Von den bei Kriegsende in Berlin zurückgebliebenen Museumswerken ist, wie gesagt, vieles von den russischen Besatzungsbehörden sichergestellt worden. Ausgenommen wurden nur, wie in Dresden, deutsche Kunstwerke, außerdem unbewegliche Werke, wie das Hauptstück der islamischen Abteilung: die Mschatta-Fassade und der Mittelpunkt der vorderasiatischen Abteilung: das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße aus Babylon. Am schwersten betroffen ist die Antiken-Abteilung, von der so gut wie nichts zurückblieb. Nicht nur das berühmteste Hauptstück der Museumsinsel, der Pergamon-Altar, – ist abtransportiert worden, sondern die gesamte griechische und römische Groß-Plastik: die nächst dem Akropolis-Museum in Athen wohl reichste Sammlung archaischer griechischer Skulpturen mit den beiden Hauptwerken, der stehenden und der thronenden Göttin, die schöne Reihe von Grabstelen der klassischen Zeit des 5. und 4. Jahrhunderts (die Stele Giustiniani!). die hellenistische Plastik, besonders aus Pergamon, wo heben dem Altar die große marmorne Athens hervorragte, die reiche Sammlung römischer Marmorwerke, darunter Kopien griechischer Werke vom Range des Torso Pourtales, des Palykletischen Doryphoros, kurz alles, was das Erdgeschoß, des Alten Museums und des Pergmon-Museums erfüllte. Dazu kommen noch bedeutende Teile des Antiquariums, darunter eine reiche Sammlung früher griechischer Bronzen, die zum Teil noch nicht einmal ausgestellt waren, und weiter das gesamte Münzkabinett, eins der größten der Welt, das zum Beispiel eine vergleichslose Sammlung griechischer Goldmünzen umfaßte. Von der Nationalgalerie wurden ein großer Teil der Handzeichnungen-Sammlung und sämtliche Mappen des Schinkel-Museums abtransportiert, vieles Zurückgebliebene der ägyptischen Abteilung, große Teile des Schloß-Museums, der ostasiatischen. Abteilung, des Völkerkunde-Museums und so weiter.

Das ist zunächst also ein sehr erschreckendes und trauriges Bild. Dazu muß jedoch gesagt werden, daß unter den gegenwärtigen Bedingungen eine Rückkehr der ganzen’ Bestände nicht einmal erwünscht wäre, weil die Zerstörung der Museumsgebäude eine vernünftige Unterbringung, selbst depotmäßig unmöglich macht. – Erst wenn die Unterbringung unserer Kunstschätze wieder möglich ist, können wir erwarten, daß die Besatzungmächte die Rückführung ernstlich in Erwägung ziehen. Aber selbst bevor das geschähe könnten dann wenigstens die in den Kellern der Ruinen noch bewahrten Dinge gezeigt werden. Es ist vielfach der Eindruck entstanden, die in der Ausstellung im Schloß unter dem Titel" Wiedersehen mit Museumsgut" vereinten Stücke seien der ganze in Berlin verbliebene Rest. Das ist keineswegs der Fall, ein Vielfaches und Wertvolleres stünde zur Verfügung, wenn nur erst. Räume vorhanden wären