Einst Kreuder:

Schwebender Weg / Die Geschichte durchs Fenster. Zwei Erzählungen. Rowohlt-Verlag, Stuttgart-Hamburg.

Dem Autor der „Gesellschaft vom Dachboden“ hat man mehrfach das Prädikat eines Romantikers zugesprochen. Romantisch aber lassen sich allenfalls Kreuders Stilmittel nennen, das Phantastisch-Gespenstische des Vortrags und die Vielschichtigkeit des Assoziativen. Die beiden neuen Erzählungen – um die Nothaftigkeit der Heimkehr aus dem zweiten Weltkrieg und des schöpferischen Wiederbeginns für den geistig obdachlos gewordenen Künstler kreisend – nutzen, das Suggestiv-Ungewöhnliche der Darstellung (das ihrerseits Karl Staudingers an Kubin gemahnende Illustrationen unterstreichen) dazu, eine bohrende Eindringlichkeit für grundsätzliche Erörterungen zu erreichen, – in denen das eigentliche Anliegen Kreuders ersichtlich wird; – die existentielle Ergründung einer den Nihilismus überwindenden Metaphysik jenseits aller versimpelnden Allegorik. Nicht von ungefähr enthüllt sich die „Geschichte, durchs Fenster“ als Versuch einer Erzählung, in der die Wirklichkeit gleichsam sich selbst gestaltet. Nicht von ungefähr findet sich im „Schwebenden Weg“ die Konfession: „Weil jeder stets nach eigner Willkür lebte, verfehlten wir, die Ordnungen zu leiten und zu achten. Weil wir für unser Leben sorgten, und nicht für die Ordnungen, konnten die Ordnungen verfälscht und verunstaltet werden, durch die Willkür anderer. Wer nach eigener Willkür lebt, kann stets durch fremde Willkür überwältigt werden, wenn die Ordnungen nicht mehr gelten.“ Angesichts solcher Sätze liegt es nahe, von einer Nachfolge Franz Kafkas zu sprechen. Alexander Lernet-Holenia:

Die goldene Horde. Bei Hans Dulk in Hamburg

In Vers und Prosa wagt hier ein ebenso vehementes wie barockes dichterisches Naturell, dessen irritierende Aura sich aus der Spannung zwischen österreichischem und französischem Erbgut herleitet, den Wurf nach dem adäquaten Ausdruck für ein sehr eigenes Lebensgefühl, dessen zeitliche Fixierung der Hinweis darauf, erleichtert, daß die Konzeption, dieser Gedichte und Dramoletts um anderthalb Jahrzehnte zurückliegt. Mühsal, Sinn und Auftrag des Sterbens bestimmen, thematisch die in einen Kirchenraum verlegte Jagdszene „Triumph des Todes“, die „Einleitung zu einer Totenfeier für Rainer Maria Rilke“ mit dem Cornet der „Weise von Liebe und Tod“. Neben antikisierenden und balladesken Strophen finden sich lyrische Prägungen von diszipliniertester Einfachheit.

Th. A. Schmorl: Balthasar Neumann. Räume und Symbole des Spätbarock, Claassen und Goverts, Hamburg.

Das Geheimnis des Magus. Räume zu schaffen, die Abbildungen seelischer Wirklichkeiten bedeuten“, wird von Schmorl mit ebensoviel Liebe wie Kennerschaft entschleiert. Das von einer beneidenswerten Gabe des Nach- und Neuerlebens durchprägte Buch gibt mindern Persönlichkeitsbild des großen Barockbaumeisters zugleich das Wesenhafte einer Stilepoche, indem es die mitschöpferischen Bauherren Neumanms aus dem Geschlecht der Schönborn profiliert, die Bezüglichkeiten von Bauriß und Raum, von Bauelementen wie Fenster und Treppe erhellt und das Zusammenwirken Neumanns mit Tiepolo in Würzburg sowie seine Vermächtnisse Vierzehnheiligen und Neresheim in einem deutet und preist.