Den folgenden Beitrag verdanken wir dem Entgegenkommen der Deutsch-Südamerikanischen Bank A.G. (Zweigniederlassung Hamburg).

Das wirtschaftliche Schicksal Mexikos wird von jeher durch die Nähe des mächtigen nördlichen Nachbarn bestimmt Der Motor der Industrialisierung ist das USA-Kapital, und der Außenhandel ist fast gänzlich nach den Vereinigten Staaten hin orientiert. Das von starkem Nationalbewußtsein erfüllte Land hat immer wieder versucht, sich aus dieser Abhängigkeit zu befreien, indem es bemüht war, den Außenhandel auf eine breitere Basis zu stellen und die Industrie weitgehend mit eigenen Mitteln aufzubauen. Die trotz der reichen Bodenschätze sprichwörtliche Armut des Landes und die geringe Neigung des Volkes zu moderner Wirtschaft und Technik brachten diese Pläne bisher immer zum Scheitern. Die Erdölpolitik Mexikos ist hierfür das beste Beispiel.

Präsident Aleman, der den Zwiespalt des Mexikaners zwischen starkem Unabhängigkeitsbedürfnis und mangelnder technischer Veranlagung durchaus erkennt, ist bestrebt, ein Kompromiß zu finden. Dies zeigt sich auf der einen Seite in einer sichtlichen Begünstigung des Auslandskapitals, ohne das er seine weitgehenden Pläne nicht durchführen kann, während er andererseits bemüht ist, mit allen Mitteln den Handel mit Europa zu fördern. Durch den Ausfall Deutschlands, das vor dem Kriege als Abnehmer und Lieferant den zweiten Platz im Außenhandel Mexikos einnahm. wird dies sehr erschwert, da die übrigen europäischen Länder trotz erheblicher Anstrengungen den Warenaustausch mit Mexiko bisher nicht sehr stark steigern konnten, so daß der Anteil, der USA im Jahre 1946 noch immer 80 v. H. betrug.

Der große Mangel an Verbrauchsgütern verschärfte sich immer mehr und führte, zusammen mit der stetigen Erhöhung des Geldumlaufs, zu inflationistischen Erscheinungen. Die Preise sind durchweg um 300 bis 400 v. H. gestiegen, und so werden in schnellem Tempo die im Laufe des Krieges angewachsenen Kraftreserven aufgezehrt. Obgleich die Handelsbilanz passiv ist – für 1946 ergab sich eine Unterbilanz von 1240 Millionen, Pesos – sollen noch Währungsreserven vorhanden sein, die zur Hauptsache aus dem starken Touristenverkehr sowie aus dem jetzt wieder stärker einströmenden Unternehmerkapital herrühren dürften, so daß zur Zeit mit Schwierigkeiten in der Devisendeckung für lebenswichtige Warenimporte nicht zu rechnen ist. Die Gewährung neuer Kredite an Mexiko – auch der Export-Import-Bank – ist vorgesehen. wohl im Hinblick auf eine noch intensivere Bearbeitung des aufnahmefähigen Absatzmarktes durch die USA. Hierin zeigt sich die Zwiespältigkeit der mexikanischen Wirtschaftspolitik, die einerseits das Auslandskapital zur Verwirklichung der Industriepläne braucht, andererseits aber dadurch in immer größere Abhängigkeit gegenüber dem reichen Nachbarn gerät.

Die Ölreserven des Landes sind noch sehr umfangreich und können noch jahrelang nutzbringend ausgebeutet werden. Das Auslandskapital ist zum Zwecke der Produktionssteigerung wieder in stärkerem Maße zugelassen, doch soll die Beteiligung immer unter 50 v. H. bleiben, denn auch die gegenwärtige Regierung will von dem Grundsatz, daß die wertvollen Bodenschätze Eigentum des Landes sind, nicht abgehen. Wieweit dies auf die Dauer durchzuführen ist, muß abgewartet werden. –

Wie die meisten Staaten Lateinamerikas hat auch Mexiko im Laufe des Krieges die Eigenindustrie stark entwickelt. Zahlreiche bedeutende Werke (Hochöfen, Zementfabriken, Walzwerk, Glühlampenfabriken, Zellulosefabriken, Textilwerke usw.) wurden errichtet. Es konnten teilweise sogar umfangreiche Exporte getätigt werden; besonders der Textilindustrie wurden-große Aufträge erteilt, die nicht voll bewältigt werden konnten. Neuerdings macht sich jedoch die Konkurrenz der USA in bedrohlicher Weise bemerkbar. Selbst Artikel wie Strümpfe, die durch besondere Zölle geschützt sind, können, nicht mehr abgesetzt werden. Auch hier zeigen sich die nachteiligen Folgen einer engen Bindung an die USA, die einerseits den Ausbau der Landesindustrie finanzieren, auf der anderen Seite jedoch als Konkurrenten derselben Industrie auftreten. Um dieser übermächtigen Konkurrenz auch nur einigermaßen zu begegnen, wäre vor allem eine völlige Modernisierung der meisten Fabrikanlagen erforderlich, die allerdings mit einem Kostenaufwand von mindestens 20 Millionen Dollar verbunden sein würde, das für einen solchen Zweck nicht zur Verfügung steht. Hinzu kommt, daß große Teile der Industriearbeiterschaft in landwirtschaftliche Betriebe zurückkehren müßten, denn eine durchgreifend rationalisierte Industrie würde kaum mehr als ein Viertel der bisherigen Arbeitskräfte benötigen.

Von der Regierung sind weitreichende Pläne ausgearbeitet worden, die eine erhöhte wirtschaftliche Aktivität unter staatlicher Lenkung ankündigen. Neben dem Ausbau der Häfen und der Verkehrsverbindungen sind vorgesehen die Verbesserung der Ölgewinnungsanlagen, der landwirtschaftlichen Erzeugung und der industriellen Einrichtungen sowie die Anlage weiterer Fabriken, die in erster Linie landeseigene Rohstoffe verwenden sollen. Der Bau eines größeren Werkes zur Herstellung elektrischer Haushaltsgeräte, von Fabriken zur Erzeugung von Stahl- und Eisenwaren, eines Aluminiumwerkes und mehrerer Ziegeleien ist bereits in Angriff genommen. Die Kraftstromversorgung soll in Kürze verdoppelt werden; auch ist ein Ausbau der – chemischen Industrie geplant.