Der aus den Wahlen vom 20. April 1947 hervorgegangene Landtag von Nordrhein-Westfalen hatte sich als erstes Thema von grundsätzlicher Bedeutung mit der Neuordnung der deutschen Schwerindustrie zu befassen, deren wichtigster Teil nach der Besetzung des oberschlesischen Kohlenreviers heute an Rhein und Ruhr belegen ist. An der sachgemäßen Verwaltung, dieser bedeutenden Vermögenswerte ist. jeder Deutsche interessiert; ohne Kohle, Stahl und Eisen aus dem „Ruhrpott“ keine Deckung unsere eigenen bescheidenen Verbrauchs, geschweige denn Exportüberschüsse zur Bezahlung unserer Lebensmitteleinfuhren. Die Männer, die bis 1945 die gewaltigen Werte mit ihrem Stamm hochqualifizierter Arbeiter leiteten, sind bis auf wenige Ausnahmen durch die Besatzungsmacht entfernt einzelne als Kriegsverbrecher angeklagt worden. Die Vertreter der Arbeiterschaft, Gewerkschaften und Betriebsräte, andere Kreise, die der Schwerindustrie vorwerfen, sie habe Hitler zur Macht verholfen, und vor allem die englische Besatzungsmacht widersetzen sich ihrer Rückkehr und verlangen eine Neuordnung unter weitgehender Ausschaltung der privaten Unternehmerführung. Vier Parteien des Landtages: CDU, SPD, KPD und Zentrum haben nach schwierigen Verhandlungen über diese Frage eine Regierungskoalition gebildet: die FDP, freilich die kleinste Partei, ist in die Opposition gegangen. Um unsere Leser über die Pläne der Parteien zur Neuordnung der Schwerindustrie unterrichten, hat Gerd Bucerius maßgebliche Vertreter der Parteien befragt. Für die CDU spricht Ministerpräsident Arnold, ein Mann aus den Relhei der christlichen Gewerkschaftsbewegung, für die SPD Wirtschaftsminister Nölting, Doktor der Wirtschaftswissenschaft und bis 1933 Professor an der Akademie der Arbeit in Frankfurt a. M., für die FDP deren Vorsitzender Franz’ Blücher, der Finanzminister des letzten Kabinetts.