Von Dr. Sieg

Von den drei Ausstellungen war München am repräsentativsten. Es waren die hohen und gut beleuchteten Säle des Hauses der deutschen Kunst, die großartige Aufmachung und die schönen Ausstellungsstücke (Kunstgewerbe, Porzellan, Textilien, Leder, Spielzeug und Maschinen), die diesen Eindruck hervorriefen. Die Ausstellung wirkte wie eine Fanfare: "Seht, was wir auch unter Trümmern leisten können, wenn uns Rohmaterial zur Verfügung gestellt wird!"

Aber hiermit sind auch die Leistungen dieser Ausstellung erschöpft. Ihr Verdienst ist, zuerst beim Ausländer den Wunsch erweckt zu haben, selbst mit einem Deutschland voller Trümmer die Handelsbeziehungen wieder aufzunehmen. So soll auch der im vergangenen Jahr zugelassene geschäftliche Briefverkehr mit dem Ausland ein Ergebnis dieser Ausstellung gewesen sein.

Zum tatsächlichen Abschluß einzelner Exportgeschäfte hingegen fehlte vieles: Firmennamen traten kaum hervor und fremdsprachliche Hinweise und erklärende Texte waren selten. Die Ausstellung ist aus einer Leistungsschau der bayerischen Industrie und des Handwerks hervorgegangen. Diese verfolgte andere Ziele, so daß der Grundgedanke jetzt schwer umzuformen ist.

Stuttgart hat von vornherein den Exportgedanken zur Grundlage gehabt. Leider wird auch hier das Zur-Schau-Stellen der Exportware zurückgedrängt durch den Wunsch des Gestalters, in diesem Falle eines begabten Architekten, der Schau einen einheitlichen, vornehmen und künstlerischen Charakter, zu verleihen. Es entstanden Mittelginge, die einer Ladenstraße gleichen und Nischen aufweisen. In diesen Nischen befindet sich die Ware je eines Ausstellers, meist in der Form einiger schöner und wertvoller Ausstellungsstücke. An der Fensterseite ist Schmuck aus Pforzheim und Schwäbisch Gmünd in Vitrinen auf dunklem Samt ausgelegt Alles ist dekorativ, ob es sich um Kunstgewerbe, Spielzeug, holzverarbeitende Industrie, um Lederware oder Maschinen handelt. Aber hat man wirklich der Mentalität des Ausländers, der kaufen soll, entsprochen? Wir wissen aus ausländischen Zeitschriften und Zeitungen, daß im Ausland anders geworben wird; Sicher empfindet man gegenüber München. werbemäßig einen Fortschritt. Deshalb sollten die Hamburger Exporteure der Stuttgarter Schau auch mehr Lob als der Münchener. Doch bleibt, mit hanseatischen Augen gesehen, die Befüchtung, daß auch der Erfolg der Stuttgarter Schau im Verhältnis zum Aufwand zu klein sein wird.

Die "BIGA" (Badische Industrie- und Gewerbeausstellung) in Freiburg im Breisgau hat einen anderen und naturgemäß mehr provinziellen Charakter. Die Räume und Stände sind verkleidet durch Pappe und Holzleisten, beide überzogen trat abgetönten Leinfarben. Auf Tischen sind die Produkte der badischen Mittel- und Kleinindustrie und des Handwerks aufgebaut. Doch eins kommt hinzu, was in München und Stuttgart weitgehend fehlt: Aufklärende Hinweise, schematische Skizzen, plastische Darstellungen, die anschaulich zu werben wissen, ohne Sprachkenntnisse vorauszusetzen (alle Texte außer deutsch. auch in französischer Sprache). Wenn man in München und Stuttgart manches künstlerische Stück darum ablehnen muß, weil es nicht für den Export geeignet ist, so trifft man in Freiburg Gegenstände, die in der Heimindustrie geschaffen sind und allzu primitiv anmuten. Man verläßt aber Freiburg mit der Überzeugung, daß hier im kleinsten Rahmen der Grund zu einer echten Exportschau gelegt worden ist, auf der Uhren und feinmechanische Artikel die wesentlichen Exportgegenstände sind.

Von Mai bis Juli war die "BIGA" geöffnet Sie hatte mehr als 200 000 Besucher. Der Anteil der Ausländer, vor allem Franzosen und Schweizer, ist offensichtlich höher als in München und Stuttgart zusammen. Auf Grund des ersten Erfolges soll voraussichtlich alljährlich die "BIGA" in Freiburg wiederholt werden.