/ Von H. Frentzel-Wagner

Die Bewirtschaftung bricht zusammen. Kompensationsgeschäfte, Schwarzer Markt und Korruption überwuchern den regulären Wirt? schaftsablauf. Nicht Gewinnsucht allein, sondern der nackte Selbsterhaltungstrieb bringt Menschen und Firmen auf diese krummen Wege. Das Geld wird in zunehmendem Maße zurückgewiesen. In riesigen Behörden und einer gespenstischen Papierflut demonstrieren sich täglich Widersinn und Unwirtschaftlichkeit der gegenwärtigen Wirtschaftsverfassung. Dabei ist. der Behördenapparat nur der kleinere Teil: die Hauptlast des allgemeinen leerlaufes tragen Konsumenten und Betriebe.

In unabsehbarem Maße werden infolge falscher Lohn- und Preisrelationen produktive Kräfte fehlgeleitet oder bleiben ungenutzt. Die Initiative wird unterbunden, Warenhortung und illegaler Handel nicht nur gefördert, sondern geradezu erzwungen. Mit dem Anspruch sozialer Gerechtigkeit wird innerhalb der Bewirtschaftung eine falsche Gleichheit zwangsweise hergestellt und die Arbeitswilligkeit untergraben. Flüchtlingen, Rückkehrern und dem Nachwuchs bleiben die Berufe versperrt.

Hamsterfahrten und Schwarzhandel, privat- und volkswirtschaftlich die denkbar kostspieligste. Art von Transport und Verteilung, sind zugleich die sozial ungerechteste Form. Es wird offenbar, daß die Bewirtschaftung ihre eigentlichen Aufgaben gar nicht mehr erfüllt: die gleichmäßige Verteilung der unmittelbar lebensnotwendigen Güter ist illusorisch geworden (bei den Bergarbeitern ist dieses Prinzip bereits grundlegend durchbrachen), und es kann auch keine Rede mehr davon sein, daß Arbeitskräfte, Maschinen und Materialien schnell und ausschließlich auf den dringendsten Bedarf zugelenkt würden.

Auch die Währungsreform allein könnte nicht grundlegend helfen. Da eine totale Zwangswirtschaft undenkbar ist, muß und kann nach der Währungsreform die Bewirtschaftung mit Lohn- und Preisstopp und allen Zulassungsbeschränkungen fallen.

Die Umstellung

Notwendig ist die Anpassung der Löhne an die Preisentwicklung und eine ausreichende Unterstützung der Erwerbsunfähigen. Zahlreiche Betriebe werden abbauen oder stillegen müssen, andere, vor allem die Grundindustrien, werden sich ausdehnen. Manche Unternehmen werden hohe Löhne zahlen, viele in dieser Konkurrenz um die Arbeitskräfte nicht mithalten können. Nennenswerte Unternehmergewinne werden zunächst nicht zustandekommen. So werden, die Einkommen einander so weit angeglichen, daß die existenznotwendigen Güter einigermaßen gleichmäßig verteilt und die sonst unerträglichen sozialen Spannungen vermieden werden. Nur wenn in direkten Verhandlungen kein Abkommen erzielt werden kann, sollte die Lohnbildung dem Staat übertragen werden.