Vor kurzem wurden die Preise für Kraftfahrzeuge aus der deutschen Neuprodukten festgelegt. Wie lange sie Gültigkeit haben werden, läßt sich heute noch nicht sagen. Dies hängt in erster Linie davon ab, wann die erwartete Erhöhung der Stahl- und Kohlenpreise in Kraft tritt. Aber eines, müssen wir heute bedenken: die allgemeine Verarmung, verringerte Einkommen, geringe Umsätze und hohe Steuern schalten in Zukunft weite Kreise vom Erwerb eines Kraftfahrzeuges aus. Bei den geringen Stückzahlen der Neuproduktion liegen die Preise wesentlich höher als vor dem Kriege. Kraftfahrzeuge können künftig nur noch von denjenigen gekauft und benutzt werden, die sie beruflich dringend brauchen und nur mit ihrer Hilfe so viel verdienen, daß sich der erheblich gesteigerte Aufwand hierfür bezahlt macht.

Aber nicht nur in Deutschland, sondern überall in Europa macht sich eine Preissteigerung bemerkbar. So kostet das französische "Nationalauto" in Zukunft ungefähr 100 000 Francs, das ist der vier- bis fünffache Preis des Jahres 1939. Ein Vergleich der Preislage des "Civilian-Jeep" mit dem "Volkswagen" ist ebenfalls interessant. Der einzige Personenwagen, der gegenwärtig in Deutschland hergestellt wird, ist der in den Wolfsburger Motorenwerken (früher Volkswagenwerk) hergestellte Volkswagen. Von ihm wurden 1946 monatlich fast 1000 Stück hergestellt, während die Produktion z. B. im März 1947 auf 358 Stück gesunken ist. Es ist ein wirklich moderner Kleinwagen, jedoch in der Herstellung nicht ganz billig. Der vor Jahren genannte Preis von 990 RM war keine Kalkulation, sondern ein "Befehl". Die schon damals von Fachleuten aufgestellten Berechnungen ergaben im günstigsten Fall einen Preis von rd. 2000 RM. Er kostet heute 5000 RM. Vorerst wird mit seinem Export unsere Einfuhr an Nahrungsmitteln und Rohstoffen bezahlt. Der Exportpreis Wurde auf 640 Dollar festgesetzt. Er ist also immerhin noch um etwa 400 Dollar billiger als der friedensmäßige Nachkriegs-Jeep, der heute den billigsten USA-Großserienwagen darstellt und dessen Preis sich etwa auf 1050 Dollar beläuft.

Die deutschen Lastwagen sind wesentlich teurer. Der kleine 0,75-t-Tempo-Wagen der Fa. Vidal in Hamburg kostet jetzt je nach Aufbau; 1875 bis 2080 RM. Der 1,5-t-Opel-Blitz, der in-Rüsselsheim am laufenden Band gebaut wird, kostet als Pritschwagen mit Plane 7300 RM (Fahrgestell allein 5600 RM). Der 3-t-Borgward wird heute mit 10 900 RM berechnet, wogegen die verschiedenen 3-t-Ford-Wagen je nach Aufbau, 8650 bis 9975 RM kosten. An schweren Lastwagen seien! vor allem der 5-t-Büssing mit einem Preis von 15 300 RM genannt, während der 5-t-Omnibus dieses Werkes (allerdings vorerst nur für britische Bestellung) immerhin 26 980 RM kostet. Auch die Preise für Schlepper, Zugmaschinen und LKW-Anhänger liegen weit über den Vorkriegspreisen. Der 100-PS-Hanomag (ST 100) kostet heute 19 730 RM. Die Preise – für die verschiedenen Typen von Ackerschleppern in einer Stärke von 11 bis 40 PS der Firmen Hanomag, Klöckner, International Harvester, Ritscher und Normag schwanken zwischen 4000 und 8900 RM.

Zum Schluß noch einige Preise für Anhänger: Der Einheits-Anhänger für 3 t Nutzlast kostet etwa; 3000 RM, derjenige für 5 t Nutzlast 5000 RM und der größte der heute gebauten, der 8-Tonner-Hanomag, stellt sich auf 6900 RM.

Wilhelm Fuhrmeister