Vor kurzem haben die Chefs der für die Behandlungwirtschaftlicher Fragen in den vereinigten Westzonen zuständigen alliierten Stellen, der Wirtschaftsberater des amerikanischen Militärgouverneurs General Draper und der Leiter der Wirtschaftsabteilung in der britischen Kontrollkommission, Sir Cecil Weir gemeinsam über den britischen Rundfunk einen Appell an die Welt gerichtet, den deutschen Export zu unterstützen: Die Welt müsse erkennen, so wurde gesagt, daß ein Wiederaufbau Europas ohne Deutschland unmöglich sei, daß aber lediglich ein stärkerer Außenhandel die deutsche Wirtschaft wieder auf eigene Füße stellen könne. Stärkerer Außenhandel heißt in – Wirklichkeit vermehrter Export, denn nur über diesen kann-Deutschland wieder kaufkräftig für dieErzeugnisse der übrigen Welt werden. Der Vorrang des Exports ist auf dem Außenhandelsgebiet so selbstverständlich wie der der Einnahmen im pri-– Vater oder öffentlichen Haushalt. Hier wie dort kann man die Ausgaben nur nur soviel über die – Einnahmen hinauswachsen lassen, wie man über Kredit verfügt. Kredite für die Einfuhr stehen uns aber bisher erst in sehr bescheidenem Umfang zur Verfügung, und die Ausweitung des Spielraums im Außenhandel kann daher nur von der Exportseite her gewonnen werden. Wie gering die Erfolge-sind, die bisher; auf dem Exportfeld errungen wurden, und wo die Ursachen dafür liegen, ist oft genug behandelt worden. In diesem Zusammenhang davon nur soviel, daß fast entscheidender noch als die produktionswirtschaftlichen Voraussetzungen die organisatorischen Formen erscheinen, unter denen sich die Abwicklung des Auslandsgeschäfts vollzieht. General Draper und Sir Cecil haben u. a. die Notwendigkeit unterstrichen, den deutschen Unternehmer und Exporteur zu größeren Anstrengungen zu er mutigen. Wer vor einem „undurchdringlichen Gestrüpp der Formalitäten“, vor einer „fast unglaublichen Kompliziertheit des Verfahrens“ steht, um nur zwei einschlägige Kennzeichnungen zu wiederholen, wird sich wenig ermutigt fühlen, und eherzur Resignation neigen. Aberaudi der ausländische Kaufinteressent, so sehr ihm daran gelegen sein mag, wieder lang entbehrte deutsche Spezialerzeugnisse zu erwerben, wird sich nicht so leicht zur Wiederaufnahme alter deutscher Verbindungen entschließen, wenn er sieht, mit welchen Umständlichkeiten der Warenbezug-aus Deutschland heute verbunden ist.

