Als die Landwirtschaftliche Hochschule zu Berlin den Tag ihres fünfzigjährigen Bestehens festlich beging, wurde, auf Veranlassung ihres Rektors Friedrich Aereboe ein damals noch wenig bekannter Landwirt zum Ehrendoktor promoviert, der in seinem kurz zuvor erschienenen Buche "Landwirtschaft von heute" eine hervorragend anschaulich geschriebene "praktische Betriebslehre" veröffentlicht hatte: Hans Schlange-Schöningen. Jetzt liegt, niedergeschrieben in den Jahren dererzwungenen Muße während des Krieges (soweit man sich eben einen Betriebsleiter in Zeiten der Kriegswirtschaft müßig denken kann) die Fortführung jener Arbeit vor, unter Berücksichtigung aller betriebswirtschaftlichen Erkenntnisse, die sich insbesondere aus einer verständnisvollen Auswertung technischer Neuerungen und in der Anwendung modernster Arbeitsmethoden ergeben haben ("Lebendige Landwirtschaft", erschienen im Landbuch-Verlag, Hannover). Ein ausgezeichnetes Buch, so anschaulich, so eindringlich, frisch und lebendig geschrieben, wie man sich derartige Publikationen in jedem Falle wünschen möchte. Schlange-Schöningen schildert, hier einen "durchrationalisierten" Betrieb, einen mittleren Großbetrieb des Ostens – eben seine Schöning Gutswirtschaft, aber aus dieser Darstellung eines Individualfalles, die eine vollendete Anschaulichkeit ergibt, tritt das Grundsätzliche vielleicht noch stärker und eindringlicher hervor, als es bei einer abstrakten Behandlung des Themas wohl möglich wäre. In den einzelnen Abschnitten des Werkes, das 1943 abgeschlossen worden ist – nur Einleitung und Schlußkapitel wurden in diesem Jahre noch hinzugefügt –, behandelt der Verfasser, nach einem allgemein volkswirtschaftlichen Ausblick ("Aussichten und Anforderungen"), die moderne Feldwirtschaft, die hochintensive und dem Betrieb "auf den Leib zugeschnittene" Nutzviehhaltung, den rationalisierten Hof und schließlich den Ablauf einer sorgfältig durchdachten und gut eingespielten Organisation. Man möchte wünschen, daß es dem Verlag ermöglicht wird, die Auflage des Werkes noch zu erhöhen, das bei dem völligen Mangel an moderner betriebswissenschaftlicher Literatur als Leitfaden und "Erlebnisbuch" besonders für die jüngere Generation in der Landwirtschaft, die neben dem Mythos von "Blut und Boden" nur die Zwangswirtschaft kennt, von einer kaum zu überschätzenden Bedeutung sein wird. Es macht dabei nichts aus, daß hier die Betriebsorganisation nicht der heute ganz überwiegend gegebenen bäuerlichen Wirtschaft, sondern diejenige der "überlebten" Betriebsform der Gutswirtschaft behandelt wird – im Gegenteil, die so erreichte Ausweitung des Blickfeldes, verbunden mit dem Zwang zur gedanklichen Arbeit, das Grundsätzliche auf den Rahmen der bäuerlichen Wirtschaft zu übertragen, kann nur nützlich sein.

Das Schlußkapitel des Buches, das, wie schon gesagt, erst in diesem Jahre hinzugefügt worden ist, fällt gegen das übrige stark ab. Gar zu stark ist der innere Widerspruch zwischen dem, was-Schlange-Schöningen als Betriebswirt für richtig erkannt hat, und dem, was er als Verwaltungschef, in Ausführung einer britischen. Konzeption, an agrarpolitischen Maßnahmen zu rechtfertigen sich bemüht. Das gilt in erster Linie von der Planung, den Nutzviehstapel abzubauen, gleichzeitig aber den Hackfruchtbau (als Hauptträger der Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel) auszudehnen – einer Planung also, die nicht nur zur Verknappung an Milchfett und Milcheiweiß für die Versorgung der Städte führt, sondern Zugleich, weil so nicht genug Dünger für eine intensive Hackfruchtwirtschaft anfällt, die erwünschte Mehrproduktion an Vegetabilien verhindert. Auch auf diesem Gebiete wäre zu wünschen, daß die Besatzungsmächte, anstatt starr an der Diktatur einer ersten Konzeption festzuhalten, das gesamte Sachgebiet einmal durchdiskutieren würden. In England schätzt man, mit Recht, die Methode der wissenschaftlichen Enquête sehr hoch ein. Sollte Deutschland, damit seine Landwirtschaft lebendig erhalten und vor. dem Erstideen bewahrt werden kann, nicht auch des Segens einer Enquête über die betriebswirtschaftlich "richtige" Form der Agrar- und Ernährungspolitik teilhaftig werden können?

n. f.