Die kärglichen Zuteilungen an Zigaretten, Zigarren oder Tabak, die den Bewohnern der Doppelzone in jeder zweiten Kartenperiode „je nach Vorratslage“ in der üblichen Schlange gewährt werden, stammen noch immer aus alten, sorgsam gehüteten Vorräten. Bisher haben sich diese Bestände leider immer mehr gelichtet, weil seit Kriegsende keine Einfuhr ausländischer Tabake vorgenommen werden konnte. Man hatte dasGefühl, daß der Tabakgenuß für die Bewohner von Kontrollrat-Deutschland als Luxus angesehen wurde und daß daher alle Bemühungen um eine Tabakeinfuhr erfolglos bleiben würden.

Diese Meinung scheint sich jetzt etwas gewandelt zu haben. Seit langem hat Griechenland zu verstehen gegeben, daß es sehr gern den früheren Deutschland verkauften Tabak auch heute wieder an Deutschland liefern möchte. Griechische Fachleute bildeten in der Doppelzone eine „Vereinigung griechischer Tabakhändler und importeure“ und bemühten sich um das Wiederanlaufen der alten Handelsbeziehungen. Sie wissen natürlich, daß die Tabakvorräte in Deutschland ihrem Ende entgegengehen. In Fachkreisen kann man schon jetzt berechnen, wann die Zigaretten- und Zigarrenfabriken mangels Tabaks geschlossen werden müssen. Die Griechen haben nun einen ersten Erfolg verbuchen können: Zum Ankauf von Tabak aus Griechenland für den Ruhrbergbau wurden 1 500 000 $ freigestellt. Die Entscheidung liegt augenblicklich in Händen des Kontrollrats.

Die Tabaklage der Welt ist durchaus günstig. Die Ernte wird von USA-Experten für dieses Jahr auf 6784 Mill. Pfund geschätzt. Die Ernten der Jahre 1935 bis 1939 beliefen sich im Jahresdurchschnitt auf 6560 Mill. Pfund; im Rekordjahr 1946 werden 7122 Mill. Pfund geerntet. Es ist also nur zu verständlich, daß sich Griechenland rechtzeitig nach einem Käufer für seine Ernte umsieht.

Die griechischen Tabake werden allerdings ausschließlich für die Zigarettenindustrie gebraucht. Mit ihnen ist der Tabakmangel in Bünde und Umgebung, wo 700 Zigarrenfabriken rund 16 000 Fachkräfte beschäftigen, noch lange nicht behoben. Einen Tropfen auf dem heißen Stein bedeutet: ein Abkommen mit der französischen Zone, die aus ihrem Gebiet etwa 38 Mill Zigarren an das Land Nordrhein-Westfalen liefern wird. Diese Mengen sollen zunächst zur Stärkung der Stockläger beim Handel dienen und die noch fehlende volle Deckung der Raucherkarten sicherstellen. Man rechnet in der westfälischen Zigarrenindustrie auch mit einem kleinen Quantum Rohtabak aus der französischen Zone.

Augenblicklich werden der Zigarrenindustrie die Bezugscheine zum Einkauf der in der Doppelzone im Jahre 1946 gewachsenen deutschen Tabake verabfolgt. Die verfügbare Menge erlaubt (einschl. Juli 1947) eine Versorgung von rund 9 1/2Monaten. Da jedoch in der Bünder Zigarrenindustrie die vorhandenen Bestände an Deckblättern, Umblättern und hinlegen ungleichmäßig sind, wird die deutsche Zigarrenindustrie praktisch zwei bis drei Monate früheauslaufen. Man kann damit rechnen, daß die Fabrikation etwa Ende Januar 1948 eingestellt werden muß, falls bis zu diesem Zeitpunkt die Einfuhr ausländischer Zigarrentabake nicht eingesetzt hat. Die deutsche Tabakernte ist in diesem Jahr infolge der Trockenheit für die Zigarrenherstellung nur wenig brauchbar. Vor allem ist die Blattentwicklung unzureichend? auch die Menge bleibt unter dem Durchschnitt. Außerdem ist die deutsche Ernte erst im Spätherbst 1948 verarbeitungsfähig, wodurchallein schon zwischen dem Auslaufen der bisherigen Vorräte und der neuen Ernte eine Lücke von rand 8 Monaten eintreten würde.

Der von der Bünder Zigarrenindustrie früher überwiegend verarbeitete Sumatra-Tabak wird für uns leider auf viele Jahre unerreichbar bleiben, da, wie holländische Händler bei ihren Besuchen in Bünde mitteilten, die Preise selbst bei Zahlung in Dollar auf das Zwanzig- bis Dreißigfache der Vorkriegshöhe gestiegen sind. Trotzdem bemüht sich auch der holländische Tabakhandel um das Ingangkommen der abgeschnittenen Handelsbeziehungen auf diesem Gebiet, zumal Holland noch andere Decktabake anbieten kann. Es bleibt zu hoffen, daß die Besatzungsmächte ihren Standpunkt, Tabak sei für. Deutschland Luxus, recht bald revidieren.

Zu diesen Wünschen und Hoffnungen wird jetzt aus Bunde bekannt, daß der Zigarrenindustrie der Bezug von 150 000 kg Auslandstabak freigegeben worden ist. Mengenmäßig handelt es sich allerdings nur um den Bedarf eines halben Monats. Da – man aber in der britischen und amerikanischen Zone diesen Auslandstabak nur als Deckblatt in der Zigarrenfabrikation verwenden wird, bedeutet dieser erste Tabakimport eine erhebliche Erleichterung. We.