In Österreich ist die Lage hoffnungslos, aber nicht ernst, in Deutschland ist sie ernst, aber Sicht hoffnungslos." Während etwa zwei Jahrzehnten galt dieses Bonmot als kennzeichnend für die Lage der beiden Länder. Man könnte meinen, daß sich inzwischen diese Unterschiede zugunsten einer gemeinsamen Linie: "Ernst und hoffnungslos" verwischt haben. Obzwar Österreich als befreites Land anerkannt wird – was nicht ausschließt, daß auch wir uns befreit fühlen – unddarum theoretisch den sehr günstigen Status einer zentralen Regierung, eigener Auslandsvertretungen und der Anerkennung seiner wirtschaftlichen Einheit erhalten hat, ist die Situation in beiden Ländern praktisch die gleiche.

Der österreichischen Regierung sind allenthalben die Hände gebunden, sie hat weder Einfluß auf die Produktion noch auf die Gestaltung der Ein- und Ausfuhr. Die westlichen Mächte habenzwar die Zonengrenzen aufgehoben, sind aber von ihrem östlichen Alliierten durch die sogenannte Demarkationslinie geschieden, jenseits deren etwa 56 v. H. der industriellen. Produktion einschließlich der gesamten Ölvorkommen liegen. Im dritten Jahr nach Kriegsschluß stehen noch immer 130 000 Mann Besatzung im Lande, deren Kosten-, teilweise 40 v. H. des Staatshaushalts; in Anspruch nahmen, und die Industriekapazität liegt noch immer bei kaum 40 v. H. der Friedensleistung. Die Amerikaner und auch die Engländer pumpen umfangreiche Kredite als mehr oder wenigerverlorene Zulasse in das Land, um die Produktion anzukurbeln, während in dem französisch besetzten Gebiet sich die Klagen mehren, daß übermäßige Mengen an Butter und Fleisch-,und angeblich etwa 2 Millionen Meter Textilien nach Frankreich ausgeführt würden. In der russischen Zone ist der größte Teil der Industrie in russisches Eigentum, übergeführt oder direkter russischer Kontrolle unterstellt worden, weil nach dem Potsdamer Abkommen die Werke, die deutschen Besitz darstellen, als Reparationen anzusehen sind und Rußland zur Verfügung gestellt werden sollen.

Seit die Verhandlungen über den österreichischen Staatsvertrag begonnen haben, hat die Frage, welche Werte als deutscher Besitz anzusehen sind, große Schwierigkeiten bereitet und ihren Höhepunkt im Hinblick auf die Zistersdorfer Ölfelder gefunden. Einmal deshalb, weil die Ölversorgung der wesentlichste Engpaß der gesamten russischen Wirtschaft ist und zum anderen, weil die Ölförderung tatsächlich erst seit 1938 – von seiner Zeit 32 000 t jährlich mit Hilfe deutschen Kapi- bis auf 1,2 Mill. t im Jahr 1944 – voll entwickelt worden ist. Die Frage ist aber, darum so kompliziert, weil die gesamten Ölwerke, sowohl die Förderung wie die Raffinerien ursprünglich zu gleichen Teilen eine Gründung englischer und und sie daher Besitz angesehen die diese Frage hat die russische geschaffen und amerikanischer Firmen waren keineswegs als rein deutscher werden können.

Während die Kommission, prüfen soll, noch in Wien tagt, Regierung ein fait accompli kurzerhand die Raffinerien in Lobau mit Militär besetzt und die Leitung einem russischen Direktorium übertragen. Für uns sind auch diese Methoden nichts Ungewöhnliches, und so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß, ob mit oderohne "Anschluß" die Entwicklung dieser beiden. Länder stets von den gleichen Sorgen und Nöten bestimmt wird. Dff.