Von Direktor F. Wiegand, Promonta-Hamburg

Ausstellungen gleichen Schaufenstern. Zwischen dem Käufer und dem Verkäufer befindet sich eine dicke Schaufensterscheibe. Sie glitzert spiegelblank und demonstriert, seit langen Zeiten nun schon, den.scheinbaren Besitz gegenüber dem tatsächlichen Nichtbesitz.

Dieses Glitzern und einladende Zwinkern zum Kauf wurde mehr und mehr zur falschen Geste. Das Schaufenster verlor seine gefälligen Manieren. Es wurde bösartig. So lockte es durch schöne und notwendige Gegenstände den Käufer an. Wenn seine Besitzerwünsche dann den Höhepunkt erreichten, flüsterte es mit hämischer Koketterie: "Nichts zu machen, lieber Freund!", "Reserviert!", "Verkauft!" und zuletzt, gleichsam als Schlußpunkt und Mumifizierung einstiger Zustände das bedeutsame Wort "Ausstellungsstück!" dem Lüsternen und Enttäuschten ins Ohr.

Kann es wundernehmen, daß unter solchen Umständen Schaufenster wie Ausstellungen in der breiten Öffentlichkeit mißtrauisch betrachtet werden? – Verkäufer, die fast nichts zu verkaufen haben, wenden sich an Käufer, die zu uns kommen, um kritisch die Reste unserer Produktion zu mustern. Noch klingen mir die Worte eines schwedischen Journalisten als Kritik der Hamburger Ausstellung "Unser täglich Brot" im Ohr: "Stil 1890." Für soviel Mühe und bekümmerte Anstrengung ein bedauerliches Fazit!

Hier erhebt sich die grundsätzliche Frage: Sind Ausstellungen für uns der rechte Weg in die Welt? Ausstellungen in intakten Wirtschaftsgebilden sind, Darbietungen der End- und Höchstformen des jeweiligen Könnens. Sie frischen alte Beziehungen auf und schaffen neue Verbindungen in deutlicher Wechselwirkung. Ihnen voran geht – und das ist das Maßgebende – das individuelle Wissen von der gegenseitigen Leistung und Erfahrung, das Vertrauen auf das persönliche Können und die Durchführungsmöglichkeit von Abschlüssen und Geschäften.

Unter diesen Gesichtspunkten erscheinen Ausstellungen in der Zeit unseres fast vollendeten wirtschaftlichen Zusammenbruchs als eine Art Paradoxon, als ein Zeichen der nicht sterben wollenden überzüchteten Planung, die nicht über sich selbst zu springen vermag und, indem sie fördernd einzugreifen versucht, die Räder des empfindlichen Wirtschaftsgefährtes immer stärker blockiert, bis schließlich die Reparatur mehr kostet als das ganze Fahrzeug (ein in unserer Binnenwirtschaft nun schon seit einiger Zeit erreichter. Zustand).

Man kann mit Fug und Recht gegen meine Anschauung einwenden, daß es sich bei der Exportmesse Hannovers nicht um eine Leistungsschau in dem von mir gemeinten Sinne handelt. Man kann mit gleichem Recht darauf hinweisen, unser Weg in die Welt könne nicht von uns bestimmt werden, sondern unterläge den Satzungen der Siegermächte.