Die Vielseitigkeit, die die Mrneralölwirtädhaft: auszeichnet, hat zu der landläufigen Vorstellung geführt, es seien ia diesem Wirtschaftszweig mysteriöse Kräfte am Werk Die rasche, mitunter überstürzt scheinende Entwicklung der Ölindustrie, die füi den Laien unübersehbare" Vielzahl der Mtieralölprodukte, ihre verschiedenartigen Rob stoffquellen, das verwirrende und geheimnisvolle Walten in der Chemie der Kohlenwasseretpffvetbinduugen, verwickelte Herstellungsverfahren — alles dies sind in der Tat überwältigende Eindtudce, die sich dem Neuling entgegenstellen. Auf die maßlosen übertreibungen der politisdien Rolle je Mineralöles, mit denen der Glaube aa das Walten ,dunkler Mächte" auf diesem Gebiete genährt wird, soll hier nidu näher eingegangen werden.

Daß in einem Zeitalter der Mächteurfrgruppiertmgen jede Regierung den für eine Kriegführung nötigen Rohstoffen, zu denen audi Mineralöl gebort. Beachtung widmet, wird selbstverständlich niemand abstreiten wollen. In diesen Rahmen gehörte z. B auch der Versuch des Dritten Reidies, sidb in der Versorgung mit Mineralölen weitgehend unabhängig zu machen. Trotz der verstärkten Produktion von Benzol, Alkohol, aus Kohle gewonnenen Mineralölerzeugnissen und inländischen Rohölen mußte noch 1938 rund "O v H des Gesamtbedarfs aus dem Ausland eingeführt werden: ein sichtbarer Beweis für das Scheitern der Bemühungen, die für den bevorstehenden Krieg — entgegen allen WH tschaftlichen Obe rlegungen — angestrebte Unabhängigkeit von der Einfuhr ausländischer Mineralöle entscheidend zu lösen. Die Deckung des Bedarfes durch Verarbeitung deutscher Rohstoffe einerseits und Importe andererseits ver anschaulicJit die nachstehende Übersicht für die Jahre 1928 bis 1938: Heute sind, abgesehen von der Uonölgewinnung die inländischen Rohstoffquellen weitgehend versiegt Benzol als Nebenprodukt der Kohlever , kofcung und Gaserzeugung steuerte 1938 zur Verse- jung mit Mineralöl den gleichen Prozentsatz bei, wie das in Niedersachsen und Holstein geförtUite Erdöl; 1946 hat es für die Kräftstofiversorgung eine Bedeutung von- einst verloren Das Gleiche gilt vom Alkohol, der vor dem Kriege — hauptsächlich aus der Kartoffel gewonnen — dem ICiaftätoff beigemischt wurde. Heute zwingt die ErnäbrungsJage zum völligen Verzieht auf > den Alkohol. In der chemischen Industrie begrenzt anfallende Mengen Methylalkohol sind ohne gleichseitige Zumischung anderer Alkohole für Kraftstoffzwedce nicht verwendbar, Die synthetische "Erzeugung und Kohlehydrierung sind ebenfalls zunächst in Fortfall gekommen. Erwägungen über eine Atisnutzung der vorhandenen Anlagen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Doch dürfte dabei eher an eine Verarbeitung auslänjbacner Rohcue (insbesondere Mineralölrückstände) zu denken seir.

Trotz der vorstehend gestreiften Verluste von Versorguagsquellen steigt der Anteil der Eigen Produkte aa der Bedarfsdeckung (britisch ameri kanische Zone) auf etwas über 40 v. H gegen 30 v. H im Jahre 1938 für das gesamte Reichsgebiet, Dieser Vergleich ist jedoch insofern unzulänglich, als sich die Vergleichsgrundlage infolge der Abtrennung der Ostgebiete und der Beschränkung auf die Westzonen, da genaue Produktions- und Absatzaagaben für die russisch besetzte Zone fehlen, verschoben hat. Der Mmeralölverbraudl der drei Westzonen ist 1946 auf etwa ein Viertel des Verbrauche im gleichen Gebiet in 1938 zurückgegangen. Im einzelnen zeigt der Vergleich für die Westzonen folgendes Bild: Die deutsche Rohälgewmnung deckte 1938 etwa 6 v. H des Gesamtverbraudi bzw. 11 v. H des damaligen Bedarfs ia dem Gebiet der "drei Westzonea (Ihr Anteil an der Erzeugung von Mineralölprodukten aus deutschen Rohstoffen betrug etwa 25 v. H ) 1946 steuerte die Rohölgewinnung über 40 v. H zur Deckung" des wie schon erwähnt auf ein Viertel des Vorkriegsbedarfes gesunkenen Bedarfs der drei Westzonen bei. Die Rohölproduktion ist im wesentlichen auf Nordwestdeutschland beschränkt. Die für besonders aussichtsreich gehaltenen Vorkommet! des Emslandes können einen Ersatz für die nachlassende Ergiebigkeit der hannoverschen und holsteinischen Felder bieten. Die, Förderung wist folgende Entwicklung auf (in t)s 1931 429673 1940 , 1056187 Die Übersicht zeigt seit 1931 eine stetige Aufwärtsentwicklung. Diese Entwicklung war um so überraschender, als noch in den zwanziger Jahren die staatlichen Stellen und die geologische Wissenschaft einem Erfolg der Aufschlußarbeiten mit dem größten Pessimismus gegenüberstanden. Trotz aller Warnungen ist vorwiegend dank der privaten Initiative dieser beachtliche Aufschwung erzielt worden iFür jeden Sachkeaaer besteht kein Zweifel daran, daß hier SazitlisieiEngs Experimente fehl am Platze sind Zusammenfassend ist also festzustellen, daß voa" den früheren iiilärtdis chen Versorgungsquellen die Hydrierung und Synthese, die Alkoholherstellung völlig und der Benzolanfall im Jahre 1946 fast ganz ausfiel, während die deutsche Rohölgewinnung , stark ia dem Vordergrund getreten ist. Der radi stehende Vergleich, enthält eia Übersicht der Mineralölprodukt, die in den Jahren 1946 und 1938 aus deutschen Rohstoffquellen stammten. Die zwischen der Produktion aus deutschen Quellen und dem Miaeralölbedarf klaffende Lücke wurde früher durch den Import geschlossen. Eine individuelle Einfuhrbetätigung ist den Importfirmen zur Zeit noch nicht wieder möglich. Die britische und die amerikanische Militärregierung stellen daher gewisse Mengen durch Abzweigung aus der" Einfuhr zur Verfügung. Die Lieferungen werden den !nlandsvrtriebsorganisationeh übergeben, d i. im wesentlichen, soweit Kraftstoffe in Frage kommen, dem Zentralbüro für Mineralöl, einer Arbeitsgemeinschaft, zu der sieh alle im Vertrieb von Kraftstoffen tätigen Mireralölunternehmungen bei Kriegsbegimi zusammenschlössen und, soweit es sich um Petroleum handelt, der Arbeitsgemeinschaft Petroleumverteilung.

