Zum ersten Male in der Geschichte Ägyptens hat soeben, der ägyptische Ministerpräsident Besprechungen mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten geführt. Diese Tatsache ist in zweierlei Hinsicht interessant, zeigt sie doch einmal, das – nicht zuletzt im Hinblick auf die Ölvorkommen Arabiens – ständig wachsende Interesse Amerikas am Vorderen Orient und zum anderen die zunehmende politische Aktivität Ägyptens.

Seit der Gründung der Arabischen Liga im Jahre 1945 ist Faruk von Ägypten, der von der internationalen Presse stets mit dem Attribut der "junge und ehrgeizige König" bedacht wird, bestrebt, Ägypten zu der Vormacht des Nahen Ostens zu machen. Bei diesen Bestrebungen bedient er sich ebenso gewandt der altbewährten Tradition höfischer Personalpolitik, wie der moderneren Möglichkeit, mit Hilfe der UNO seinem Lande Recht und Geltung zu verschaffen. Unlängst wurde aus Kairo gemeldet, daß Abd el Krim, der sagenumwobene Gegner Frankreichs, und der als "Kollaborationist" verfemte Großmufti von Jerusalem dort erstmalig mit einander verhandelt haben. Kurz darauf fand im Palast Faruks die Versöhnung Viktor Emanuels von Italien mit dem Exkönig von Albanien Zogu statt. Neben diesen "Verbannten" haben fast alle verfolgten Nationalistenführer Nordafrikas in Ägypten Zuflucht gefunden und darüber hinaus hat König Faruk. soeben erklärt, daß auch flüchtige deutsche Kriegsgefangene in seinem Land eine Freistatt fänden – manche von ihnen sind bereits heute in die Reihen der ägyptischen Armee aufgenommen.

Ministerpräsident Nokraschy Pascha, der die Delegation führt, welche die Klage Ägyptens gegen Großbritannien vor dem Sicherheitsrat vortreten soll, ist fest entschlossen, mit allen Mitteln für die Sache Ägyptens vor der UNO zu kämpfen. Er versäumt nie, einfließen zu lassen, wie peinlich es für die westliche Welt sei, wenn Ägypten und damit der ganze Vordere Orient genötigt wären, sich, Unterstützung suchend, an Rußland zu wenden, und hat bereits erklärt, daß, wenn die UNO nicht Recht spräche, die arabische Welt genötigt sei, sich dieses Recht selber zu erkämpfen. Inzwichen aber erscheint es der ägyptischen Presse zweckmäßig, etwaigen Enttäuschungen, die aus einer eventuell negativen Entscheidung der UNO erwachsen könnten, vorzubeugen; sie nennt daher für alle Fälle zunächst einmal die UNO eine lobby – eine Versammlungshalle – wo skrupellose machiavellistische große Nationen ehrliche und idealistische kleine Nationen betrügen, Dff.