er sogenannte neue Wirtschaftsplan für das Zweizonengebiet, über den dieser Tage von Düsseldorf aus eine ausführliche (aber leider nicht recht klare) Darstellung veröffentlicht worden ist, bringt eigentlich nur die Anpassung der bisherigen ‚,Planziffern" für das laufende Wirtschaftsjahr (ab 1. April) an die effektiv erreichte Kohlenförderleistung, die ja aus bekannten Gründen ziemlich erheblich hinter dein Voranschlag zurückgeblieben ist. Hatte man ursprünglich der "Wirtschaft".’ 51 Millionen Tonnen Kohle zugedacht, so werden es nun, wie das ja schon in den bereits abgelaufenen vier Monaten des Planjahres deutlich geworden ist, etwa 10 v. H. weniger sein. An Exportkohle werde, so heißt es, ein Fünftel der Gesamtförderung herausgehen. Richtiger, wäre es, die Ausfuhrquote zu der Kohlenmenge in Beziehung zu setzen, die für Hausbrand und gewerblichen Verbrauch verbleibt, wenn Ausfuhr, indirekte Ausfuhr (Lieferungen – auch in Form von Strom – an die Besatzungsmacht einschließlich Bunkerkohle und dergleichen) und Zechenselbstverbrauch abgezogen sind. Dann freilich kommt man zu wesentlich höheren Zahlen, die zwischen einem Viertel und einem Drittel liegen.

Neben der Kohlen- bleibt die Holzausfuhr "im bisher geplanten Umfang bestehen, und das ist eine sehr schlechte Nachricht. Es erscheint an der Zeit, sehr der Frankfurter Wirtschaftsrat die Besatzungsmächte bittet; einen Enquête-Ausschuß mit internationaler Zusammensetzung einzuberufen, damit die Frage, was dem Zweizonengebiet an Waldzerstörung und Holzausfuhr noch zugemutet werden, kann, einmal wissenschaftlich geklärt wird. Die bisherige Methode, das Problem ausschließlich in die Hände-sogenannter Fachleute zu legen, die vielfach Interessenten sind, muß sich fest laufen.

Wenn es in dem Begleittext zum Plan heißt Deutschland könne nicht hoffen, alleine aufzubauen, vielmehr, müsse ganz Europa vorankommen, so klingen damit Argumente auf,-wie wir sie in letzter Zeit nur von Frankreich her kennen. Freilich ist dort der Versorgungsstand wieder auf Vorkriegshöhe, während, auf deutschem Gebiet von einem Aufbau der Produktion, über den im Herbst 1946 erreichten Stand von etwa einem Drittel der Vorkriegsleistung (und bei Verbrauchsgütern. noch weit weniger) nichts zu erkennen ist – im Gegenteil! Die Dinge werden sich sicherlich auch dann nicht bessern, wenn man, im Sinne des geistigen Vermächtnisses, das (leider) von Dr. Agartz in Minden als "neuester" Plan hinterlassen worden ist, die Erzeugung in den sogenannten leistungsfähigsten Betrieben konzentrieren, also noch mehr Betriebe – wie schon einmal, in der Endphase der Rüstungswirtschaft – stillegen will. Derart wird man freilich nicht zum wirtschaftlichen Aufbau kommen und es ist nur gut, daß solche wirklichkeitsfremden Planungen gar nicht realisierbar sind, sondern an der Unmöglichkeit einer durch "Anordnung" erzwungenen Verpflanzung der Belegschaften von vornherein scheitern werden. G. K.