Von Lloyd II. Greenwood

Lloyd H. Greenwood, Leutnant der amerikanischen Luftwaffe, verlor 1944 bei einem Luftangriff auf österreichisches Gebiet das Augenlicht. Er war mit seiner Schilderung „Weg ins Wunderland“ Preisträger in einem Wettbewerb an Old Farms Convalescent Hospital in Avon, Connecticut.

Ich habe vor kurzem ein schönes fremdartiges Landbetreten, das nur wenige von uns Menschen kennen. Wenn du in dieses Land gelangen willst, mußt du durch ein Tor gehen, das krachend hinter dir ins Schloß fällt und von drinnen nicht geöffnet werden kann. Du befindest dich in einer Wildnis, die, von fratzenhaft verzerrten Gestalten belebt und von undeutbaren Geräuschen erfüllt ist.

Wenn der Ankömmling mutig und klug ist, wird er tiefer in dieses neue Land eindringen, bis er endlich in einen Bezirk voll unvergleichbarer Wunder gelangt. Bald schon werden verschwommene Gestalten, die ihn zuerst erschreckten, farbig getönt von einemmärchenhaften, regenbogenbunten Schattennebel – einer Erinnerung aus vergangenen. Tagen. Dann löst sich der Nebel auf Die Gegenstände erglühen in einem neuen Glanze und werden unterscheidbar wie die Gestalten eines Traumes: Aber sie sind wirklich, und man kann sie berühren. Und durch die Berührung werden sie noch schöner als zuvor.

Es gibt da nichts Erdenhaftes, das stören und entstellen könnte – keinen Schmutz, nichts Häßliches, keinen Anblick, der die Seele bedrückt. Die Gebäude sind allesamt aus weitestem Marmor oder schimmerndem Silber. Der Himmel hat immerdar die Farbe, die du dir dein Leben lang für ihn erträumt hast. Die Bäume sind nicht einfach mehr Bäume, sondern atmende Geschöpfe aus Jade und Onyx. Die Menschen sind nicht einfach mehr Menschen, sondern haben sich in die Nähe der Gottähnlichkeit erhoben. Der Ankömmling begegnet allen seinen alten Freunden und gewinnt dazu viele neue. Die. Freunde haben jeglichen Makel verloren, der ihre Erscheinung etwa trübte. Nur ihre Stimmen sind die gleichen geblieben wie zuvor.

Es ist ein Land ohne Unvollkommenheiten, ein Land, in dem sich’s gut leben läßt. Es ist das Land, das du wahrnimmst, wenn du lange genug und ganz unverwandt durch zwei gewöhnliche, Glasaugen blickst. Übertragen von Karl Derbs