Als im April von General Robertson die Anregung gegeben wurde, in Hannover eine Exportmesse für die britisch-amerikanische Zone abzuhalten, fand dieser Gedanke in deutschen Wirtschaftskreisen nicht gerade freudigen Widerhall. Der exportwillige deutsche Fabrikant war in vergangenen Jahren allzuoft in seinen Hoffnungen getäuscht worden. Auch den in Süddeutschland veranstalteten Exportschauen und Leistungsschauen waren praktische Erfolge größeren Umfangs nicht gefolgt. Alle Bemühungen; einen nennenswerten Export auf die Beine zu bringen, scheiterten einerseits an den praktischen Voraussetzungen (ungenügende Rohstoffzuteilung, stockende Kohle- und Energieversorgung), anderseits aber an dem Übermaß formellen Papierkrieges. Gegen das hannoversche Messeprojekt wurden zudem noch besondere Bedenken erhoben: Die Vorbereitungszeit bis zum 18. August sei zu kurz, Hannover sei als stark zerstörte Stadt als Messeort ungeeignet, es fehle an dem in langer Tradition geschulten Messefachpersonal und anderes mehr. Es kam hinzu, daß für Sommer 1947 außer Hannover noch eine große Anzahl ähnlicher Veranstaltungen (in München, Frankfurt, Düsseldorf) geplant waren, so daß der deutsche Exporteur sich durch all diese Messeplanungen kaum mehr zurechtfinden konnte.

In all diese Beratungen platzte die Nachricht, daß General Robertson kurz entschlossen die Durchführung der bizonalen Exportmesse in Hannover in der Zeit vom 18. August bis 7. September 1947 angeordnet habe. Die Durchführung der Messe wurde einer neu zu gründenden Gesellschaft, der Deutschen Messe- und Ausstellungs-A.G., übertragen. und sowohl die Dienststellen der britischen Militärregierung als auch die zuständigen deutschen Ministerien angewiesen, der Messeleitung jede erdenkliche Hilfe zuteil werden zu lassen.

Heute stehen wir vor der Tatsache, daß die Bauarbeiten auf dem Messegelände in Hannover-Laatzen rechtzeitig beendet sind. In kürzester Zeit mußten 6200 t Maschinen und 3000 t Rohstoffe in etwa 850 Waggons aus dem Gelände eines ehemaligen Leichtmetallwerkes abtransportiert werden. Besonders schwierig gestaltete sich dann die Herrichtung der durch die Demontage völlig zerstörten Fußböden. Auch mußten fast 12 000 qm Fensterfläche neu verglast werden. Fünf Hallen mit 30 000 qm Ausstellungsfläche stehen nunmehr bereit. Über 3000 Aussteller haben sich gemeldet. Da auch bei zweckmäßigster Ausnutzung der vorhandenen 30 000 qm Hallenfläche nur etwa 1200 Ausstellungstände unterzubringen sind, erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den Außenhandelskontoren und den Industrie- und Handelskammern eine nochmalige sorgfältige Auswahl der Aussteller, so daß nunmehr tatsächlich nur solche Firmen in Hannover zu finden sind, die alle Voraussetzungen für einen erfolgversprechenden Export mitbringen.

So taucht die Frage auf, was diese Vielzahl promineiter Firmen von der Exportmesse erwarten. Man ist sich völlig darüber im klaren, daß die Wiedereinschaltung Deutschlands in den Weltmarkt mit außerordentlichen Schwierigkeiten verbunden ist. Sieben Kriegsjahre und die davorliegenden Jahre der wirtschaftlichen Einengung haben dazu geführt, daß die deutsche Wirtschaft mehr oder weniger isoliert dasteht. In den vergangenen Jahren haben sich aber der Geschmack und die Bedürfnisse des Auslandes gewandelt. Es gilt neue Fäden anzuknüpfen. Dieses Herantasten an die Weltmarktlage kann aber weder auf brieflichem noch auf telefonischem Wege geschehen. Hier hilft nur de persönliche Aussprache, das Vorlegen zugkräftiger Muster und das Austauschen gegenseitiger Erfahrungen. Da dem deutschen Fabrikanten Auslandsreisen zur Zeit noch weitgehend verwehrt sind und auch ausländische Handelsvertreter noch nicht gehalten werden können, ist tatsächlich eine derartige Messe der einzige Weg, wieder zu diesem gegenseitigen Vertrauensverhältnis zu kommen. Auch gilt es, dem Auslande ein rechtes Bild von dem Friedenswillen und der wiedererstandenen "Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu geben Man ist überrascht, welch abwegige Auffassungen gerade hierüber nur allzuoft im Auslande bestehen.

Zu diesen auf dem Wege zum Ausland liegendes Schwierigkeiten kommen innerdeutsche Hemmnisse, die dem erfolgreichen Wiederanlauf des Exportgeschäftes im Wege stehen. Nachdem es durch eingehende Verhandlungen mit der Bipartite Economic Control Group und dem Verwaltungsamt für Wirtschaft in Minden gelungen war, positive Zusagen hinsichtlich der Rohstoff Belieferung für die in Hannover zu erteilenden Auslandsaufträge zu erhalten, die für die Hauptrohstoffe (Eisen, Holz, Papier und Kohle) Sonderkontingente und für andere Materialien eine bevorzugte Belieferung aus den Globalkontingenten der Länder vorsehen, wird diese Frage nunmehr optimistischer beurteilt. Schließlich fand auch der Gedanke, auf der Exportmesse durch eine Zusammenfassung aller beteiligten Büros (JEIA, Verwaltungsamt für Wirtschaft und Außenhandelskontore) in einem Raum der Exportbörse eine wesentliche Abkürzung des Genehmigungsverfahrens für Ausfuhraufträge zu reichen, überall freudige Zustimmung.

Wenn nunmehr anläßlich der Eröffnung der Exportmesse auch der Import solcher Rohstoffe, die für die Fertigung von Exportgütern bestimmt sind, in deutsche Hände gelegt wird, wobei 30 v. H. des Ausfuhrwertes für Rohstoffimport verwendet werden darf, so ist damit ein weiterer Schritt getan. Auch die Frage des Devisenbonus wird nun ihre endgültige Klärung im positiven Sinne finden.

Auch ohne allzugroßen Optimismus muß man feststellen, daß die Voraussetzungen für die praktische Durchführung von Exportgeschäften in den letzten Wochen eine wesentliche Besserung erfahren haben. Der ausländische Besucher wird auf der Exportmesse nicht nur das kaufen können, was er braucht; er wird auch ein umfassendes Bild von dem Stand deutscher Nachkriegsproduktion erhalten, und er wird hoffentlich die Gewißheit mitnehmen, daß die deutsche. Wirtschaft so fleißig und zuverlässig, wie sie die Welt früher kannte und schätzte, bereit steht, ihren Beitrag zum Wie? deraufbau einer friedlichen Wirtschaftsordnung zu leisten. Die deutsche Wirtschaft steht am Beginn eines neuen Weges. Sie erhofft, daß die alliierte Militärregierung ihren ehrlichen Bemühungen auch weiterhin die nötige Unterstützung zuteil werden läßt. Hunderttausende fähige Arbeiter stehen bereit, zu planen und zu schaffen und sich wiedereinzuschalten in den Kreislauf der Weltwirtschaft.

Friedrich Mörtzsch