Unter den Industriezweigen der britischen Zone, die an der metallwirtsaftlichen Ausfuhr dieses Gebietes früher einen erheblichen Anteil hatten, nahm die eigentliche Metallwarenindustrie 1936 die fünfte Stelle ein. Der Wert ihres Exports betrug mit 54 Mill. RM fast ein Sechstel der Ausfuhr der eisenschaffenden Industrie, etwa ein Fünftel der Eisen- und Stahlwarenausfuhr und ein Viertel des Maschinenexports. Er lag nur wenig unter dem Ausfuhrwert der NE-Metallindustrie, während in näherem oder weiterem Abstand danach die Ausfuhr der Elektroindustrie, der Fahrzeug-, feinmechanischen und optischen Industrie und der Metallgießereien folgte. An der gesamtdeutschen wirtschaftlichen. Ausfuhr war die Metallwarenindustrie der britischen Zone mit knapp einem Viertel beteiligt, (wobei jedoch von der Ausfuhr der damaligen Rheinprovinz die im Süden und heute zur französischen Zone gehörende Erzeugung abzurechnen ist). Da statistisch außerdem auch die Edelmetall- und Schmuckwarenherstellung sowie die Kleinmusikinstrumenten- und Spielwarenindustrie in dieser Gruppe erfaßt sind, ergibt sich nach entsprechender Berichtigung der Zahlen eine reine Metallwarenausfuhr von rund 38 Mill. RM. An dieser war das heutige Land Nordrhein-Westfalen mit 80,5 v. H. beteiligt; der Rest entfiel auf Niedersachsen, Hamburg usw.

Der Schwerpunkt der Erzeugung für die Ausfuhr, lag und liegt noch in Westfalen, das an der westdeutschen Ausfuhr einen Anteil von 56 v. H. gegenüber der Nordrhein-Provinz von 44 v. H. hatte. Die vom Ausland bezogenen Artikel bestanden in Hausratserzeugnissen Aluminiumwaren, Metallgeweben, Beschlägen, Blankschrauben, Bürogeräten, Metallstempeln, Druckplatten, sowie verschiedenen vernickelten, verchromten oder mit Edelmetallüberzügen versehenen Waren. Ebenso wie bei der Schneidwarenindustrie hatte auch bei der Metallverarbeitung die außerordentlich reichhaltige Musterung der deutschen Exportangebote und das Eingehen auf die individuellen Wünsche der ausländischen Kundschaft den deutschen Erzeugnissen viele Gebiete innerhalb und außerhalb Europas geöffnet, obwohl es sich durchweg um Artikel handelte, die auch von den Industrien anderer Länder hergestellt wurden. Das deutsche Exportsortiment konnte jedoch infolge seiner schnellen Anpassung an den jeweils herrschenden Geschmack und auf Grund der engen Verbundenheit der Auslandsvertreter mit den Ländergewohnheiten. deren Entwicklung von ihnen nicht selten vorausgefühlt wurde, ständige Interessenten in den Niederlanden. Belgien. Luxemburg, wie in England, Schweden, Italien oder der Schweiz finden. Allein nach England wurden im Jahre 1936 für 10,8 Mill. RM Metallwaren exportiert, also fast ein Drittel des Ausfuhrwertes der einschlägigen Industrie Nordrhein-Westfalens. Aber auch in Übersee fanden die westdeutschen Erzeugnisse guten Absatz, 60 in Britisch-Indien, Argentinien, Brasilien, Columbien, Britisch-Malaya und selbst in den USA.

Die vorwiegend im Bergischen Land im Sauerland, in den Randgebieten des Industriereviers und, in einigen linksrheinischen Bezirken beheimatete Industrie hat bis heute einen Anschluß an frühere Exportbeziehungen noch nicht wieder finden können. Die Gründe hierfür liegen ausfuhrwirtschaftlich in der Notwendigkeit, Erzeugnisse anbieten zu können, die sowohl hinsichtlich Qualität wie Geschmack hohe Ansprüche zu befriedigen vermögen. Von einigen Artikeln abgesehen, die, wie Blankschrauben, als Massenerzeugnisse durchgehen können, handelt es sich bei der Metallverarbeitung entweder um Spezialherstellungen (so z. B. feinste Metallgewebe, für besondere Zwecke) oder um Artikel des persönlichen Bedarfs. Die Verbindung mit dem ausländischen Kunden muß also in jedem Falle sehr eng sein, um seine Wünsche kennen und die Ausführung der Ware, danach richten zu können. ‚Zierbeschläge z. B. werden fast überall hergestellt will der deutsche Exporteur Aussichten auf Abnahme seiner Erzeugnisse haben, muß er infolgedessen nicht allein genaue Kenntnisse über die sonstigen einschlägigen Angebote an ausländischen Märkten haben, sondern auch die gegenwärtig üblichen und bevorzugten Formen etwa von Möbeln kennen, für die seine Beschläge Verwendung finden sollen. Da die Mode hier, wenn auch nicht so schnell wie auf textilem Gebiet, einem ständigen Wechsel unterworfen ist, würde es also wenig nützen, wollte die Industrie aufs Geratewohl mit Exportkollektionen herauskommen. Zunächst muß sie vielmehr nach achtjähriger Abschneidung vom Ausland den Stand der gegenwärtigen Entwicklung studieren können.

Aber auch in anderer Beziehung sind die Voraussetzungen für eine reguläre Wiederaufnahme der Exportproduktion, geschweige denn für die Erreichung der eingangs genannten Vorkriegsziffern noch in keiner Hinsicht gegeben. Stehen Rohstoffe aus alten Beständen noch zur Verfügung, so mangelt es bestimmt an Kohle. Hat ein Betrieb vielleicht durch "Beziehungen" Kohle erhalten können, so erfolgen alsbald. gewiß Stromabschaltungen, die jedes Programm über den Haufen werfen. Ist Strom vielleicht aus einem eigenen kleinen Wasserkraftwerk vorhanden, so läßt ein strenger Winter den Zufluß vereisen oder ein dürrer Sommer ihn austrocknen, ohne daß wie in normalen Zeiten auf andere Energiequellen zurückgegriffen werden könnte. Neben den Sorgen um Betriebstmaterialien, Hilfsstoffe, Werkstattbedarf oder Reparaturen steht dann noch vor allem diejenige um Arbeitskräfte und Arbeitsleistungen. Und diese Sorgen sind besonders schwer, weil es sich um Fachkräfte und auch Leute mit geschultem Blick handeln muß, für die ein Nachwuchs kaum zu finden ist. Denn wie sollten die jungen Nachwuchskräfte ein Fingerspitzengefühl z. B. für brasilianische Eigenheiten sich aneignen, wenn ihnen höchstens alle Ladenhüter aus einer 1939 vielleicht liegengebliebenen Kollektion gezeigt werden können?

– Wer die Eigenarten der mittleren und kleineren Fabrikanten des Bergischen oder des Sauerlandes kennt, weiß, daß sie alsbald ihren Stolz wieder darein setzen würden, an den Weltmärkten, mit Erzeugnissen aufzukreuzen, die ihrem eigenen und ihrer Heimat Namen Ehre machen würden. Aber was können sie heute anders tun als abwarten, zumal ihnen die geringe Produktion für den so dringenden Inlandsbedarf sozusagen noch warm fortgeholt wird und außerdem die Fragen der Roh- und Brennstoffversorgung, der Belieferung mit Betriebsmaterialien und Zubehörteilen, des Ersatzes oder der Reparatur von Maschinen und Geräten – und nicht zuletzt die der Preises – noch vollkommen ungeklärt sind? Bernhard Schnoepf