Ausfuhr ist Klein- und Individualgeschäft

Die deutsche Ausfuhr, vor dem Kriege über 5 Mrd. RM betragend, hat im Jahre 1946 aus der Bizone rund 100 Mill. Dollar (bei inzwischen stark gestiegenen Preisen) erbracht. Sie soll nach dem Zweizonen-Abkommen von Washington in Jahre 1947 auf 350 Mill., 1948 auf 675 Mill. um 1949 auf. 900 Mill. Dollar erhöht werden. Unter Zugrundelegung des Durchschnittsumrechnungskurses Dollar-Mark dürfte das Ziel für 1949 also nicht weitab von den von der Bizone früher erreichten Ausfuhrzahlen gesteckt sein und für das gegenwärtige Jahr etwa bei einem Drittel der Vorkriegsausfuhr dieses Gebietes liegen.

Vorerst beruht der Schwerpunkt der deutschen Ausfuhr noch in Rohstoffen, vor allem Kohle. Weil es sich hierbei um laufende Lieferkontrakte und außerdem um eine "vertretbare" Ware handelt, von der noch nicht einmal "Muster" übersandt zu werden brauchen, hat man mancherorts wohl noch nicht so deutlich erkannt, daß mit den bisherigen Außenhandelsmethoden auf die Dauer kaum durchzukommen ist. Die deutsche Ausfuhr des Jahres 1936, zu etwa einem Drittel aus Rohstoffen, zu zwei Drittel aus Halb- und besonders Fertigerzeugnissen bestehend – ein Verhältnis, das auch für die kommende deutsche Planausfuhr imgefähr zutreffen dürfte –, setzte sich aus Tag. für Tag etwa 30 000 bis 40 000 einzelnen Ausführer schlüssen zusammen. Ein Exportgeschäft belief sich auf einen Durchschnittsbetrag von rund 400 RM. In Hamburg ergaben Ermittlungen, die im gleichen Jahre vom Handelsstatistischen Amt an Hand von Anmeldungen Hamburger Exporteure angestellt wurden, einen Jahresumsatz von 338 Mill. RM bei 1,4 Mill. einzelnen Ausfuhrlieferungen. Der Durchschnittsbetrag der Lieferung betrug also etwa 250 RM.

Aus diesen wenigen Angaben geht bereits hervor, daß das deutsche Ausfuhrgeschäft im höchsten Grade auf individuellen Bedarf und auf Lieferung gen gewissermaßen von "Mann zu Mann" eingestellt war. Die Millionenabschlüsse waren die "Ringeltauben", der mühsam hereingeholte Kleinauftrag die Regel.

Nun stelle man sich vor, daß die deutsche Ausfuhr des Jahres 1936, die von bürokratischen Hemmungen gewiß nicht unverschont blieb, einen Papierkrieg heutigen Umfangs zu führen gehabt hätte!

Wie eingangs gesagt, nähern sich die Planzahlen des Zweizonenabkommens aber schon im übernächsten Jahr jenen Vorkriegsziffern. Sollen sie nicht, auf dem Papier stehen bleiben, so ist neben einer Beseitigung der zahllosen anderen Schwierigkeiten auch verwaltungsmäßig die Schaffung ganz neuer und vereinfachter Exportbedingungen eine der Grundvoraussetzungen dafür, daß nicht alle in Hannover und anderwärts angestellten Bemühungen vertane Liebesmüh sind. -oe-