Neben den materiellen Bedingungen der Ausfuhr, der bevorrechtigten Zuteilung von Kohle, Strom und Rohstoffen und Bereitstellung der notwendigen Arbeitskräfte, sowie den Bestimmungen des JEIA-Verfahrens, die vor allem die Preisfestsetzung zum Gegenstand haben, ist-für die Außenhandelsgestaltung nicht zuletzt auch die Regelung der Finanzierung und die zahlungstechnische Abwicklung der Geschäfte von Einfluß. Zahlungen von Land zu Land lassen sich nicht so einfach durchführen, wie solche innerhalb der Landesgrenzen, nicht nur deshalb, weil dabei die Brücke von einer Währung zur anderen geschlagen werden muß. Sie setzen genaue Kenntnis der einschlägigen Gesetzes-, bestimmungen. des In- und Auslandes voraus und erfordern neben guten Geschäftsbeziehungen zu den ausländischen Banken, eingehende Spezialerfahrungen, die nur in langjähriger Praxis erworben werden können. Aus solchen Überlegungen heraus; ist in der britischen und amerikanischen Zone die Institution der sogenannten Außenhandelsbanken geschaffen worden: das sind Banken, die zur Übernahme der im JEIA-Verfahren vorgesehenen Funktionen zugelassen sind. Für die Bezahlung der deutschen Exporte ist ein Schema festgelegt worden, das im Gegensatz zu der – Praxis früherer Zeiten die Benutzung des Akkreditivinstruments zwingend vorschreibt. Der ausländische Käufer muß bei einer ausländischen Bank ein unwiderrufliches Akkreditiv in Devisen zugunsten der Militärregierung eröffnen lassen. Durch dieses im Ausland zahlbare Akkreditiv soll die Bezahlung der deutschen Lieferungen in fremder Währung sichergestellt werden. Die Dauer der Laufzeit der Akkreditive soll so bemessen werden, daß außer der vertraglichen Lieferfrist eine zusätzliche Dauer von drei Monaten für die Begehung der Dokumente berücksichtigt wird. Die ausländische Bank hat die Mitteilung über die Eröffnung des Akkreditivs an die im Exportvertrag namhaft gemachte deutsche Bank zu richten. Es ist dies die zugelassene Außenhandelsbank, die der deutsche Exporteur, seinem ausländischen Kunden als seine Bankverbindung in Deutschland aufgibt. In jeden Exportvertrag muß. demnach der Name des deutschen Bankinstitute eingesetzt werden, bei dem der Exporteur nach Versand der Ware seine Dokumente einzureichen hat und den Reichsmarkgegenwert ausgezahlt erhält. Im einzelnen geht die Abwicklung derart vor sich, daß die deutsche Außenhandelsbank die zuständige-Zweigstelle der JEIA wie auch den Exporteur von der Akkreditiveröffnung und den im Akkreditivniedergelegten Einzelheiten unterrichtet. Sobald die Verladung der Ware erfolgt ist, läßt sich die Außenhandelsbank vom Exporteur die Dokumente aushändigen, prüft sie und sendet sie an die ausländische Bank. Diese vergütet bei Erhalt der Dokumente den Devisengegenwert auf eines der vorgeschriebenen Konten der Militärregierungen (z. B. bei Lieferungen nach USA auf das Konto „Military Governments for Germany (US/UK) Joint Export-Import Account“ bei der Federal Reserve Bank of New York) und erteilt der deutschen Außenhandelsbank hierüber Aufgabe. Damit ist endlich der Weg zur Auszahlung an den deutschen Lieferanten frei, allerdings nicht ohne Vorlage einer besonderen von der Landespreisbehörde gegengezeichneten „Ausfuhrzahlungsbescheinigung“, auf Grund deren der genehmigte Reichsmarkbetrag bei der „Gemeinsamen Außenhandelskasse“ in Frankfurt/M. eingezogen werden kann. – Die hier geschilderte Form der Akkreditivstellung, wonach Zahlung aus dem Akkreditiv erst im Ausland bei Eintreffen der Dokumente bei der ausländischen Bank geleistet wird, gab es auch in früheren Jahren, als noch ein normaler internationaler Zahlungsverkehr mit Deutschland bestand. Die deutschen Banken nahmen dann die Dokumente zum Inkasso herein und gewährten auf Wunsch Vorschüsse, so bald die ausländische Bank die Dokumente aufgenommen und eingelöst hatte. Wollte der deutsche Exporteur in früheren Jahren bei Einlieferung seine? Dokumente sofort endgültige Zahlung erhalten, so mußte er ein in Deutschland zahlbares Akkreditiv eröffnen lassen, was heute nicht möglich ist. Der Unterschied gegenüber früher besteht darin, daß die deutsche Außenhandelsbank sich jetzt nicht aus dem Akkreditiverlös selbst bezahlt machen, sondern erst nach Eintreffen des Avises über erfolgts Devisenzahlung auf die „Gemeinsame Außenhandelskasse“ in Frankfurt/M. erholen kann. Der Exporteur kann daher von der deutschen Bank nur einen Vorschuß erhalten, bis die Dokumente Von der ausländischen Akkreditivbank tatsächlich eingelöst sind.

Soweit man im Ausland gewohnt ist, gegen offenes Ziel- oder gegen Akzept bis zu drei Monaten zu kaufen, wie es in Südamerika der Fall ist, gedeutet natürlich die starre Akkreditivvorschrift des JEIA-Verfahrens keine Erleichterung für die Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehungen. Es wäre daher dringend zu wünschen, daß eine allmähliche Auflockerung einträte und an Stelle obligatorischer Vorschriften wieder eine freiere Wahl der Zah-Jungsformen im Export möglich würde. Das gleiche gilt ebenso auch für die Einfuhrseite. Was wir brauchen, ist ganz allgemein die Entwicklung von Finanzierungsformen, welche die Wiedereinschaltung in den internationalen Güteraustausch erleichtern, und dazu gehört je länger je mehr auch die Verfügung über ein gewisses Devisenkapital. Hierin vor allem liegt die Berechtigung der Forderung, den Exporteur am Ausfuhrerlös durch die Gewährung eines Devisenbonus zu beteiligen. Die Verfügung über fremde Valuta ist ebenso unentbehrlich zur Finanzierung von Auslandsreisen deutscher Exportkaufleute, um wieder die persönliche Verbindung mit den alten Kunden herzustellen und auf der ganzen Linie zu einem Anwachsen echter Individualexporte zu gelangen, wie zur Durchführung von eingehenden Marktstudien im Ausland (Klärung der Preislage) und von Dienstleistungen zur Schaffung erweiterter Absatzmöglichkeiten. Auch der Abschluß von Vertreterverträgen im Ausland und die Zahlung von Vertreterprovisionen müssen unterbleiben, solange keine eigene Verfügung über Devisen möglich ist.

