Als vor Jahresfrist die erste große Palästina-Konferenz in London tagte, lag diesen Beratungen der Plan für die Schaffung eines Bundesstaates zugrunde, in dem England als dritter Partner neben Juden und Arabern einen nicht unerheblichen Teil Palästinas behalten sollte. Eine derartige Lösung steht heute jenseits jeder Diskussion, weil der circulus viciosus von Sprengstoffattentaten, Terror, wachsendem Fanatismus und verschärftem Terror inzwischen eine Atmosphäre geschaffen hat, die nicht nur den Haß der Juden gegen die Engländer als Mandatsmacht bis zum Äußersten steigerte, sondern auch zu einer weitgehenden Solidarität der arabischen Welt gegen die englische Palästinapolitik geführt hat. Immer wieder haben sowohl das Komitee der Palästinaaraber, wie auch die verschiedensten Vertreter der arabischen Liga erklärt, daß sie gegen jegliche Teilung Palästinas notfalls unter Einsatz von Waffengewalt kämplen werden.

Das Thema „Teilung“ ist seit die Pealskommission im Jahre 1936 erstmalig Palästina bereiste, in zahlreichenVariationen immer wieder abgewandelt worden und jede neue Fassung erzeugte neue Kritik, so daß es kaum ein Argument mehr gibt, das nicht bereits vorgebracht worden wäre. Die im Februar 1947eingesetzte Untersuchungskommission der UNO sah sich daher vor eine Aufgabe gestellt, die fast unlöslich scheint und die selbst für heutige Begriffe einaußergewöhnliches Ausmaß an Geduld erfordert: Sowohl Juden wie Araber begründen ihre jeweils totalen Ansprüche mit ebenso langwierigen wie temperamentvollen historischen Abhandlungen, die bis in die vorchristliche Zeit zurückgehen. Stöße von Denkschriften, Eingaben und Pamphleten häuften sich vor den Sachverständigen, die unter den Eindruck detonierender Explosionen und dem Lärm von Maschinengewehrsalven bemüht waren, eine objektiv gerechte Lösung zu finden.

Das Ergebnis dieser Untersuchung ist soebenveröffentheht worden. Vorgesehen ist die Aufgabe des englischen Mandats und die Unabhängigkeitserklärung Palästinas bis zum 1. September 1949.Insoweit besteht Einigkeit unter den Sachverständigen, geteilt sind jedoch die Meinungen hinsichtlich der Staatsform, die das Gebilde Palästina erhalten soll. Ein Minderheitsbeschluß propagiert eine bundesstaatliche Verfassung, während der Mehrheitsbeschluß die Schaffung eines unabhängigen jüdischen und arabischen Staates vorschlägt bei gleichzeitiger Errichtungeines Freistaates Jerusalem. Während der zweijährigen Übergangszeit sollen die Engländer als Treuhänder der UNO die Verwaltung weiterführen – eine Empfehlung, die kaum geeignet erscheint; die weitgehend festgefahrene Situation aufzulockern. Denn es besteht wohl kein Zweifel darüber, daß die ständige Verschlechterung der Verhältnisse weitgehend auf den Mangel an Initiative der englischen Regierung zurückzuführen ist. Wenn abermals ein derart langfristiges Provisorium bis zu der ohnehinunwillkommenen Endlösung eingelegt wird, läßt sich kaum absehen, was in der Zwischenzeit noch alles geschehen wird.

Die jüdische Einwanderungsquote, die das Kern-Problem der ganzen Palästinafrage darstellt, wird für diese Interimszeit auf 150 000 beziffert. Aber die Araber wissen genau, daß ein selbständiger jüdischer Staat, die Einwanderungspolitik vermutlich nach eigenem Gutdünken gestaltet und befürchten darum, daß eine derartige Regelung das Faß sehr balderneut zum Überlaufen bringen würde. Sie werden daher diese Vorschläge wohl kaum akzeptieren – doch muß zunächst die Vollversammlung der UNO zu diesen Fragen Stellung nehmen. Dff.