dem Schwerpunkt in der britischen Zone zu Hause ist, ergeben sich infolge der Bevorzugung der Veredelungsindustrie Süddeutschlands für die Kunstseide- und Zellwollebearbeiter des Nordens schon jetzt erhebliche Produktionseinschränkungen. Bald werden die Werke vollends stilliegen. Die Folgen werden auch die Länder der IIS-Zone zu tragen haben, da sie (für den Eigenverbrauch) auf „Importe“ aus der ihnen verschwägerten englischen Zone angewiesen sind. – Bumerangpolitik.

Hier liegt eine von vielen Aufgaben des neuen Wirtschaftsrates, der ja mit ausreichender Exekutivgewalt ausgerüstet ist. Wollten die süddeutschen Länder noch schnell einmal in Selbstherrlichkeit machen, bevor es der neue, hoffentlich weise Vormund verbietet? -n.