Von Johannes C. Wehl (Hamburg)

Der Anteil der Füllhalterindustrie an der deutschen Fertigwarenausfuhr stellte vor dem zweiten Weltkriege einen nicht unwesentlichen Faktor dar. Bis zum Ende der 30er Jahre und auch noch während des Krieges steigerten sich die Exportziffern stetig, so daß, um nur eine Zahl herauszugreifen, von einer Gesamtproduktion von 10 Millionen Füllhaltern, Füllstiften und Tintenschreibern im Jahre 1938 etwa 35 v. H. Exportiert wurden. Dieser Export erstreckte sich sowohl auf die in aller Welt bekannten deutschen Markenfüllhalter (z. B. Montblancd, Luxor, Sönnecken Pelikan, Tintenkuli, Kaweco, Osmia usw.) wie auch auf markenlose Halter, die sich durch ihre Qualität auf den Auslandsmärkten durchgesetzt hatten und von d den ausländischen Abnehmern mit ihre eigenen Handelsmarken versehen wurden. Die bunte sich zeigende Folge hiervon ist, daß der in vergangenen Zeit eingeführte deutsche Füllhalter auch jetzt wieder auf den ausländischen Märkten verlangt wird. Zahlreiche Anfragen und vorliegende Aufträge aus dem europäischen und außereuropäischen Auslande bei den Industriefirmen beweisen, daß das Ausland für den deutschen Füllhalter, Füllstift und Tintenschreiber aufnahmebereit ist.

Zustande gekommen sind aber nur wenige; in ihrem Umfange unbedeutende Geschäfte nach Großbritannien, der Schweiz, Belgien, Holland, Schweden und Norwegen. Die mit 60 v. H. ihrer Vorkriegskapazität erhaltene und fast ausschließlich in der britischen und amerikanischen Zone domizilierende Industrie wird daher für den so bitter notwendigen Fertigwarenexport- z. Z. nur in ungenügendem Umfange ausgenutzt.

Das ist um so bedauerlicher, als der Füllhalter und Füllstift sehr exportgünstige Fertigerzeugnisse darstellen, weil die in ihnen steckenden Arbeitslöhne unverhältnismäßig mehr als die aufgewendeten Materialkosten betragen und weil bei den Materialkosten der Anteil ausländischer Rohstoffe fast überhaupt nicht ins Gewicht fällt. Inländische Rohstoffe und deutsche Arbeitsleistung werden über den Füllhalter und Füllstift in einem ausgesprochen günstigen Maße in reine Devisen verwandelt. –

Trotz dieser in die Augen springenden Vorteile haben die von der Industrie unternommenen Vorstöße nicht zu nennenswerten Erfolgen geführt. Die Ursache hierfür liegt in den sattsam bekannten Schwierigkeiten (fehlender Rohstoffnachschub, ungenügender Marken-, Muster-, Warenzeichen- und Patentschutz, mangelnder Anreiz in den der Exportindustrie als Erlös in Aussicht gestellten Reichsmarkstopppreisen und nicht zuletzt der sich als überaus hemmend erweisende Exportbürokratismus). Es ist nicht zu verkennen, daß sich in der Füllhalterindustrie, die zunächst mit großem Elan an das Anlaufen ihrer Exportfertigung, herangegangen ist und die demzufolge ihre detaillierten Ausfuhrpläne den deutschen Dienststellen und denjenigen der Besatzungsmacht immer wieder vorgelegt hat, wegen der erlittenen Enttäuschungen gewisse Ermüdungserscheinungen in der Beurteilung der Exportaussichten bemerkbar machen. So ist es – der Tatsache, daß es auf den drei Dauerausstellungen in Stuttgart, München und Wiesbaden kaum zu Abschlüssen gekommen ist, zuzuschreiben, daß die süddeutsche Füllhalterindustrie, die dort ausgestellt hatte, in Hannover fast nicht vertreten ist, weil sie offenbar durch eine Beteiligung nicht um eine weitere Enttäuschung reicher werden wollte. –

So bedauerlich diese Erscheinung ist, im so erfreulicher ist zu verzeichnen, daß die Industrie der. britischen Zone zahlreich vertreten ist und große Hoffnungen in die Exportmesse setzt. Hoffnungen, die genährt worden sind durch die in Aussicht gestellten Erleichterungen (Ausländerbesuch, Rohstoffnachschub und -import, Devisenbonus, Wegfall des Umrechnungskoeffizienten usw.), die nach den inzwischen erlassenen Anordnungen noch vor Beginn der Exportmesse zum Teil effektuiert werden konnten. Die ersten Erfahrungen auf der Messe lassen erkennen, daß die geschaffenen Erleichterungen den Optimismus bei Ausstellern und ausländischen Kunden nicht unwesentlich gefördert haben.

Es wird nun alles darauf ankommen, durch die Praxis auf der Exportmesse zu greifbaren Ergebnissen zu gelangen, um durch den Beitrag der Füllhalterindustrie zu einer im allseitigen Interesse liegenden Steigerung der Fertigwarenausfuhr zu gelangen.