Von Dr. Michel (Hannover)

Die Verwirklichung dieses Exportplanes würde bedeuten, daß der Export von-allgemeinen Kautschukwaren – unter Berücksichtigung einer Preiserhöhung von durchschnittlich 100 v. H. gegenüber den Vorkriegspreisen – mengenmäßig um über 100 v. H. über den Exportleistungen von 1938 liegen würde. Der Durchführung eines solchen Exportprogrammes stehen sowohl von der Seite der Erzeugung wie von der Seite des Absatzes die größten Schwierigkeiten entgegen.

Das Produktionsprogramm von monatlich 2100 t Kautschuk für beide Zonen bedeutet für die britische Zone allein einen Kautschukeinsatz von-12601 im Monat. Um ein Bild über den Umfang dieses Produktionsprogramms zu geben, werden nachstehend die tatsächlichen Verarbeitungsmengen in der britischen Zone im 2. Vierteljahr 1947 genannt:

Die Verarbeitung kg damit weit hinter den Produktionsmöglichkeiten der Industrie. Die Kapazitätsausnutzung betrug in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres im Durchschnitt nur etwa 35 v. H., vobei sich bis zur Jahresmitte eine Steigerung bis auf etwa 50 v. H. ergeben hatte. Diese Ausnutzung ist jedoch bei Innehaltung des neuen Produktionsprogrammes nicht zu halten! Für das Jahr 1947 ist höchstens mit einem Ausnutzungsgrad von durchschnittlich 40 v. H. der Kapazität zu rechnen, was dem durchschnittlichen Jahresergebnis von 1946 entsprechen Würde. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß im Jahre 1946 praktisch keinerlei Exporte durchgeführt wurden. Bei gleicher Produktion bedeutet also das Programm für 1947 eine erhebliche Verschlechterung in der Inlandsversorgung.

Nach den bisher gesammelten Erfahrungen zeigt sich deutlich eine fortschreitende Sättigung der – europäischen Märkte für Kautschuk. In der Schweiz liegen die Verhältnisse so, daß technische Kautschukwaren aller Art ausreichend bei dem Großhandel zur Verfügung stehen. Diese Waren werden zum größten Teil von der Firma Pirelli-Mailand (daneben erscheinen auch britische und amerikanisch. Lieferanten auf dem Markt) geliefert, die heute schon wieder in der Lage ist, den Schweizer Käufern ihre Ware „ab Lager franko verzollt Chiasso“ anzubieten. Auch mit Reifen ist die Schweiz bereits ausreichend versorgt, so daß für Kraftfahrzeugreifen die Rationierung aufgehoben werden konnte.

Wein auch die Schweiz mit ihrem Hart-Währungssysten nicht als absolut typisches Beispiel für die Lage auf den europäischen Ländern angesehen werden kann, so wird doch klar, daß der allgemeine Warenhunger in Europa, der in der ersten Zeit nach Beendigung des Krieges den Export unter jeden Bedingungen möglich gemacht hätte, allmählich einer gewissen Sättigung entgegengeht und damit wieder normale Marktverhältnisse entstehen. Um aber unter normalen Marktverhältnissen konkurrieren zu können, müssen auch die Geschäftsbedingungen normalen Usancen entsprechen, d. h. die deutsche Industrie muß in die Lage versetzt werden, in eigener Verantwortung kurzfristig Geschäfte abzuschließen, die nicht den für Auslandsgeschäfte völlig ungewöhnlichen Vorschriften der JEIA (Kaufvertrag, Akkreditivstellung, Zahlung in £ oder $ – mit Ausnahme von einigen wenigen Ländern) – unterliegen.

Besonders durch die WährungsVorschriften werden der Aufnahmefähigkeit vieler Märkte für deutsche Waren starke Grenzen gesetzt. Der für die meisten Länder, bestehende Zwang, £ oder $ für deutsche Waren aufzuwenden, führt neben den das Geschäft, erschwerenden Formalitäten dazu, daß in Deutschland nur solche Waren gekauft werden; die beim, besten Willen in einem anderen Lande nicht zu beschaffen sind. Dies trifft aber für Kautschukwaren im allgemeinen nicht zu. Die deutsche Kautschukindustrie befindet sich vielmehr im Auslandsgeschäft in scharfer Konkurrenz, zu der übrigen europäischen und amerikanischen Kautschukindustrie.