Den gleichen Hemmnissen und Schwierigkeiten wie sie für fast jeden anderen am Export interessierten Wirtschaftszweig heute vorliegen, sieht sich naturgemäß auch die deutsche Elektroindustrie gegenüber. Das beginnt mit der Frage der verbliebenen Kapazitäten, der Energieversorgung, der Beschaffung aller Roh- und Hilfsstoffe und dem Facharbeitermangel Preisbernessuung und Exportkalkulation sind zu erwähnen, und schließlich spielen die Schwierigkeiten des Studiums der Auslandsmärkte und des komplizierten Genehmigungsverfahrens ihre auch sonst hinlänglich bekannte Rolle: Um den Leser nicht zu ermüden, seien diese Punkte hier nur kurz gestreift. Wie aber steht es nun mit dem spezifischen Exportproblem unserer Industrie?

Um hier zu klaren Einsichten zu kommen, läßt sich eine ganz kurze Marktanalyse, fußend auf den Verhältnissen der letzten „normalen“ Vorkriegs-, Jahre, nicht ganz vermeiden. Die letzten zuverlässigen Zahlen liegen für das Jahr 1937 vor. Die Elektroindustrie stellte damals 6 v. H. der gesamten deutschen Auffuhr, war also eine der tragenden Säulen des Exportgeschäfts, was u. a. auch daraus hervorgeht, daß gut ein Achtel ihres Poduktionsvolumens in den Auslandsabsatz ging. Mit einem Ausfuhrwert von 328 Mill. RM lieferte die deutsche Industrie über ein Viertel der insgesamt in den Welthandel gehenden Elektrowaren; als nächstgrößerer Lieferant folgten mit 314 Mill. RM die USA, während Großbritannien an dritter Stelle stand und mit 241 Mill. RM Exportwert ein knappes Viertel des Importbedarfes stellte.

Dabei bestand zwischen den Industrien der drei genannten Länder eine gewisse Arbeitsteilung, sowohl fachlich als auch regional. Deutsche Spezialitäten waren z. B. die Melk Zahl- und Registratureinrichtungen, ferner Koch- und Heizapparate, dann Lichtmaschinen, Zündapparate und sonstiger Automobilzubehör, weiter Elektrokohlen; ganz überwiegend war der deutsche Exportanteil auf dem Gebiet der Elektromedizin (einschl. Röntgenröhren). Im Export der USA dagegen waren relativ bevorzugt die Gruppen Akkumulatoren und Elemente, Einrichtungen (auch Röhren) für die drahtlose Telegrafie und Telefonie sowie (natürlich!) Kühlschränke. Die britische Ausfuhr war besonders spezialisiert auf elektrische Maschinen. Kabel und isolierte Drähte sowie Anlagen für Telegrafie und Telefonie („mit Draht“). Erwähnenswert erscheint noch, daß der Anteil: der drei Länder am Gesamtexport von Glühlampen nur 40 v. H. betrug – ein Zeichen dafür, daß dies Erzeugnis vorwiegend von den sonstigen Konkurrenten am Weltmarkt, mit ihren später entwickelten und noch relativ kleinen Industrien, geliefert worden ist.

Nun zur regionalen Gliederung: Deutschland belieferte, wie aus der folgenden Tabelle deutlich; zu erkennen, vorzugsweise Europa; entsprechend hatten die USA das Übergewicht an den amerikanischen Märkten, während Großbritannien führend in Asien, Afrika und Australien war.

Von der deutschen Ausfuhr 1937 (mit 328 Mill. Reichsmark) gingen ziemlich genau drei Viertel nach Europa (73,5 v. H.), wobei Westeuropa (mit 24,5 v. H.), der Norden (mit 18,6 v. H.) und der Balkan (mit 12,2 v. H.) besonders wichtige Abnehmer waren. Nach Amerika gingen 12.7 v. H. (also ein Achtel) der deutschen Exporte und nach Asien knapp 10 v.H.

Länder wie Bulgarien, Griechenland, Ungarn deckten 70 v. H., die Türkei 60 v. H., Finnland, Norwegen, Polen, Belgien, Schweiz und Tschechoslowakei etwa 50 v.H. ihres Bedarfes an elektrotechnischen Erzeugnissen aus Deutschland. Von den Übersee-Staaten standen Iran mit 60 v. H., China mit 32 v. H., Chile mit 30 v. H., Ägypten mit 28 v. H. und Argentinien mit 27 v. H. an der Spitze.

Der gute Ruf, den sich die deutschen elektrotechnischen Erzeugnisse in der Vergangenheit auf dem Weltmarkt erworben haben, legt der Industrie die Verpflichtung auf, an die bewährte Tradition von früher anzuknüpfen und alles, was in ihren Kräften steht, zu tun, um an der Ausgestaltung des Exports mitzuwirken.. In dieser Erkenntnis hat der Wirtschaftsverband Elektroindustrie schon im Sommer 1946 ein Exportprogramm mit einem Volumen von 80 Mill. RM jährlich ausgearbeitet, das alle Fachsparten erfaßte. Wenn es sich hierbei auch – verglichen mit den Vorkriegszahlen – nur um eine relativ geringe Summe handelt, so kommt ihr doch angesichts der erheblichen Schwierigkeiten, mit denen heute die deutsche Wirtschaft zu kämpfen hat, und im Hinblick auf die Tatsache, daß alle Voraussetzungen für einen Export neu geschaffen werden müssen, eine Bedeutung zu, die im Rahmen des, neuen Außenhandelsverfahrens auf eine gewisse Erweiterung des bisher nur geringen Geschäftes hoffen läßt.