Diese Nachkriegsimporte waren bisher ausschließlich auf Fertigprodukte beschränkt. Mit einer grundlegenden "Änderung ist jedoch schon in nächster Zeit zu rechnen. Die Verarbeitung ausländischer Rohöle soll demnächst aufgenommen werden. Das Eintreffen der ersten überseeischen Rohöllieferung steht unmittelbar bevor. Damit werden die VerarbeitungsunVosten im Inland anfallen, und so wird die dringend notwendige" Devisenersparnis bei der Mineralölversorgung Tatsache werden. Eine Übersicht über die von den Militärregierungen für den zivilen Bedarf abgezweigten Importe 1946 zeigt für die einzelnen Sorten im Vergleich mit der Einfuhr des Jahres 1938, anteilig für die Westzonen berechnet, folgendes Bild i (int) Rohöl , Benzin , Gasöl Petroleum Schmieröl Heizöl . 300 000 . 414000 , 22000 > — —1938 903 000 868 000 1 278 000, 7000 , 270 OOO 514000 3Abgesehen von dem" bisherigen Ausfall von Rohöl sind ia der Zusammensetzung der Importe Veränderungen im wesentlichen festzustellen beim Heizöl als Folge des Verlustes des internationalen Bunkergeschäfts und beim Schmieröl, bei dem der Bedarf bisher aus der Verarbeitung des deutschen Rohöles (dank dessen vorwiegend paraffinbaskchef Natur) im- wesentlichen bis auf geringe Spitzerrmengen gedeckt wurde.

Vor dem Kriege wurde der giöfite Teil der Minealöleinfuhr übei Hamburg abgewickelt; geringere Mengen kamen über Bremen und Stettin. Die ausländischen Häfen, insbesondere Rotterdam, raren 1938 mit rund 25 v. H beteiligt. Mit Riictscht auf die Devisenlage erfolgt gegenwärtig die Enfuhr ausschließlich über die deutschen Häfen Famburg und Bremen, In Anbetracht der Peviaenschwierigkeiten dürfte nit einer steigenden Einfuhr ausländischer Rohöle zu rechnen sein, um die auf den Fertigprodukten liegenden Kosten möglichst nicht in Driscn, sjndein in Reichsmaik entstehen zu lassen. Diese Einfuhren könnten unter Heranziehung <ei deut"sAen Raffinerien und InportgeseBsdiaften soweit gesteigert werden, daß hieraus der weitaus größte leil des Bedarfes ah Kraftstoffen der Westzonen 111 Ietitschland erzeugt werden könnte, Die" großen FoTiöl Vorkommen des Nahen Ostens, ober d iiteroationalen Mineralöl Konzerne jetzt verfügen, bilden die wesentliche Voraussetzung für d e Durdifihrung derartiger Pläne.

Unabhängig von solchen Überlegungen würden fe die tsaiivlidi die Am der inländisch:! Ewugung zur VeirJjuag stehenden Rohöls nach i vo siv avi: n ur einen veEkälvumäß:g I<!en>n Be u füi die g?n j Ue Mineralöivesorgung darstellen. 43 den erhalten gebliebenen jnd wieder hergestellten RsfSrrene Kapt r JVeri m Nordwestdewschh j J z>;r Verarbeitung gehngen In diesen Anlagen sii d nodj erhebliche KapäaitSisn serv r vorhanden, di ci<ie besse Ausnutzung dei ilär dachen P oäök e möglichen vüiden, wenn ycrIssc S: ri, nlssgen a vor allem Anjagen rur Enrp y iffbr u, u i< ;j R Affinierung, wieder heigerfchcet wiud r, L ci: f i t heut Engpässe in der wirfschafrMdu:! Av?vr, 4 der uns zur Verfügung sleieuceu Rohstoff j s feilen.

Vei<ri:o :tung haben dit Ze "scciaugen des, Krieges auch in der Ver riebseuindm iJe:!, vor allem ;n den grofien Umschlagsanisten, zii eiS nliAefi Lfcöußen geführt. Manches konnte &Jdon vicaer hergestellt ved?n, vieles rauC ii adi aoai getan werda um cira bei em?r allgemeiwim WirtVerkehr und Industrie nschtouu ien ?u !:önaen, r. W?KU 1