Die Bedeutung der Erntebindegarne für die Landwirtschaft und für die deutsche Ernährung geht daraus hervor, daß beim Handmähen und Handbinden, des Korns etwa 4 v. H. weniger eingebracht werden als bei der Verwendung von Mähbindern. Diese Verlustquote ist seinerzeit vom Reichskuratorium für Technik in der Landwirtschaft an Hand praktischer Versuche festgestellt worden. Sie erhöht sich nicht unwesentlich, wenn statt der angenommenen geübten Hilfskräfte ungelernte Arbeitskräfte beschäftigt werden, wie sie heute durchweg nur verfügbar, sind. Außerdem aber werden durch Mähbinder zwei Drittel der – Arbeitszeit gespart, das heißt, das Problem der Bereitstellung ausreichender Arbeitskräfte, ihre Unterbringung und Beköstigung für einen verhältnismäßig kurzfristigen Einsatz bei der Ernte, unter den heutigen Verhältnissen fast unlösbar, würde durch die maschinelle Aberntung der Felder wesentlich vereinfacht werden. Die deutsche Landwirtschaft ist mit Mähbindern hinreichend ausgerüstet. Aber diese können nur arbeiten, wenn Erntebindegarn vorhanden ist. Das ist jedoch nicht der Fall, weil die notwendigen Rohstoffe aus dem Auslande nicht eingeführt werden könnten. Es fehlt an Sisalhanf, Manilahanf, italienischem Weichhanf und Jute. Die bisher importierten Jutemengen – im Jahre 1946 waren es etwa 15 000 t – wurden zur Herstellung von Geweben für Säcke verarbeitet. Die der Hartfaserindustrie schon im September 1946 zugesagten 7000 t Jute für die Erzeugung von Bindegarn sind bisher nicht hereingekommen, sondern nur die geringe Menge von 600 t. An irischem Flachswerg wurden etwa 2000 t eingeführt, jedoch ist dieser Rohstoff auf den Langfasersystemen der Bindegarnfabriken nur beschränkt verwertbar. Aus Italien sollen 2000 t Hanf kommen, jedoch ist fraglich, ob diese Mengen so rechtzeitig eintreffen, daß daraus für die diesjährige Ernte noch Bindegarn hergestellt werden kann ganz abgesehen davon, daß Hanf auch für andere Zwecke noch dringend gebraucht wird; so für Seile und Tauwerk für Bergbau, Schiffahrt, Hochseefischerei. Handwerkergarne usw., und außerdem 60 v. H. dieser Menge Wieder reexportiert werden müssen, so daß für den deutschen Bedarf nur 800 t verfügbar bleiben. An Sisal- und Manilahanf liegen zwar Angebote ausländischer Lieferanten u. a. an ein westdeutsches Unternehmen vor. Einfuhren kamen bisher jedoch nicht zustande. Meldungen, über den Import von 5000 t Natronpapier aus Finnland, das ersatzweise an Stelle von Weichhart für die Herstellung von Bindegarn verwandt werden, könnte – Spinnpapier mit entsprechend hoher Reißfestigkeit kann in Deutschland augenblicklich nicht hergestellt werden – sind unrichtig; evtl. dürfte, es sich um Angebote aus Schweden handeln.

In nennenswertem Umfang sind an Rohstoffen für die Herstellung von Erntebindegarn nur vorfanden: deutscher Flachs in Mengen von mehreren hundert Tonnen, Flachswerg aus Irland – beide Rohstoffe jedoch nur beschränkt auf den vorhandenen Maschinenkapazitäten zu verarbeiten – sowie Flachs aus Italien. Die im Vorjahr für die Herstellung von Bindegarn genehmigte Bereitstellung von Baumwolle ist in diesem Jahre, abgelehnt worden. Dagegen wurden, für die kommende Ernte 250 t fertige Bindegarne eingeführt, eine an sich geringfügige Menge, deren Import im übrigen genau sowenig erwünscht sein kann wie derjenige anderer Fertigwaren statt Rohstoffe.

Der Bedarf der Landwirtschaft an Erntebindegarn beträgt mindestens 7600 t für die britische und 5600 t für die US-Zone, wozu noch etwa, 7000 t für den Bedarf der Dreschmaschinen im Interesse einer Einsparung von Arbeitskräften und eines rationellen Maschineneinsatzes hinzukommen. Für den Mähbinder wird dabei von einem Bedarf von 4 kg je ha bei Getreide und 6 kg je ha bei Ölfrüchten ausgegangen. Tatsächlich zur Verteilung können voraussichtlich jedoch nur 0,8 kg je ha gelangen, also etwa ein Fünftel des Bedarfs, und zwar auch nur an Betriebe mit einer Getreideoder, Ölfruchtanbaufläche von mehr als 5 ha. Dagegen werden weder die französische noch die russische Zone, die beide auf den Bezug von Bindegarn aus den vereinigten Westzonen angewiesen sind, nennenswerte Posten erhalten können.

Nimmt man die in den vier Zonen mit Mähbindern abzuerntende Fläche, auf nur 5 Mill. ha an und die Ernte an Getreide und Ölfrüchten auf 9 Mill. t, so würde ein Ausfall von 4 v. H. etwa 360 000 t oder bei einem Weizenpreis von etwa 175 Dollar-, Cents je Bushel rund 23,1 Mill. Dollar ausmachen, während die Einfuhr, von 23 600 t Hartfasern (Sisal), die zur Erzeugung von etwa 20 000 t Bindegarn erforderlich wären, bei einem Weltmarktpreis von 150 Dollar je Tonne nur einen Devisenaufwand von 3,54 Mill. Dollar bedingen würde. Da erfahrungsgemäß bis zur nächsten Ernte mit einem 80prozentigen Rücklauf des Materials gerechnet werden, kann, dessen Enden für die Herstellung neuen Garnes wiederverwendbar sind, würde sich der tatsächliche Devisenaufwand, verteilt auf mehrere Ernten, noch weiter erheblich verringern. Aber auch ohnedies, könnten durch eine ausreichende Versorgung der überwiegend in der britischen Zone liegenden Hartfaserindustrie mit Rohstoffen an Devisen 19,56 Mill. Dollar gespart werden, weil die entsprechende Menge an Getreide, nicht eingeführt zu wenden brauchte. Sf.