Das durch die Technik der Atomzertrümmerung plötzlich so bedeutungsvoll gewordene Uran, das vorher hauptsächlich als Quelle der Radiumproduktion gesucht war, ist ein verhältnismäßig seltenes Metall. Es wird aus zwei Mineralien gewonnen, deren Urangehalt so groß ist, daß er eine Minende Verarbeitung gestattet: aus Pechblende oder aus Karnotit. Hauptlieferant für die amerikanische Atombombenerzeugung, die sich in Texas konzentriert, war und ist Kanada, das bedeutende Vorkommen besitzt und neuerdings noch dazu entdeckt hat.

Jetzt scheint es, als wenn die USA auf dem Wege zu einer Eigenproduktion an Uran sind, die nach optimistischen Äußerungen aus Fachkreisen sogar bei einer Verwirklichung "hochfliegender Pläne" auf diesem modernsten Gebiet der Technik – sei es nun im friedlichen, fortschrittlichen Sinne oder auch in Richtung auf die von der ganzen Welt gefürchtete kriegerische Entwicklung – ihnen eine Autarkie verschaffen würde. Im Becken des Kolorado-Flusses, in den Staaten Arizona, Kolorado, Utah, Neu-Mexiko und Californien, sind Karnotitvorkommet gefunden worden, die strichweise in dem von den Flüssen zersägten Sandstein dieser Gebirgsgegenden enthält sind. In einem Seitental des berühmten Grand Cañyon in Arizona, dem Hacks Cañyon, wurde von privater Seite ein Karnotitlager gefunden, von dem man annimmt, daß es ausgedehnt und stark uranhaltig ist. Da der kürzlich in Hoover-Damm umgetaufte Boulder-Damm, das größte Wasserkraftwerk der USA, nur neunzig Meilen Luftlinie von der Fundstelle entfernt liegt, würde die Energiefrage für eine großzügige Ausbeute und Verhüttung verhältnismäßig einfach sein. Es wird jetzt bekannt, daß das Bergbauamt des Innenministeriums und die Atom-Energie-Kommission bereits vielerorts im Kolorado-Revier nach Uran gesucht und auch vielversprechende Funde gemacht haben. Zahlenangaben wurden verständlicherweise nicht veröffentlicht, doch läßt sich die New York Times aus Arizona hierüber, im optimistischen Sinne berichten. I. Br.