Neben den bekannten Veredelungsaufträgen von Textilrohstoffen aus England und den USA für die Westzonen und dem Vertrag der Duisburger Kupferhütte mit der Rio-Tinto-Company, London, sind bisher eine ganze Reihe weiterer Lohnveredelungsaufträge abgeschlossen worden. Die Schuhindustrie in Pirmasens (französische Zone) fabriziert Schuhe für Nordafrika, wobei. 90 v. H. der erforderlichen Rohstoffe aus Frankreich eingeführt werden. Auch das Abkommen der deutschen Füllfederhalterfabriken der US-Zone mit Schweizer Firmen kann insofern als Veredelungverkehr angesprochen werden, als von der Schweiz das Gold für die Federn zu einem Preis von 2800 RM/kg geliefert wird. Für ein ähnliches Geschäft tritt nun die amerikanische Militärregierung als Auftraggeber auf. Sie stellte der deutschen Gold- und Silberscheideanstalt 200 kg Gold im Werte von 200 000 $ zur Verfügung, die daraus Goldpräparate, Goldfarben und ähnliche Waren herstellt, die re-exportiert werden. Dunlop – Hanau liefert im Veredelungsverkehr für eine schwedische – Firma 2.1 000 Autoreifen. Bei Merck & Co., Darmstadt, ist die erste Sendung Maistraubenzucker zur Weiterverarbeitung eingetroffen. Aus dem Grundprodukt wird Vitamin C für den Export zunächst in Höhe von 4 Mill. RM produziert. Die badische Uhrenindustrie (französische Zone) verpflichtete sich auf fünf Jahre gegen Lieferung der Rohstoffe fast ausschließlich für den französischen Bedarf zu arbeiten.

Die Bezahlung der Lohnveredelung – durch den ausländischen Auftraggeber erfolgt in Geld oder durch Überlassung eines Teiles der Rohstoffe. Erfolgt die Erstattung in Geld, so geschieht dies durch Gutschrift auf einem Konto der JEIA bei einer ausländischen Zentralbank, während der deutsche Veredeier in Reichsmark entschädigt wird. Selbst wenn ein wesentlich höherer Auslandspreis erzielt werden konnte, darf der deutsche Exporteur nicht über den gesetzlichen Inlandshöchstpreis hinaus entschädigt werden.

Erfolgt die Bezahlung durch Überlassung eines (Teiles der Rohstoffe, dann gehen der Volkswirtschaft Devisen für die freie Einfuhr verloren. Die Wahrscheinlichkeit, daß JEIA das Veredelungsgeschäft und die Bezahlung mit Rohstoffen genehmigt, ist demnach um so größer, je wichtiger der zu veredelnde Rohstoff für die deutsche Binnenwirtschaft ist. wn.