File moderne Bürobedarfsindustrie datiert in ihrem Aufschwung-von der Jahrhundertwende, als mit der Einführung der Schreibmaschine – die Mechanisierung des modernen Bürobetriebes begann, die als wahre Revolution im modernen Geschäftsleben zu bezeichnen ist.

Die USA und Deutschland waren tonangebend auf diesem Gebiet, und ihre Erzeugnisse weltbekannt. . Das gilt nicht nur für Schreib- und Rechenmaschinen, Vervielfältigungsapparate oder Büromöbel, sondern auch von dem mannigfaltigen kleinen Bedarf jeder Art wie Ordnern, Tinten, Bleistiften, Heften, Radiergummi, Füllhaltern und vielem anderen.

Die Leipziger Messe war. alljährlich der Sammelpunkt der Interessenten aus aller Welt. Man diente dem Fortschritt, der nach Kräften zu der Steigerung des internationalen Warenverkehrs und der Zusammenarbeit der Völker beigetragen hat. Wenn auch mit den Jahren die Konkurrenz wuchs, so blieb Deutschland durch die Stärke seiner Hersteller, das große Sortiment, doch immer führend. Dies konnten sich nur Firmen leisten, die über ein entsprechend großes Absatzgebiet verfügten, bei individueller Einstellung auf die Bedürfnisse der einzelnen Kunden und Länder,

Etwa 75 v. H. der gesamten deutschen Bürobedarfsindustrie haben ihren Sitz in der Doppelzone; darunter dominiert besonders der chemische Bürobedarf: Kohlepapier, Schreibbänder, Vervielfältigungsartikel und Füllhalter. Die Industrie ist zum größten Teil auch heute wieder lieferungsfähig und bereit, mit dem Ausland in den Wettbewerb zu treten. Der zu importierende Rohstoff für eine exportfähige Ware beläuft sich in dieser Industrie auf höchstfalls 10 v. H. des Verkaufswerts. Der Bürobedarf verhehlt sich allerdings

nicht, daß nach der jahrelangen Abschließung die Schwierigkeiten nicht geringer geworden sind, und es eine längere Zeit erfordert, bis der volle Kontakt wieder besteht. Denn die erste Zeit der Hochkonjunktur ist vorbei, da dem Verkäufer die Ware aus der Hand genommen wurde. Vergessen wir außerdem nicht, daß in der Zwischenzeit manche, kleinen Länder Spezialindustrien entwickelt haben, wie zum Beispiel die Schweiz (Schreibmaschinen) und Dänemark (Füllhalter und Vervielfältigungsmaschinen). Es ist jedoch zu hoffen, daß die Exporttradition der deutschen Bürobedarfsindustrie dieser Schwierigkeiten Herr wird, wenn erst der Kontakt mit dem Weltmarkt gefunden ist.

Wie schon darauf hingewiesen, bedarf die Bürobedarfsindustrie zur Herstellung ihrer Erzeugnisse nur eines verhältnismäßig geringen Importbedarfs. Sie erarbeitet also einen erheblichen Nettoausfuhrüberschuß und bildet somit einen wichtigen Faktor in der Ankurbelung des deutschen Ausfuhrgeschäfts. Aber die ausländischen Rohstoffe, die sie dringend braucht, müssen nun allerdings auch, zur Verfügung gestellt werden, um sie konkurrenzfähig zu halten. Auf Grund des neuen JEIA-Verfahrens, das 30 v. H. Importe vorsieht (bei. 100 v. H. Export), und auf Grund des 10prozentigen Devisenbonus wäre diese Schwierigkeit in Zukunft aber zu überwinden, da die Firmen des Bürobedarfs nur einen Rohstoffanteil, der wertmäßig 10 v. H. nicht überschreitet; importieren müssen. „Ersatzqualitäten’’ können auf dem Weltmarkt nicht abgesetzt werden, da die große amerikanische Konkurrenz sonst die letzten Märkte übernimmt, die uns zum Export noch zur Verfügung stehen. Nicht zu vergessen ist, daß die Preise infolge höherer Aufwendung für Qualität sich nicht nach deutschen „Nachkriegssätzen“ berechnen lassen.

Im Frieden war besonders der europäische Osten und Südosten, unser bestes Absatzgebiet. Dieses ist uns leider heute noch verschlossen. Es bleiben jedoch Märkte noch offen, die als Abnehmer in Frage kommen, jedoch Märkte, für die Dollars zum Import von Bürobedarf kaum zur Verfügung stehen. Daher ist es für die Bürobedarfsindustrie von großer Wichtigkeit, daß ihr nicht nicht nur die Kalkulation in der Valuta dieser Länder gestattet wird; sondern daß auch feste Handelsabkommen geschlossen werden, wie sie mit Holland und, Belgien „bereits, bestehen. So könnten wir mit Dänemark, Norwegen, Schweden und Italien Kontrakte schließen, die nicht – letzten Endes – auf Dollar basieren, sondern auf einheimischer Wahr rung, was den Bezug außerordentlich erleichtern würde. Die wirtschaftspolitische Forderung, die deutsche Marie als feste Valuta anzuerkennen, wird aus der Kenntnis der Praxis heraus vorläufig nicht gestellt werden können.