Messe-Eröffnung in Hannover

Die Exportmesse Hannover 1947 wurde am Montag eröffnet. 1300 Aussteller vermitteln in vier hervorragend geeigneten Hallen, die noch vor 118 Tagen ein Aluminiumwerk beherbergten, einen Eindruck von den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Doppelzone; einen Eindruck, der bei den bekannten Nachkriegsschwierigkeiten angenehm überrascht; Es wird alte Qualität geboten, während neue Ware kaum zu sehen ist, da die Patentunsicherheit jeden Kaufmann davon zurückhält, Verfahren anzubieten; die nicht geschützt sind.

In den Eröffnungsreden wurde von der Militär-Regierung der Wunsch nach deutscher Initiative betont und deutscherseits – fern verfrühtem Optimismus – noch einmal die Schwierigkeiten aufgezeigt, die der deutschen Wirtschaft hemmend im Wege stehen. Dann kam das Gespräch zwischen den ersten ausländischen Kaufleuten und den deutschen Firmen in Gang. Der Ausländer bekannte offen, daß er diese Qualität nicht erwartet habe.

Die Exportbörse bewährte sich bereits am ersten Tag. Zwei Stunden nach Eröffnung waren mit der Unterschrift des Vertreters der JEIA zwei Exportkontrakte abgeschlossen. Dies ist besonders erfreulich, da sonst der Abschluß eines Ausfuhrvertrages durchschnittlich zwei Monate in Anspruch nimmt. Aber täuschen wir uns nicht, der ausländische, Kaufmann leidet in seinem Heimatland auch oft unter Beschränkungen, die ihm die Wirtschaftspolitik seines Landes auferlegt. Zeigte er auch rege Kaufwünche, so mußte es vorläufig doch meist bei der Wiederanknüpfung der Geschäftsbeziehungen bleiben, da er erst bei seinen wirtschaftsbürokratischen Stellen rückfragen muß, ob ihm Valuta oder Rohstoffe genehmigt werden. Für ihn wie für uns sind viele Faktoren ungeklärt.

Das Überangebot von Waren, die zu nichts zu gebrauchen sind, ist auch hier zu beobachten. Diese überdimensionale kunstgewerbliche Industrie hofft nun auch auf den Export. Aus Gesprächen mit dem ausländischen Einkäufer war jedoch zu entnehmen, daß das Kunstgewerbe wenig gefragt, sein wird? Anders ist es um die Industrien bestellt, auf denen sich seit Jahrzehnten Deutschlands Weltruf auf dem internationalen Markt aufbaut. Die Nachfrage nach AEG, Siemens, Telefunken, Bayer, Solinger Stahl, bergischen Werkzeugen, westdeutschen Textilien oder wie sonst die Firmen und die Marken von Weltruf heißen mögen, ist unvermindert gut. Diese traditionellen Exportfirmen haben bereits ihre Fäden über die Grenzen hinaus geknüpft und sehen sich in der Hoffnung nicht getäuscht, daß ihre ausländischen Partner, mit denen sie nur brieflich – unter Zensur – verkehren konnten, nun den persönlichen Kontakt aufnehmen.

Dem Anliegen des deutschen Kaufmanns und dem regen Interesse der Ausländer hilft eine durchdachte Organisation, ein Messeapparat, der seiner Aufgab vollauf gewachsen ist.

In Hannover trifft sich die internationale Wirtschaft, die über politische Differenzen hinweg zur Verständigung der Völker ihren Beitrag leistet.

W-n.