Deutschland war lange das Land des, größten musealen Kunstbesitzes eine Tatsache, übedie sich nur sehr wenige "Menschen klar sind. Im allgemeinen glaubt an, daß Frankreich und England, vielleicht auch. Rußland, durch die großen zentralen Museen ia ihren Hauptstädten an erster Stelle stünden. Gewiß könnten die Berliner Museen allein sich nicht vergleichen mit dem Louvre, der Eremitage oder den drei größten Londoner Museen, aber wenn man nur den Kunstbesitz Dresdens und Münchens hinzurechnet, so war Deutschland schon reicher. Dabei ist die Bedeutung der Kunststädte. Frankfurt, Kola, Hainburg, Kassel. Braumeaweig. Nürnberg und der zahlrdchen übrigen bcriihsnten deutschen KunstSammlungen noch gar nicht einbezogen. Hat nun dies Verhälta i durch die Kriegs und Naehkriegsveriuste der deutschen Museen eine entscheidende Veränderung erfahren? Die Frage läßt sich heu noch nicht endgültig beantworten, weif wir nicht wissen, wie viele der von den Siegermäehttij zunächst siefaergestelken Kunstwerke zurückkehren werden. Endgültig verloren Ist wohl nur das durch Bomben oder Ünglücksfälfe tatsächlich Vernichtete- Vorerst allerdings haben, soweit man aus den spärlichen Nadirkhien sshlieöe kann, die bisher in die Öffentlichkeit drangen, Berlin and Dresden auf gehör Museumssfädte von Weltrang zu sein.

Moderne Museen mit ihrer längeren oder kürzeren Geschichte sind organisch gewachsene und daher sinnvolle Einheiten. Schoß die fürstlichen Sammler des 17 nd !. Mrhünderts waren meist von Künstlern und trefflichjn Kunstkennern beraten, aber seitdem die Museen nicht mehr der Repräsentation der Herrscher sondern der Öffentlichkeit dienen, aus deren Mitteln sie unter oft nicht geringen Opfern aasgestattet und unterhalten werden, und seitdem ihre leitungin den Händen der Kunstwissenschaft liegt sind die alten Bestände in ganz neuer Weise gfetig er rungen und nach sinnvollem Plan systematisch ausgebaut worden, so daß die Auflösung solcher Sammlungen die Zerstörung eingj hohen geistigen Wertes bedeutet. Das gilt in ganz boaderem Maße für die Berliner Museen, bei dener jede der 5 sidj geschlossenen "Abteilungen" eire einzigartige Sammlung gewähltester Beispiele in vorbildlicher Ordming darstellte. Sei es nun die Gemäldegalerie- oder die islamische Abteilung, das Münzkabinett oder das Museum für Vor- und Frühgeschichte: überall hatten die hervorragendsten Gelehrten ihres Faches ttwas geschaffen, das in der Welt seinesgleichen sucjite und das zogkich der ganzen Welt zur Verfügung stand, Ist dieser Bedeutung tritt die fruchtbare Wirkung der alten Kunstwerke auf das allgemeine Kuftstartei! uad Mitwirkend von Generation sä Generation. Nicht umsonst hat Cezanne aus der Weisheit des Alters in einem seiner letzten Briefe an Emile Bernard geschrieben: "Der touvre ist das Buch, In dem wir aie esen fernen " Dies gilt natürlich für die großen SammliiBgea der ändern Länder ebenso. nirgends in der Welt so gut vertreten waren wie in Dresden: von Philips WouvermaB zum Beispiel besaß die Galerie allein 60 seiner braten Gemätd. Und last not least die deutschen Bilder: Dürers "Dresdner Altar", für die SehloSkirdie von Wittenberg gemalt, die lange Folge der Bilder Cranaths, des Hofmalers dreier sächsischer Kurfürsten (von denen einige blieben), die Seiden eigenhändigen Bilder Holbeins und vieles andere.

Neben der Gemäldegalerie treten die ändern Dresdner Museen aa Bedeutung zurikfc, etwa die immerhin bedeutete Skulpturen Satsnslung im Aibertinnm, die woh! auch bis auf einiges Moderne vorerst ihre ganzen Bestände verBiiSt, Besonders schmerzlich Wäre der Verlust des "Grünen Gewölbes", nicht nw wegen des hohen Wertes der dort angesammelten Kostbarkeiten, sondern besonders wegen des einzigartigen Falles der Erhaltung einer solchen fürstlichen Kleinodien Sammlung in ihren asspriteglidien Räumen, und Plastik in diesem Kriege getroffen hat, seit den Zeiten des Bildersturmes und des Dreißigjährigen Krieges ohne Vergleich.

Aber damit nicht genug, das Verhängnis erreichte auch noch einen Teil der geflüchteten Kunstwerke. Im Salzbergwerk beiGrasleben hatte man in dr Übereihmg der letzten Kriegswodjeh. awch Filmstreifen in der Nähe der Kunstwerke gelagert, die Ia den Wirren des Kriegsendes durch Plünderer in Brand gesteckt wurden und explodierten. Dabei sind wertvolle Reliefe der ägyptischen Abteilung beschädigt- worden und über zweihundert Bilder der Natioaafgaferie durch die Hitzeentwidtlung und Salzdämpfejjesdiwäm. Geschickte Restauratoren in Braunschweig haben jedoch einen großen Teil der Gemälde Aon wiederhergestellt, nur zwei oder drei kleinere scheinen unrettbar verloren.

Wenn man dt, ganze Liste der zerstörten Werke aufzählte, könnte leid der Eindruck ntsteben. des hier- Bewahrten einigermaßen unterrichtet. Jedoch ist nicht alles an Deasscftfand geblieben: rund 20O Bilder der Gentäldegaferie und zWei aus der Nationalgalerie sind im Dezember 1945 nach Amerika gebracht worden nd lagera in den Depots der Nätiomä Caüery in Washington, Darunter befinden sieh fünf Bilde r von Dürer, dabei der "Holzächahcr", dk "Madonna mit dem Zeisig" und das "Bildnis einer jungen Frau am, Meer", viel Bilder Von Altdorfer, "drei von Holbein, darunter der Gisze", drei Cranach, vier Werke von Baidung, zwei von Kenrad Witz and eißjge der kostbarsten frühen böhmischen, kölnische, Österreichischen Meister. Von den Nkderllnder n sind fünf Bilder Jan van Eydcs zu erwähnen, datunter die "Madonna in der Kirche" und der "Mann mit der Nelfee", fünf Werke von Roger van der Weyden, darunter der "BfadelynAltar", drei Bilder von Meinung, zwei von Petras Cnstus (das köstliche "Mädchenbildnis"), die