Auf der Sache nach Ersatz für deutsche Farbenchemie

Die Ausschaltung der deutschen Farbenchemie vom Weltmarkt hat trotz aller Versuche der ausländischen Konkurrenz, der entstandenen Versorgungslücke durch die Errichtung neuer und den Ausbau vorhandener Anlagen zu begegnen, einen fühlbaren Farbmangel ausgelöst, von dem vor allem die Textilindustrie in fast allen Ländern betroffen wird. Der Ausfall der deutschen Kohlenchemie bedingt eben einen großen Mangel an Ausgangsstoffen für die chemische Verarbeitung. Und troz geschickter Einkaufsoperationen und ernsthaften Bemühens, durch gewisse Umstellungen in der Endproduktion den Anforderungen weitgehend gerecht zu werden, bleibt das Problem der Zuführung diemischer Grundstoffe weiterhin die wohl größte Sorge unserer früheren Abnehmer. Auch mit der Erzeugung von Ausgangsstoffen aus Nebenprodukten der Erdölindustrie war dem Mangel an Kohlenderivaten nicht ganz beizukommen, so daß sich s. B. die schweizerische Chemie heute mit der Absicht trägt, wichtige Grundstoffe selbst herzustellen.

An der Neuaufteilung des Farbenmarktes sind neben der Schweizer Gruppe, der mit der Baseler 1. G. auch die Ciba AG., die Sandoz AG. und die Hoffmann-Laroche AG: angehören, insbesondere der Imperial Chemical Trost in England, Etablissement Kuhlmann in Frankreich und der amerikanische Chemiekonzern von F. A. Dupont interessiert. Die Fabrikationsstätten der Baseler I. G. in den Vereinigten Staaten, in Italien und England sind um eine engere wirtschaftliche und finanzielle Verflechtung mit ihren Stammhäusern bemüht. Die Schweizer Gruppe konnte indessen noch keine befriedigende Regelung aller rechtlichen und finanziellen Fragen erreichen. Aber Kriegs- und Nachkriegserfahrungen legen der schweizerischen Interessengemeinschaft eine Klärung der rechtlichen Verhältnisse und eine Abstimmung mit den Interessen ihrer ausländischen Partner nahe. Neue Impulse und Sicherung eines größeren Stabes hochqualifizierter wissenschaftlicher Fachleute erwartet man Von dem in Brüssel gegründeten Farbstoffinstitut, für das die interessierten schweizerischen Gesellschaften der chemischen Industrie großzügig Mittel zur Verfügung stellten. Der gleichen Zielsetzung dient auch die Errichtung eines Lehrstuhles für Farbstoffchemie an der Baseler Universität. Durch diese Neuschaffungen wird die Produktion der nächsten Jahre nicht unwesentlich beeinflußt werden.