Über die Einschaltung des deutschen Schiffbaus zugunsten unserer Devisenbilanz schreibt uns der "Verband deutscher Schiffswerften":

Der Anteil der deutschen Werften am Export war in den Vorkriegsjahren bedeutend. Der gesamte Produktionswert für ausländische Rechnung belief sich im Jahre 1937 auf 113 Mill. RM, 1938 auf 128 und 1939 auf 74 Mill. RM. Diese Angaben beziehen sich auf die Werften (See- und, Flußschiffswerften) des gesamten Reichsgebietes vor den Kriege. Für die jetzige britische und US-Zone liegen keine Angaben vor. Es müssen daher von obigen Summen die auf den Ostwerften und den seither geschlossenen oder demontierten Werften erzeugten Werte in Abzug gebracht werden.

Angesichts der veränderten Nachkriegsverhältnisse liegt es nahe, zu untersuchen, ob die deutsche Werftindustrie auch heute noch in der Lage ist, einen nennenswerten Beitrag an dem für unsere Ernährungs- und Rohstofflage lebensnotwendigen Export zu leisten. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen. Die Exportmöglichkeiten sind allein im Reparaturgeschäft bedeutend. Abgesehen von der Reparatur von Reiseschäden, die meistens zwangsläufig anfallen, jedoch selten größere Summen erbringen, ist wegen der voraussichtlich noch einige Jahre abhaltenden Verstopfung der europäischen Werften bei den ausländischen Reedern ein ständig steigendes Interesse zu erkennen, Reparaturen (und zwar meistens solche großen Umfangs) auf deutschen Werften unterzubringen. Wenn wir auch noch keine völlige Klarheit über die Preise im Ausland haben und daher erst tastend an die "richtigen" Umrechnungskurse herankommen, so ergeben doch die bisherigen Beobachtungen, daß die Preiseite kein unüberwindliches Hindernis ist, Exportaufträge hereinzuholen.

Freilich werden die Verhandlungen stark durch den immer noch bestehenden Zwang zur Zahlung in US-Dollar belastet. Es ist zu hoffen, daß recht bald eine Zahlung in der Währung des Kunden, gestalten wird. Was die ausländischen Reeder veranlaßt, sich für die Inanspruchnahme deutscher Werften zu interessieren, das sind, abgesehen von der ihnen aus früherer Geschäftsverbindung bekannten guten Arbeit, die im Vergleich mit ausländischen Werften immer noch verhältnismäßig günstigen Lieferzeiten in Deutschland. Die deutsche Werftindustrie hat nicht allein um ihrer selbst willen, sondern besonders wegen der deutschen Devisenlage und der hieran stark interessierten Besatzungmächte allen Anlaß, die jetzige internationale Knappheit an Reparaturkapazität auszunutzen und erwartet hierzu die umfassende Unterstützung aller beteiligten Stellen.

Die Leistungsfähigkeit der für den-Export in Betracht kommenden Werften der britischen und amerikanischen Zone ist durch Demontagen und Kriegszerstörungen stark beeinträchtigt. Sie ist jedoch auch im jetzigen Zustand der Betriebe immer noch ausreichend, um einen beachtlichen Beitrag zum Export zu geben, und ließe sich noch beträchtlich steigern. Einige Wünsche der Werften zur Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit sind: bessere Versorgung mit Baumaterialien, um die Betriebe wieder in einen Zustand zu versetzen, der die menschliche Arbeitskraft und die Einrichtungen schont, weiter sofortiges Einstellen jeglicher Demontagen und Ablieferung von Betriebseinrichtungen (Maschinen, Docks, Kräne u. a.), ferner: Schutz vor Abzug und bevorzugte Zuweisung von Arbeitskräften, schließlich bessere Versorgung mit Material

Dazu käme die Beseitigung der Exporthemmnisse, wie sie etwa in der Schwerfälligkeit des Exportverfahrens und der schlechten Verbindung mit den ausländischen Geschäftspartnern (Reise- und Fernsprechverkehr) liegen. Gerade im Schiffsreparaturgeschäft muß den Werften die Möglichkeit gegeben werden, zur Besichtigung der Objekte schnell und ohne zeitraubende Formalitäten ins Ausland reisen zu können.

Volkswirtschaftlich, gesehen verdient das Exportgeschäft der Werften eine besondere Förderung. Der Lohnanteil am Gesamtprodukt beträgt in der Reparatur bis zu 60 v. H., zuweilen noch mehr. Die ausländischen Reeder sind ihrerseits bereit, Engpaßmaterialien den deutschen Werften zuzuliefern, was das Geschäft, besonders reizvoll erscheinen läßt und es fast zum Veredlungsverkehr macht.