Die in den Vorkriegsjahren auf dem Gebiet der Kontenpläne für den Handel aufgenommenen Arbeiten mußten im Kriege als „unwichtig“ eingestellt werden. Je länger, desto offensichtlicher zeigt sich, welch großer Fehler mit dieser Anordnung gemacht worden ist. Denn heute, da das Vorhandensein fester Unterlagen doppelt notwendig wäre, muß manche Lenkungsstelle im Ungewissen tappen. Die Berufsvertretungen sind über die Situation bei den von ihnen vertretenen Firmen nicht immer ausreichend unterrichtet, und zahlreiche Kaufleute selbst empfinden den Mangel an verbindlichen Richtlinien gerade jetzt besonders unangenehm.

Allerdings kann man die vor 1939 erarbeiteten Gesichtspunkte natürlich nicht auf die veränderten Zustände von heute ohne weiteres anwenden. Man muß prüfen, was zu übernehmen, was überflüssig und was zu ändern ist. Man muß sich ferner darüber schlüssig werden, ob man auf dem Wege einer Empfehlung durch den Berufsverband oder durch eine rechtsverbindliche Anordnung der zuständigen staatlichen Stellen die Verhältnisse regeln will.

Auch auf dem Gebiet der Selbstkostenrechnung liegen die Dinge heute nicht einfach, zumal im Einzelhandel nicht die einzelne Ware oder ein bestimmten Rohstoff, sondern das Warensortiment, also eine Vielzahl, bestimmend ist. Innerhalb der Betriebe ist ferner infolge der sich überschneidenden Arbeitsleistungen und Kostenfaktoren die Festlegung der einzelnen Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträger oft nur sehr schwer, und auch nur annäherungsweise möglich. Aus diesem Grunde sind auch Ansätze für solche Kostenrechnungen über Anfänge bisher nicht weit hinausgekommen.

Alle betriebswirtschaftlichen Arbeiten müssen außerdem in erster Linie auf den kleinen Betrieb abgestellt sein. Dieser kann nicht mit schwierigen Begriffen und Kontenplänen arbeiten, obwohl die Vielzahl der Vorgänge, Überschneidungen usw. bei ihm oft besonders ins Gewicht fällt Trotzdem muß versucht werden, einfache und für die meisten Betriebe brauchbare Unterlagen herauszuarbeiten. Dies liegt angesichts der hohen Steuerbelastungen auch im eigensten Interesse des Kaufmannes, um alle Selbstkosten richtig erfassen und darstellen zu können.

Was schließlich den zwischenbetrieblichen Vergleich des durch Buchführung und Kostenrechnungen aufgearbeiteten Materials angeht, so soll auch dieser nur dazu dienen, die Kenntnis der Verhältnisse in außenstehenden Kreisen zu fördern, darüber hinaus aber auch dem einzelnen Betrieb die Auffindung von Fehlern und Verlustquellen ermöglichen.

Die Absicht des Einzelhandelsverbandes für die britische Zone, in Kürze eine betriebswirtschaftliche Tagung, auf der auch Prof. Dr. Tiburtius (Berlin), der Leiter der Forschungsstelle für den Handel, sprechen wird, in größerem Stile durchzuführen, kann daher in Fach- und interessierten Kreisen auf größtes Interesse rechnen und darf wohl als ein Wiederbeginn der so notwendigen Berufsförderungsarbeit angesehen werden.

Gelegentlich einer vor kurzem veranstalteten betriebswirtschaftlichen Tagung des Einzelhandelsverbandes für die britische Zone kamen diese Fragen zur Erörterung, jedoch konnte das Hauptreferat nicht stattfinden, da Prof. Joachim Tiburtius (Berlin), Leiter der Forschungsstelle für Handel, am rechtzeitigen Erscheinen verhindert war. ‚Es wurde beschlossen, den Neudruck der unentbehrlichen Hilfsmittel für die Mindestbuchführung sowie des Kontenrahmens sofort vorzunehmen und damit die Vorbedingungen einer ordnungsgemäßen Buchführung im Einzelhandel zu schaffen. Ferner sollen die Einzelhandelstreuhandstellen neu organisiert und die Buchführungsschulungskurse sobald wie möglich wieder aufgenommen werden. Schließlich soll auch der Betriebsvergleich durch die Heranziehung eines Kreises typischer Einzelhandelsfirmen Wiederaufleben. Schpf.