Inzwischen hat sich zwar der Grundsatz, einen Teil des Ausfuhrerlöses freizugeben, Geltung verschafft. Der Devisenbonus wurde am 11. August 1947 vom Bipartite Ecconomic Panel in Berlin in der bereits angekündigten Höhe von 10 v. H. genehmigt. Davon steht die Hälfte dem Exporteur (Fabrikanten) zur Verfügung zum Ankauf von Spezialmaschinen und Ersatzteilen sowie zum Bezug von Rohstoffen, aber auch für die Bezahlung von Auslandsvertretern und Auslandsreisen. Es genügt aber nicht, so wie es nunmehr geschehen soll, dem Exporteur einen Devisenberechtigungsschein zu überlassen, mit dem er im Ausland Waren einkaufen kann, die von der JEIA bezahlt werden.

Ziel muß sein, auch In der Einfuhr wieder zu Individualgeschäftenzu kommen, die den deutschen Exporteur in die Lage versetzen, auf dem Auslandsmärkte sich die günstigste Einkaufsmöglichkeit auszusuchen und dabei das Gewicht in die Waagschalezu werfen, das wir als Abnehmer fremder Überschußproduktionen mehr und mehr einmal wiederzu gewinnen hoffen. Bislang gilt ebenso wie bei der Ausfuhr auch bei der Einfuhr der Grundsatz, daß der zulässige Reichsmarkeinfuhrpreis der im Zeitpunkt der Lieferung für die entsprechende Ware nach dem geltenden deutschen Peisrecht im Inland zulässige Preis ist. Auch in der Zeit eines blühenden Außenhandels war Deutschland nicht in der Lage, seine Rohstoffeinfuhren allein aus eigener Kraft zu finanzieren. Es würden dazu fortlaufend Auslandskredite vornehmlich in der Form des Rembourskredites in Anspruch genommen, normalerweise in einem Umfang, der etwa 20 v. H. des gesamten Einfuhrwertes gleichkam. Damals hatte der Wechsel die beherrschende Stellung im internationalen Zahlungsverkehr, sei es, daß die Warenfirmen sich bezogen und direkt Akzept leisteten, sei es, daß die Finanzierung im Wege des Bankakzeptes stattfand. Dabei dienten die Banken dem Warenhandel durch Einkassierung, Bevorschussung und Diskontierung von Wechseln, vor. allem aber stellten sie ihr Akzept zur kreditweisen Finanzierung der Warenbewegung Zur Verfügung. Darin lag eine ihrer wichtigsten Funktionen, denn für den soliden Außenhandel war fast noch wichtiger als die geldliche Unterstützung die -Möglichkeit, durch sofortige Flüssigmachung später fälliger Forderungen das Währungsrisiko auszuschalten. Es ist heute in Vergessenheit geraten, daß die Bereitstellung von Ziehungskrediten und die Pflege des Termingeschäfts einmal die Schrittmacher für die Entwicklung des Zahlungsverkehrs im-Überseehandel waren.

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Wann der deutschen Wirtschaft wieder einmal ausländische Rembourskredite zur Verfügung stehen werden, ist eine offene Frage. Jedenfalls herrscht aber Übereinstimmung darüber, daß die Einräumung größerer Rohstoffkredite in irgendeiner Form eine unerläßliche Voraussetzung für die wirtschaftliche Belebung unseres Landes ist. Der Außenhandelsbeirat der amerikanischen und britischen Zone hat vor einiger Zeit hierzu den Vorschlag gemacht, die erforderlichen Rohstoffe in der Größenordnung von rund 500 Millionen Dollar in Konsignation nach den Freihäfen Hamburg und Bremen zu bringen. Dieser Kredit würde praktisch kaum in voller Höhe in Anspruch genommen werden, da die Güter bis zu ihrer Herausgabe Eigentum der Kreditgeber bleiben, und bei dem raschen Umschlagsprozeß jeweils nur ein Teil der limitierten Summe als echter Kredit offen bleibt. Derartige Überbrückungskredite würden, ermöglichen, daß sie immer rascher abgelöst werden könnten, um schließlich Deutschland in die Lage zu versetzen, aus eigener Kraft die selbsttätige Abwicklung seiner Ein- und Ausfuhren zu bewerkstelligen.