Die Naturkautschuk – Produktion steigt seit Kriegsende ständig. Betrug die Erzeugung, die zu 90 v. H. auf Südostasien entfällt, 1946 wieder 827 000 t (Weltausfuhr 1937 – 1,13 Millionen t), so sollen nach offiziellen Schätzungen 1947 rund 1,2 Mill t produziert werden. Mit der Erholung des Produktionsgebiete von den Kriegslagen ist für die Zukunft wesentlich höhere Erzeugung zu erwarten. Für Wiederaufbau und Ausweitung des Straßen- und Luftverkehrs wäre dies nur zu begrüßen.

Aber zwei Probleme stehen diesen Berechnungen entgegen: Erstens führt der akute Devisenmangel der Haupteinfuhr- und -verarbeitungsländer schon heute dazu, daß die geringe Poduktion nicht mehr Vom Weltmarkt aufgenommen werden kann. Zweitens besteht die Konkurrenz der synthetischen Kautschukfabrikation, die während des Krieges in den USA sehr stark entwickelt wurde. Der Gesamtverbrauch der kautschukverarbeitenden Industrie in den USA von 1,03 Mill. t im Jahre 1947 Wird zu 52 v. H. (514 000 t) durch im Lande hergestellten synthetischen Gummi gedeckt. Für strategische Zwecke wollen die USA in Zukunft eine Mindestproduktion von 250 000 t aufrechterhalten, so daß der "Käufer mit der entscheidenden Währung" nicht nur teilweise als Verbraucher ausfällt, sondern auch auf die Preisgestaltung Einfluß nimmt.

Damit die Naturgummiindustrie ihre Produkte ersetzen kann, mußte sie die Preise erheblich senken. Vor zwei Monaten kostete in New York Naturkautschuk 23 bis 26 $cts. je lb (bei Preisen für synthetischen Gummi von 18,65 bis 21,75 $cts. je lb). Nunmehr liegen die Naturkautschukpreise in New York zwischen 15 und 16 cts. und in London (cif Europahäfen) zwischen 9 und 10 pence.

Dieser Preissturz wirkt sich auch auf die deutsche Einfuhr aus. Unsere Gummiimporteure zahlten vor acht Wochen im Versicherungsverkehr noch 3,10 RM je kg Kautschuk, heute 1,80 RM, so daß – im Hinblick auf die zukünftige deutsche Stellung am Weltmarkt – nach Ansicht deutscher Wirtschaftskreise die Militärregierung unsere synthetische Kautschukproduktion nicht fördert, da es ihr billiger erscheint, Naturgummi importieren zu lassen als 22 t Kohle für eine Tonne Buna zu opfern.

Werden die Naturkautschukproduzenten nun ihre Erzeugung einschränken wie es vor dem Kriege Produzenten-Praxis war? Den aufbauwilligen Ländern würde damit keineswegs geholfen, denn Produktionsbeschränkung führt zur Verteuerung. Die Westzonen jedenfalls, die zur Reifenerzeugung heute 50 v. H. Naturgummi verwenden, könnten bei ihrer Knappheit, an anglo-amerikanischen Devisen eine Verteuerung der Rohprodukte bei knapperer Belieferung (es fehlen 200 000 Reifen!) wohl kaum als nützlich empfinden.

Die Versorgung mit synthetischem Gummi der deutschen Reifenindustrie hängt im wesentlichen von der Produktion der Chemischen Werke Hüls ab, die infolge Energieschwierigkeiten auf 50 v. H. der Kapazität gedrosselt ist. Bunalieferungen aus der russischen Zone können die Mindererzeugung von Hüls, nicht ausgleichen. Eine weitere Produktionsstätte für Kunstkautschuk, die Badische Anilin in Ludwigshafen (franz. Zone), liegt seit September 1946.still, weil die Militärregierung die Kohlezuteilung zur Bunaerzeugung verweigert.

Für die deutsche Wirtschaft ist zu erwägen, welche Ware knapper ist: Kohle und Energie einerseits oder Naturgummi mit seinem Devisenaufwand andererseits. Im Hinblick auf einen möglichen Export ist nicht zu vergessen, daß in vielen Fällen Naturgummi beim Konsumenten beliebter ist w–n