Aus Westfalen berichtet uns ein Leser: "Hier im Kreise ist kürzlich, bei einer der üblichen Kontrollen, verschiedenen Bauern "ungestempeltes", also aus Schwarzschlachtungen stammendes Fleisch van Beamten des Landesernährungsamtes Unna weggenommen worden. Man muß schon sagen "veggenommen" – denn die förmliche Beschlagnahme wurde nicht ausgesprochen. Als einige der Bauern in Unna vorstellig wurden und nach dem Verbleib der Ware forschten, wurden sie mit Aussichten nach Hause geschickt. Eine Bestrafung ist in keinem Falle erfolgt... Wenn sich derartige korruptive Machenschaften wiederholen, ist das Schlimmste zu befürchten, denn tatsächlich wird sc das gesamte Ablieferungssystem in Frage gestellt. Schon jetzt ist die Empörung allgemein, und man kann immer wieder die Auffassung hören: lieber wolle man den Hamsterfahrern aus dem Rihrgebiet, die es nötiger hätten, die Waren geben, als dem "amtlichen Schwarzhandel"; der offenbar von korrupten Kontrollbeamten betrieben werde. Das mag eine falsche Auffassung sein – jedenfalls aber ist sie hier verbreitet, und die Bauern werden sich, wenn ähnliche Vorfälle öfter vorkommen, nicht mehr zur Ablieferung verpflichtet fühlen."

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Ein Mann aus Wuppertal, der bei einem Bauern eingebrochen und vier (1) Läuferschweine gestohlen und an Ort und Stelle geschlachtet hatte, wurde vom Amtsgericht Lippstadt zu sechsMonaten Gefängnis ("an Stelle einer Zuchthausstrafe") verurteilt. Bei der Urteilsbemessung ist die "in Wuppertal besonders katastrophale Ernährungslage" als strafmildernd anerkannt worden.

Anders in der Ostzone. Das Amtsgericht in Bad Freienwalde hat zwei Angeklagte, die gemeinsam sechs Zentner Kartoffeln (wohl aus einer Miete gestohlen hatten, zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt; der dritte Angeklagte erhielt ein Jahr Gefängnis.