Seit rund zehn Jahren hat sich die deutsche Nutzkraftwagenindustrie bemüht, die Vielzahl ihrer Typen und das verwirrende Nebeneinander der verschiedensten Baumuster der gleichen Leistungsklasse im Interesse der Leistungsfähigkeit wirksam zu beschränken. Der Krieg und seine Auswirkungen haben die Entwicklung in dieser Richtung mit unerhörter Rücksichtslosigkeit vorangetrieben. Die Zahl der Marken wurde durch die ganze oder teilweise. Zerstörung der Werke dezimiert, und die noch verbliebenen Fabriken konnten, soweit sie überhaupt noch dazu in der Lage waren, ihre Fertigung nach dem Zusammenbruch zunächst nur mit einem Typ wiederaufnehmen.

Wenn der Verlauf dieser Entwicklung auch sehr schmerzhaft war, so hat sie doch am Ende zu einer gewissen Bereinigung geführt, deren positives Ergebnis einer wirksamen Konzentration der verbliebenen Kräfte auf eine beschränkte Anzahl bewährter Typen entsprach. Die Auswahl dieser Typen ergab sich folgerichtig von selbst aus dem dringenden Bedarf der Inlandwirtschaft und aus der Entwicklung und Tradition der einzelnen Werke. Jede Fabrik brachte den Fahrzeugtyp heraus, der ihren Erfahrungen und ihren Fertigungsanlagen am besten entsprach.

Da die großen deutschen Nutzkraftwagenfabriken auch während der Kriegsjahre ihre ganze Kapazität für die Fertigung von Lastkraftwagen ausgenutzt hatten, bedurfte es – im Gegensatz zu vielen anderen Industrien – keiner besonderen Umstellung auf Friedensproduktion. Die konstruktive Entwicklung konnte im Frühjahr 1945 da Wieder aufgegriffen werden, wo sie wenige Wochen zuvor unterbrochen worden war. Bescheidene Bestände an Material, Halbfabrikaten und Zubehör haben geholfen, die langen Monate bis zum Anlauf der Erzeugerinnen für Rohstoff; Teile und Zubehör zu überbrücken.

So bietet die deutsche Nutzkraftwagenindustrie auf der Export-Messe 1947 ein klares und übersichtliches Programm: Eine kleine Zahl von Herstellern, deren jeder nur einen Grundtyp zeigt, meist in jahrelanger Entwicklung ausgereifte und erprobte Konstruktionen.

Der schwere Diesel-Lastkraftwagen für mehr als 6000 kg Fahrgestell-Tragfähigkeit steht dabei, im Vordergrund, ein Fahrzeugtyp, den man ruhig als eine deutsche Spezialität, bezeichnen kann, und der auf dem Weltmarkt voraussichtlich einer weniger schweren Konkurrenz gegenübertreten wird als zum Beispiel die leichteren Modelle, die ebenfalls auf der Exportschau mehrfach vertreten sind.

Voraussetzungen für den Export

Eine wichtige Voraussetzung für den Export ist der Umstand, daß die serienmäßige Fertigung der in Hannover gezeigten Nutzkraftwagentypen im Fluß ist und sich auf einen breiten Inlandmarkt Stützen kann. Die Exportlieferungen brauchen also nur aus der laufenden Produktion abgezweigt zu werden; die erforderlichen Rohstoffkontingente für die Ausführung von Auslandsaufträgen, sollen – wie die zuständigen Stellen versichern – in vollem Umfang zusätzlich bereitgestellt werden.