Aus Kreisen der Patentanwaltschaft wird uns geschrieben:

Laatzen hat seine Tore geöffnet und unter dem blauen Sonnenhimmel präsentiert sich seinen Gästen in einem Rahmen von flatternden Farben ein Werk, das die Energie einer Handvoll Männer in ein paar Wochen zu schaffen und zu formen wußte.

„Die. Welt wird sehen, was Deutschland noch zu leisten vermag.“ So sagte Mr. Mc. Ready, der Vertreter der britischen Kontrollkommission, in seiner Begrüßungsansprache bei der festlichen Eröffnung der Export-Messe Hannover 1947. Und wahrlich, die Welt sah und sieht in den weiten hellen Hallen eine in ihrer Planmäßigkeit; Fülle, Vielseitigkeit und ansprechenden Aufmachung unwahrscheinliche Leistung der deutschen Industrie, die doch vernichtet schien.

Der deutsche Besucher, der nur noch Mangel, Not und Entbehrung kennt, muß sich fragen, wie eine.solche Leistung aus Trümmern, Resten und kärglichen Sonderzuteilungen an Rohstoffen überhaupt noch möglich war. Der Ausländer aber, an dessen Ohr die Verzweiflungsrufe eines völlig niedergeworfenen Volkes nicht ungehört vorbeigegangen sein können, wird von seiner Reise eher die Erkenntnis mit nach Hause nehmen, daß es in Deutschland doch noch nicht so schlecht bestellt sein könne: die Export-Messe sei der Beweis dafür.

Nun –, es gilt festzustellen, daß eine in dieser Richtung laufende Beurteilung, der man auf der Messe häufiger begegnet, einer näheren Betrachtung bedarf. Die Export-Messe Hannover, die auf Veranlassung der britischen Militärregierung durchgeführt wird, soll dem Zwecke dienen, die deutsche Wirtschaft wieder ins Leben zurückzurufen, sie soll den guten Willen der Alliierten zeigen, Deutschland/bei einer langsamen Gesundung behilflich zu sein, und sie soll die Bereitschaft Deutschlands beweisen, tatkräftig am eigenen Wiederaufbau mitzuarbeiten. Eine Exportschau schien hierzu der geeignete Weg. Ein wesentlicher Faktor ist jedoch bei dem hieraus entwickelten Programm als Stiefkind behandelt worden, und es ist heute schon offenbar, daß sich dieses für die Vernachlässigung rächen wird, nämlich der gewerbliche Rechtsschutz.

Jedermann ist sich von vornherein darüber klar gewesen, daß etwaige alte Ladenhüter der deutschen Industrie für Auslandskäufer ohne jedes Interesse sind. Man mußte sich deshalb bei der Auswahl der für die Messe in Frage kommenden Waren die Tatsache vor Augen halten, daß Deutschland durch seine mehr als sechsjährige ausschließliche Kriegsproduktion im zivilen Wirtschaftsbereich vom Ausland überflügelt worden ist. Für einen Konkurrenzkampf fallen derartige Erzeugnisse aus.

Ferner weiß man, daß die an sich weltbekannten deutschen Erzeugnisse, die auch heute noch für das Ausland, von Bedeutung sein müssen, diesem keinen besonderen Anreiz auf der Export-Messe in Hannover bieten können, seitdem die darauf einstmals genommenen Auslandspatente durch, das. Londoner Abkommen vom 27. Juli 1946 dem deutschen Besitz entzogen und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt worden sind. Diese bislang geschützten Erzeugnisse sind heute Allgemeingut der Welt; sie können praktisch von jedermann hergestellt und nachgeahmt werden, ohne daß dafür an den Erfinder oder bisherigen Schutzrechtsinhaber Lizenzen oder andere Vergütungen gezahlt zu Werden brauchen. Deshalb können auch diese Fabrikate auf der Export-Messe zum größten Teil keine irgendwie nennenswerte Bedeutung haben. Daraus resultiert die einfache Erkenntnis, daß für das Interesse des Auslandes auf der Messe nur solche. Fabrikate, Muster oder Modelle in Frage kommen können, die noch neu und gegenüber dem Stand der Technik überragend sind. Derartige Neuerungen sind aber auch heute noch, nach mehr als zwei Jahren der bedingungslosen Kapitulation, dem Auslande, und größtenteils auch dem Inlande gegenüber praktisch vogelfrei.