Nach langer Verzögerung hat die Sowjet-Regierung nunmehr die Friedensverträge mit den ehemaligen Verbündeten Deutschlands ratifiziert. Sie werden in Kraft treten, sobald die Ratifizierungsurkunden durch die Vereinigten Staaten, England, Frankreich und die Sowjetunion in Moskau deponiert, sein werden. Durch diesen Akt würde der Kriegszustand zwischen Italien, Bulgarien, Ungarn, Rumänien und Finnland einerseits und den Alliierten anderseits beendigt. Mit dem Inkrafttreten der Friedensverträge werden die alliierten Kontrollräte aufgelöst; was aber am wichtigsten ist: es müssen die Besatzungstruppen innerhalb von 90 Tagen aus den bis jetzt besetzten Ländern abgezogen werden.

In der Tat sollen nur Italien von den amerikanischen und englischen Truppen und Bulgarien von den sowjetischen Truppen geräumt werden. In Rumänien und Ungarn werden bis zum Abschluß eines Staatsvertrages mit Österreich kleinere Kontingente sowjetischer Streitkräfte belassen, welche die Aufgabe haben, die Verbindungslinien nach Österreich zu sichern. Außerdem werden die vier Großmächte innerhalb eines-Jahres eine Entscheidung über die Zukunft der italienischen Kolonien treffen oder, wenn sie keine Einigung darüber erzielen, diese Frage der UNO vorlegen.

Der Entschluß der Sowjetregierung, durch – die Ratifizierung der Verträge ihren Verpflichtungen nachzukommen, wird mit um so größerer Befriedigung überall aufgenommen, als allgemein schon Befürchtungen laut geworden waren, Moskau würde überhaupt, nicht ratifizieren. Natürlich wäre es übertrieben, in diesem Schritt der Sowjetunion eine Änderung ihrer Taktik oder gar ihrer Außenpolitik zu sehen. Aber ohne Zweifel wird die allgemeine Lage dadurch entlastet: was stagnierte, kommt wieder in Fluß, und Probleme, die gestern noch in der Ferne lagen, können morgen an die Reihe kommen. A. B.