Es hat einem doch ziemlich die Sprache verschlagen. Auch nachdem die schmerzenden Gesichtszüge sich von dem Gelächter erholt haben, bleibt es vorerst beim Kopfschütteln. „Erzähl’ doch mal“, sagen beunruhigt die Leute, die nicht mit in der Premiere waren (im Waterloo-Theater, Hamburg). Aber das kann man gar nicht. Wer die „schtory“ des Films „Gefährliche Reise“ nachzuerzählen vermöchte, wäre ein Wunder an Konzentration und Wortgewalt. Und nun zu denken, daß eine Frau sie vorerzählt hat, nämlich Lady Eleanor Smith in ihrem Roman „Caravan“! Sie muß eine der ganz Großen sein, eine Natalie V. Eschstruth, eine Marlitt, eine Courths-Mahler –; mit den patschigen Dichterhändchen greift sie in die hoch aufrauschende Harfe des Lebens. Des Lebens mit seinen Höhen und Tiefen, seinen Nacht- und Sonnenseiten, seinem Adel und Verbrechen wie-gehabt und bekannt. In diesem Sinne gab es Anschauungsunterricht vom Leben, so recht aus dem Vollen geschöpft: ein Dichter-Boxer-Reiter,zwei um ihn kämpfende Frauen (beiden droht der Seelenadel das Mieder zu sprengen), noble und fragwürdige Spanier, Zigeuner mit Musik und Tanz, Lumpen im Frack und menschliche Größe unter Fetzen, Reinheit und Leidenschaft in jeder Façon. Großes Ehrenworte es kam ein Dutzend edler Nutten vor, die, gerührt vom Anblick der Heldin, die geklauten Löffel Wieder auf den Tisch legten.

Der Film wurde vom Premierenpublikum ausgelacht, der ganze Aufwand eines Ausstattungsstücks von zweieinhalb Stunden ging in Gelächter unter. Schade, daß die Hersteller und die Schauspieler nicht mitgelacht haben! Mit einer leisen Drehung des Ganzen hätte man eine saftig-pralle Parodie haben können, auf das nämlich, was der Kientopp unter dem Leben versteht.

Im Vorspann heißt es: J. Arthur Hank zeigt den Gainsborough-Film der EAGLE-LION im Atlas-Filmverleih: der König des englischen Films, der König der Porträtmalerei, der König der Lüfte und der König der Wüste, während der Verleih, mit dieser Monarchie auf dem Buckel, sich nur dem Erdballträger Atlas vergleichen mag. Sie waren nun einmal dabei, voll und tief in die Lebenskette zu greifen –. Und wir müssen lachen! Lz.