Daß ein deutscher Außenhandel notwendig ist, braucht kaum noch begründet zu werden. Worüber noch keine klare Erkenntnis besteht, ist erstens: welche Größenordnung der zukünftige deutsche Außenhandel erreichen muß, und zweitens, wie ein theoretisch zu fordernder Außenhandelsumsatz praktisch realisiert werden kann.

– Der Potsdamer – Industrieplan – oftmals schon totgesagt, aber doch immer noch am Leben – beschränkt den deutschen Export auf 3 Milliarden Reichsmark. Die Hälfte davon soll zur Bezahlung von Lebensmitteln verwendet werden, der Rest steht in erster Linie für die Begleichung von Besatzungskosten und Dienstleistungen zur Verfügung. Die starre Quotenfestlegung für die Industrie macht eine bewegliche Anpassung der industriellen Produktion an die Absatzlage auf dem Weltmarkt unmöglich. Ausdrücklich wird – Deutschland auf den verstärkten Export von einfachen Massenkonsumgütern verwiesen.

Deutschland ist nur der mittlere europäische Lebensstandard zugebilligt (ohne Anrechnung Großbritanniens und der UdSSR). Starke Einschränkengen müssen daher auf die Dauer in Kauf genommen werden. Diese Einschränkungen werden aber weit mehr bei dem Bedarf an Gebrauchsgütern erfolgen müssen als im Bereich des unelastischen Nahrungsmittelbedarfs. Das gilt um so mehr, als bei der Errechnung eines mittleren europäischen Lebens-Standards der deutsche Nahrungsmittelverbrauch im Hinblick auf die besonderen klimatischen und beschäftigungsmäßigen Verhältnisse Deutschlands angemessen gewichtet werden muß. Auf die Dauer muß daher die Ermittlung des zukünftigen Nahrungsbedarfs von dem Verbrauch eines normalen Vorkriegsjahres (etwa 1936) ausgehen.

Vor dem Kriege mußte Deutschland etwa für 11,7 Millionen Einwohner Nahrungsmittel einführen. Nach der Abtrennung der Ostgebiete sind rund 27 Millionen Menschen auf die Einfuhr von Nahrungsmitteln angewiesen, vorausgesetzt, daß die landwirtschaftliche Produktion in Restdeutschland ihren Vorkriegsstand wieder erreicht. Unter Zugrundelegung der Einfuhrzahlen und -preise von 1936 würde das bedeuten, daß allein die ernährungswirtschaftliche Einfuhr rd. 2,9 Milliarden RM betragen muß.

Hinzu kommt der Importbedarf an gewerblichen Waren. Deutschland verfügt, abgesehen von Kohle, über keine nennenswerten Rohstoffe. Der industrielle Produktionsapparat ist heruntergewirtschaftet. Die notwendigen Ersatzinvestitionen können, am eigener Kraft nicht bestritten werden. Erhebliche Importe von Rohstoffen und Kapitalgütern werden – also notwendig sein, wenn die deutsche Industrie der zusammengedrängten Bevölkerung Lebensunterhalt geben soll. Legt man auch hier wieder die Einfuhrzahlen von 1936 zugrunde, und berücksichtigt man den großen Nachholbedarf, so kommt man zu dem Ergebnis, daß in der Zukunft ein gewerblicher Importbedarf von jährlich 3,8 Milliarden RM nicht zu niedrig geschätzt ist.

Mit diesen Beträgen erschöpft sich noch nicht die Passivseite der zukünftigen deutschen Zahlungsbilanz. Deutschland besitzt keine nennenswerte Handelsflotte mehr. Zur Bewältigung des Außenhandels und sogar zur Abwicklung des innerdeutschen Seeverkehrs muß ausländische Tonnage in Anspruch genommen werden. Nach vorsichtigen fachmännischen Schätzungen wird sich der hierfür erforderliche Devisenaufwand auf rund 950 Mill. RM belaufen (nach dem Frachtenstand von 1936). Weiter: ohne Auslandsanleihen ist eine Erholung der deutschen Wirtschaft nicht denkbar. Diese. Anleihen müssen verzinst und amortisiert werden. Ein Aufwand von jährlich 500 Mill. RM für diese Zwecke ist eher zu niedrig als zu hoch veranschlagt.

Allein diese Beträge ergeben für die Passivseite der zukünftigen deutschen Zahlungsbilanz etwa folgendes Bild (in Mill. RM):