Auf unsere Bitte hin hat uns die „Wirtschaftsvereinigung Bekleidungsindustrie“ für die Nordrheinprovinz die folgenden Ausführungen ihres Vorsitzenden Dr. Dr. Preiss-Wuppertal zur Verfügung gestellt.

Man kann wohl sagen, daß bis zum heutigen Tage alle nur denkbaren Anstrengungen gesucht worden sind, um den Bann der Erstarrung, unter dem der Außenhandel Deutschlands leidet, zu lösen. Gerade auch die Bekleidungsindustrie der Westzonen, die unter einem empfindlichen Materialmangel leidet (und deren Lage nicht mit den Verhältnissen in der Ostzone zu vergleichen ist, wo gewisse Sparten der Bekleidungsindustrie in hohem Maße für die Besatzungsmacht arbeiten) sucht auf dem Exportwege ihre Nöte zu überwinden.

Es ist nicht der Devisengewinn, der heute den Exporteur reizt, denn der Exporterlös kommt ihm nicht zugute. Dieser Anreiz, der der privaten Initiative den Aufschwung geben könnte, fehlt trotz des Devisenbonus noch weitgehend. Dem „Exportgedanken“ des einzelnen Unternehmers liegt heute In der Hauptsache das Bemühen zugrunde, dem eiferten Betrieb ausreichende Beschäftigung zu dem schaffen. Diese Sorge entspringt aber nicht der Situation normaler Zeiten, als der Inlandsmarkt, den deutschen Kaufmann zu eng geworden war, Sendern der heute oft schweren Aufgabe, das notwendige Verarbeitungsmaterial für die einsatzbereiten Maschinen heranzuschaffen. Eine Sättigung des Inlandsmarktes liegt noch in weiter Ferne, sodaß heute dieser Grund für ein ernstliches Exportstreben noch nicht maßgebend sein dürfte. Unabhängig davon besteht wohl kein Zweifel, darüber, daß aber für den weitsichtigen deutschen Unternehmer der Gedanke der Wiederaufnahme alter Geschäftsbeziehungen eine Triebfeder seiner Exportbemühungen darstellt. Für dieses Streben fehlen jedoch heute noch wesentliche Voraussetzungen, wie der persönliche Kontakt mit dem ausländischen Importeur und der Aufbau des Individualgeschäfts.

Eines steht fest, daß alle bisherigen Bemühungen der Bekleidungsindustrie bis heute noch nicht den gewünschten Erfolg herbeigeführt haben. Es ist nicht abzustreiten, daß es bei den in den verschiedeien deutschen Ländern veranstalteten Exportschauen oft an einer gründlichen Vorbereitung gefehlt hat. Keinesfalls ist es etwa als ausreichend zu betrachten, wenn eine Aufforderung an alle Unternehmen ergeht, mit ihren Mehr oder weniger geeigneten Mustern eine Schau zu beschicken, die letzten Endes Oft Schaufenster des neugegründete darstellen soll. Oft haben auch gerade neugegründete Finnen den Versuch unternommen, sich bei dieser Gelegenheit zur Geltung zu bringen. Den meisten dürfte hierbei nicht ganz klar geworden sein, daß ein eingehendes Geschmacksstudium des Exportgeschäft Marktes dazu gehört, um beim Exportgeschäft zum Erfolg zu kommen. Die Nachkriegsan-; forderungen des deutschen Marktes dürften hindazu angetan sein, die Konkurrenz besonders hinsichtlich der Qualität, zu fördern und die Unternehmen zur Höchstleistung anzuspornen, sowie eine gesunde fördern. der leistungsfähigsten Produzenten zu fördern. Von einer richtigen Überinterne ist man ausgegangen, als in Düsssldorf eine Landes Leistungsschau der Bekleidungsindustrie des Landes veranstaltet wurde, um von einem Sachverständigenkreis beurteilen zu lassen, bei welchem Auftreten auf Voraussetzungen für das öffentliche Auftreten auf einer Exportschau, die von ausländischen Käufern besucht wird, vorhanden sind. Auf diese Weise dürfte manche Mißgriffe vermieden werden. Dies dürfte in besonderem Maße für die Damenoberbekleidungsindustrie von Bedeutung Aber die eine gute Eignung für den Export besitzt Aber auch die deutsche. Krawatten-, Hosenträger-, Postion und Miederindustrie besaß eine beachtliche Postion auf dem Weltmarkt.

Die Geschmacksrichtung unserer Industrie war im Ausland anerkannt. Ob dies heute noch der Fall ist, wird sich erst zeigen und dürfte zur Zeit noch nicht zu beurteilen sein. Es ist nicht damit getan, daß die Form und der Schnitt beim ausländischen Konsumenten Gefallen findet Die verwendeten Materialien und modischen Zubehörteile spielen eine maßgebende Rolle. Es ist nicht leicht, bei dem Mangel an den gewünschten und erforderlichen Stoffqualitäten und Mustern eine ansprechende und erfolgversprechende Musterkollektion herauszubringen. Auch der Fertigung von modischem Zubehör ist bisher nicht die erforderliche Beachtung geschenkt worden.

Vor dem Kriege war gerade die Berliner Beklei- – dungsindustrie mit einem bedeutendes-Anteil auf den Auslandsmärkten vertreten, und es wird für Westdeutschlands Bekleidungsindustrie nicht leicht sein, das zu bieten, was früher von der Berliner Konfektion auf den Markt gebracht wurde. Der gute Wille und die technischen Vorbedingungen sind vorhanden. Inzwischen haben sich jedoch auch bekannte ehemalige Berliner Firmen in Westdeutschland niedergelassen, die wahrscheinlich der alteingesessenen westdeutschen Industrie die notwendigen Anregungen geben können. In kapazitätsmäßiger Hinsicht werden keine Schwierigkeiten im westdeutschen Raum bestehen. Es geht hierbei nur

um die Anerkennung unserer Qualität im Ausland. Der Massenartikel dürfte im jetzigen Stadium des Exportes noch nicht gefragt sein. Trotz der schweren Kriegsverluste in der Bekleidungsindustrie steht heute schon wieder ein bedrohlicher Maschinenpark zur Verfügung, der auf ausreichende Ausnützung wartet. Die größten Schwierigkeiten, zu Exportabschlüssen zu kommen, könnten bei der Herrenoberbekleidungskonfektion auftreten, da das zur Verfügung stehende Material den Exportanforderungen nicht genügen dürfte. – Leider hat sich in letzter Zeit die Tendenz bemerkbar gemacht, nur die Spinnereien und Webereien, mit Exportaufträgen zu versehen und die Weiterverarbeitung der Bekleidungsindustrie des auftraggebenden Landes zu überlassen. Wenn die Schirmindustrie in letzter Zeit einen größeren Exportauftrag erhielt, so mit deshalb, weil noch Materialbestände im Inland waren, die hierfür in Anspruch genommen werden konnten.