So sind die Deutschen!" meinte der Gast aus Holland, der nicht versäumte, das schlanke, hochgewölbte Brücklein probeweise zu betreten, welches ihn sosehr in Erstaunen versetzt hatte. Diese Brücke, funkelnagelneu, spannt sich — "wie der Rücken eines Tigers", würde Li Tai Pe singen — auf dem hannoverschen. Messegelände über ein blinkendes Gewässer, das früher dort nicht ge- , blinkt bat, umrahmt von blühenden Blumen, die vordem nicht dort geblüht haben. Wie aber sind die Deutschen? "Die Deutschen", sagte der Gast aus Holland, "sind so so unfaßbar gründlich. Aber immer noch mehr unfaßbar als gründlich!. Sis hungern wirklich, die Deutschen, nicht wahr? Aber es war ja nun einmal beschlossen worden, dieses Gelände schön zumachen. Zuerst schimpften sie ein bißchen — oder etwa nicht? —, und dann fingen sie an und machten sies viel schöner, als es notwendig oder , geplant gewesen wäre. Dies alles war — wie Sie sagten — ein verrottetes Fabrikgelfnde. Und jetzt? Ein Paradies! Wie lange — sagten Sie — haben die Vorbereitungen gedauert?" "Einhundertacht Tage, Zuletzt arbeiteten fünftausend Leute an der Herricbtung de Geländes. Alle Hallen bekamen neues Glas. Manchmal drohten die Leute umzukippen bei der Arbeit. Zuviel Sonne undzuwenig Kalorien. Aber sehen Sie: die Blumen, die hübschen Wege, die netten Pavillons, das große Cafe im Freien, die Brücke ," Und der Gast aus Holland nickte zu meinen Er- Märungen, die ich gerade zuvor selber erst erfahren, und er wiederholte: "So sind die Deutschen!" Dabei zeichnet er eine gewisse Handbewegung in die Luft, genau dieselbe Bewegung, die reiche Leute alleweil, zu machen pflegen, wenn sie zu armen, fleißigen Verwandten auf Besuch kommen. Diese Geste hat gut deutsch und holländisch die gleiche Bedeutung: Macht nicht zuviel Umstände, liebe Leute! So viel Umstände wären doch nicht nötig gewesen, — Aber geehrt fühltman sich doch f Dabei habenwir noch nicht einmal von den vielen Fahnen in Gelb und Blau und < Weiß gesprochen, die rings um das Ausstellungsgelände wehen. Man sieht: wir haben zwar noch keine Farben, wir Deutschen, aber an Fahnen scheint — noch immer oder schon wieder? — kein Mangel zu sein.

schen Verkäufer viel lieber — statt die Segnungen jenes Verfahrens zu genießen, das wir den "Papierblilzkr ieg" nannten — die soviel nahrhaftere, wenn auch weniger korrekte internationale Währung der Care Paket Sendung anregen möchten, aber sie wissen eben jene offizielle Regelungals die grundsätzlich bessere laut und vernehmlich zu rühmen. . Denn nicht auf Care Paketen, sondern auf geregelten Geschäftsbeziehungen beruhf die Zukunft des deutschen Exports. Wer zweifelt daran? J3iese Messe ist etwas wie eine Konferenz!" sagte vertraulich die Vertreterin einer Maschinenfabrik "Hier verden sehr wichtige, ja zukunffsentecheidende Fragen zum erster! Male vori den Beteiligten selbst besprochen, den Männern der Praxis den Kaufleutch aus aller Welt. Und die Politiker werden die Ansichten dieser Männer hören müssen, ob sie wollen oder nicht Und sie nannte es einen großen Gewinn der Messe, daß ausländische Geschäftsfreunde von ehedem, auch wenn sie gingen, ohne gekauft zu Jiaben ;awf jeden Fall die Gewißheit mit nach Hause nähmen, da von der deutschen Industrie noch was, vielleicht Großes zu erwarten sei "Diese Holländer! Diese Dänen!" lächelte sie "So skeptisch, nicht- gegenüber der deutschen Ware, sondern gegenüber der Möglichkeit, sie zu kaufen!" — Mißtrauen säe dem System dieser Messe an derLeitie, die sicfa, wie Fachleute sagen, deutlich von den bisherigen Leip " ziger Messen dadurch unterscheidet, daß man immerhin kaufen und damit rechnen kann, auch prompt "beliefert zu werden? So sind dieHolländer. Aber so sind auch andere Auslander, die weniger als die Belgier und die Gäste aus Lissabon mit Dollars gesegnet sind Und darf man ihnen die Skepsis übelnehmen, es sei deah, daß — wie viele es noch für den Lauf der Messezeit erwarten — alle Lieferungstind Zahlungsmöglichkeiten für alle Waren grundsätzlich geregelt werden? Diese Hoffnung zählt mehr als alle Verkaufszahlen, und mögen, sie- noch o hoffnungsvoll klingen.

Es war der Vertreter der Firma "Coptiiental", lder Iie größte Eelbs fsichertieii verriet Diese Messe — sagte er — habe, da Einreisegenehmigungen rwdi DewtecMand verhältnismäßig großzügig erteilt worden seien, viele der alten Vertreter der Firma und viele alte Freunde herbeigeführt. Es seien manche soga- r us Island, aus Südamerika, aus Indien gekomnen., Demnach hat zweifellos die Sperrmauer um Westdeutschland Öffnungen bekommen. Und meldet sich nicht sogar das so viel nähere, wenigstens geographisch nähere" Jugoslawien zu Wort? "Gestern sagte der Handelsattache der jugoslawischer Regierung, daß ein Standardvertrag unterschrieben sei "Und werden Sie liefern können In Fricdens tntalii ät?" "Wie sollten wir nicht liefern können, da England uns beispielsweise für unsere Reifen Kautschul und Baumwolle in bester Qualität aus der Prodiktion des englischen Weltreiches liefert!" England, England! Das klingt wie ein CantiK Als es dann Nachmittag wurde und als zu Tausenden d ;e Schaulustigen aus Hannover und- Umgebung durch die fahnengesdhmücktea Tore strömten, war la ein Biedermann, der ganz ein fachsagte: v"Pofemkins che Dörfer — diesmal westlich " Worauf einer, der es wissen mußte ein deutscher Geschäftsmann, der am. Vormittag ein, imponierendes Geschäft abgeschlossen hatte, versicherte: <iies sei nicht wahr. Auf Ehre und Gewisen: dies sei nicht wahr! Worauf der Biedermann, der, offenbar zwisciea Aen über Deutschland brausenden politischen Schlachtrufen — nie Aufbau unter westlichkspittlistischer, hie Aufbau unter östlich sowieti scher Parole — geradenwegs in einen eigenständigen Nihilismus hiaeirsgesteuert war, sogleich getröstet ward. Denn selbst ihm, der gekommen war, sich selbst mit der Qual des Niditkaufeakönnens za kasteien, wurde — ob er wollte oder nicht — jene Scfewiigun?, jene Frequenz zuteil, die alle Antennei vielsprachig spürten und weitergaben: the hope, lespoir, kurz: Hoffnung.