„Wir beabsichtigen nicht eine Währungsreform in den beiden vereinigten Zonen unabhängig vom übrigen Deutschland durchzuführen... wenn man uns dazu nicht zwingt.“

General Robertson, am 14. August.

Professor Sauermann, der Währungsfachmann der Frankfurter Universität, der als Gutachter mit dem Finanzberater des USA-Mil.-Gov., Jack Benett, zusammenarbeitet, hat in einem Gespräch mit einem Vertreter des DPD am 15. August einige sehr bemerkenswerte Äußerungen zur Währungsreform gemacht. Danach soll die Vorbereitung und Durchführung der Reform in den Händen einer Gruppe von etwa zwölf („von Parteien, Weltanschauungen und Ländern“) unabhängigen Fachleuten liegen, die auch gegenüber den Militärregierungen und dem Wirtschaftsrat (mit Exekutivrat) eine gewisse Selbständigkeit haben müßten.

Als Hilfseinrichtungen für die Durchführung der Reform seien eine zentrale Notenbank und ein gemeinsames Finanzministerium erforderlich, während die Kontrolle der Durchführung zu dem Aufgabenkreis der neu zu schaffenden Stelle gehöre. Im übrigen solle die Reform dem Verfahren angepaßt werden, das in Amerika bei dem „Federal Reserve System“ bestehe. Daher müsse der Leiter dieser Stelle von der Militärregierung ernannt werden, wie ohne Hilfe der Militärregierung die Währungsreform überhaupt undurchführbar sei.

Die britische und amerikanische Militärregierung könnten indessen, so meinte Professor Sauermann, eine „westliche Währungsreform“ mit Rücksicht auf die in Jalta und Potsdam eingegangenen Bindungen nicht durchführen. Wenn aber von deutscher Seite eine Reform in den Westzonen gewünscht werde, dann könnten die westlichen Militärregierungen darauf hinweisen, daß sie den Deutschen die Freiheit gegeben hätten, sich wirtschaftlich selbst einzurichten, und daß es nunmehr auch den Deutschen erlaubt sein müsse, von dieser Freiheit Gebrauch zu machen.

Daß die Währungsreform zunächst in den Westzonen, unabhängig von dem Ausgang der Londoner Konferenz und dem Vorgehen der Ostzonen, vordringlich durchgeführt werden müsse, hielt Professor Sauermann für unausweichlich.

Zu dem Termin äußerte, er sich wie folgt: „Jeder Zeitpunkt ist falsch, wenn der Reformplan falsch ist, und jeder Zeitpunkt richtig, wenn die Reform Erfolg hat.“ – Es lägen genügend Vorschläge vor, und man sei sich im Grunde auch über die Technik einig. Lange dürfe aber der Zeitpunkt nicht mehr hinausgeschoben werden, zumal die Vorbereitung, das Anlaufen und die Durchführung noch einige Zeit in Anspruch nehmen würden. Vor zwei Jahren sei der Termin günstiger gewesen als vor einem Jahr, und heute sei er günstiger als morgen. – Die Befürchtung, durch die Reform werde etwa der Industrie das notwendige Kapital entzogen, bezeichnete Professor Sauermann als ebenso grundlos wie die Ansicht, neues Geld schaffe keine neue Produktion. Dem Unternehmer beispielsweise werde das für die Lohnzahlung nötige Geld auf Anforderung sofort durch-die Notenbank zur Verfügung gestellt werden. Das Vertrauen, das aus der neuen soliden Währung erwachse, werde sich in Arbeit und damit, in einer allmählich anlaufenden; Produktion ausdrücken. Selbstverständlich werde die Umstellung zunächst eine schockartige Lähmung mit sich bringen können, die aber in etwa 14 Jagen überwunden sei. Einmal müsse jedenfalls so schloß Professor Sauermann, die Operation gewagt werden, schon um der Verschleuderung von Produktivkraft ein Ende zu machen, wie sie heute üblich sei.