Die Entwicklung des neuen deutschen Außenhandels hängt nicht nur von der Wiederherstellung unserer früheren industriellen Leistungsfähigkeit ab und von der Freimachung der für uns immer noch behinderten internationalen Handelswege: sie ist auch abhängig von der Aufnahmefähigkeit unserer Abnehmerländer. Noch ist in fast allen Ländern der Welt der während der Kriegsjahre aufgestaute Bedarf nicht gedeckt, noch ist es daher verhältnismäßig leicht, seine Güter im Ausland abzusetzen. Wir Deutschen müssen uns aber darüber klar sein, daß dieser einseitige Zustand stetig einer Entwicklung zum Normalen unterliegt, d. h. zu einem Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage, so daß es in nicht zu ferner Zeit wiederum eine Kunst sein wird, seine Ware richtig zu verkaufen. Wir müssen leider erkennen, daß wir aus den Vorteilen des „sellers-market“ während der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht soviel Nutzen ziehen können wie andere Nationen, denn bis zur Erreichung einer normalen Leistungsfähigkeit unserer Ausfuhrindustrie wird am Weltmarkt ein mehr oder, minder normaler Zustand wiederhergestellt sein. Um so richtiger ist es, daß alle an der Ausfuhr interessierten deutschen Kreise sich rechtzeitig ein Bild darüber zu machen suchen, wo unsere zukünftigen Absatzmöglichkeiten liegen werden und auf welche Märkte man sich, auf längere Sicht gesehen, rechtzeitig einstellen möge.

Die Märkte des fernen Ostens haben von jeher eine große Anziehungskraft auf diMenschen der westlichen Halbkugel ausgeübt. Die Gründe für diesen Zug der Westler nach dem Osten sind insbesondere, gewesen. der große Rohstoffreichtum jener Gebiete, und die dort wohnenden großen Bevölkerungsmassen

Die reichen und vielgestaltigen Rohstoffvorkommen der ostasiatischen Länder sind noch längst nicht voll erschlossen, die gewaltigen Märkte bisher nur wenig, organisiert gewesen im Sinne einer engeren, wirtschaftlichen Verflechtung mit der übrigen Weit. Dieses mag uns Trost und Gefahr in gleicher Weise bedeuten; Trost insofern, als die wirtschaftliche Entwicklung der Menschheit noch bei weitem nicht die Möglichkeiten dieses Erdballs ausgeschöpft hat! wie manchmal kleinlaut vorausgesagt wurde – Gefahr anderseits aber auch für die westliche Welt, wenn eine wirtschaftliche. Organisation eines so gewaltigen Landes wie z. B. Chinas etwa in ähnlicher Weise, wie dies in Japan in den letzten Jahren der Fall war,-eine Revolution des gesamten wirtschaftlichen Lebens des Westens herbeiführen könnte. Indessen, eine solche Entwicklung wird auch in unserer schnellebigen Zeit noch gute Weile haben. Überlassen wir es denen, die nach uns kommen, diese zukünftigen Probleme zu, lösen, in einer hoffentlich besseren Weise, als es uns Gegenwärtigen möglich zu sein scheint, die Probleme unseres Jahrhunderts zu lösen!

In welcher Lage finden wir die Märkte des Fernen Ostens, mit denen nicht nur der deutsche Kaufmann mit Beginn und im Laufe des Krieges seine Tätigkeit einstellen mußte, die vielmehr überhaupt aus dem Konzert des Welthandels seit Eintritt der Japaner in den zweiten Weltkrieg ausgeschaltet, waren?

Japan

Die uns vorliegenden Berichte geben kein vollkommenes Bild, weil Publikationen bewußt zurückgehalten werden. Es ist aber offenbar, daß die Wirtschaft mit Hilfe der amerikanischen Besatzungsmacht, besonders auf dem Gebiet der Baumwollindustrie, angelaufen ist. Japan hat nicht nur den Vorteil, seinen industriellen Produktionsapparat im allgemeinen intakt zu sehen, es hat auch den großen Vorteil, nur von einer einzigen Besatzungsmacht verwaltet zu werden, die wenig Rücksichten auf andere Interessen zu nehmen hat. Die innerwirtschaftlichen Verhältnisse des Inselreiches sind den unseren ähnlich Warenknappheit auf allen Gebieten mit den unerfreulichen Auswirkungen grauer und schwarzer Märkte usw. Ebenso wie Deutschland ist auch Japan darauf angewiesen, seinen Export zu. verstärken; um überhaupt sein Leben fristen zu können. Nicht Fertigwaren werden daher die gesuchten Einfuhren sein, Sondern Investitionsgüter zum Ausbau der zu verstärkenden Industrie. Gerade Investitionsgüter werden wir aus unserer Wirtschaft nur zögernd hergeben können, weil unsere Kapazität für die nächsten Jahre angesichts der Kriegsverluste und Demontagen für unseren eigenen Bedarf weitgehend in Anspruch genommen sein wird. Japan wird lange unter den Fittichen des amerikanischen Adlers bleiben. Private Handelsverbindungen sind noch nicht gestattet; der japanische Außenhandel steht unter Leitung der USCC (United States Commercial Company). Das deutsche Geschäft mit Japan wird sich daher nur langsam wieder entwickeln können, abgesehen davon, daß Deutschland das, was Japan brauchen wird, angesichts der hier zu leistenden Reparationen und der dringenden. Aufgaben des Wiederaufbaus seiner eigenen Industrie nur in – beschränktem Umfang wird zur Verfügung stellen können. Übrigens sehen die bekannten japanischen Wirtschaftsfamilien die Anlehnung an den nordamerikanischen Markt nicht ungern, haben sie doch immer großen Weit auf enge Zusammenarbeit mit den USA gelegt

Niederländisch-Indien