T n der Sozialisierungsdebatte ist gelegentlich auch . Versicherung erhoben" worden. Demgegenüber wurde von der "Wirtschaftszeitung" in einem "Versicherung und Sozialismus" betitelten Aufsatz festgestellt: "Die Versicherung braucht nicht sozialisiert zu werden; sie ist ein Stück Sozialtemus Ist diese Behauptung gerechtfertigt? Nun verstehen auch heute, wie eigentlich immer schon, die Anhänger der Sozialisierung, unter denen offenbar selbst ciie Extremisten nicht alle Zweige der, Volkswirtschaft sozialisieren wollen, unter dem Begriff Sozialisierung durchaus Verschiedenartiges. Der- orthodoxe Sozialist, der an- der "unverfäkchten" Lehre von Karl Marx- festhält, versteht unter Sozialisienjng die Verstaatlichung. So ist die allumfassende rassische "Göstrach" ganz zweifelsfrei ein staatliches Versicherungsunternehmen. Man kann aber auch mit gutem Recht die Überführung der privat wirtschaftlichen Betriebe in die öffentliche Verwaltung als Sozialisierung ansehen. Das ist mit dem Versicherungswesen der Ostzone geschehen, in dem — mit Ausnahme des eine Sonderstellung einnehmenden Gebiets von. Berlin — die Bestände und Vermögen der privaten Versicherungsunternebmnngen ohne jede Entschädigung auf die jeweilige öffentlichrechtliche Versicherungsanstalt des Landes oder der Provinz übertragen wurde, die damit Monopolanstalten wurden. Bei den privaten Versieherungsunterriehmungen handelte es sich aber in der Mehrheit um im ganzen Reich arbeitende Versicherungsunterjiehmungen deren in den Westzonen verbliebenen Teile trotz der schweren Amputation zufriedenstellend weiterarbeiten. Dabei soll nicht auf die > rechtliche Seite djeser Sozialisierung eingegangen werden. Wer sich darüber unterrichten will, dem seidas im Juli 1946 von der Zeitschrift "Versicherungswirtschaft" veröffentlichte umfassende Rechtsgutachten "Zu den Eingriffen in das Versicherungswesen in der östlichen Besatzungszone" von Rudolf Laun zum Studium empfohlen.

Wiederholt ist in der Fach- und Tagespressewie auch von mir (unwidersprochen) im Rundfunk auf die Erhöhung der. Präoiiensätze bei den Monopölversidierungsanstalten in der Ostzone, hingewiesen worden. Tabellarisch belegtes Material für, die Erhöhung der Feuerversicherungsprämie hat die Versicherungswirtschaft" vom 1. Juni veröffentlicht. Hier wird berechnet, daß das Maß der Prämienerhöhung für Gebäude- und IndustrieVersicherungen zwischen 100 v- H und 300 v. H. liegt. Das sei ein in der Praxis der deutschen Feuerversicherung bisher unbekannter, Vorgang, Wenn neuerdings nach Berliner Zeitungsmeldungen die Prämiensätze für die Pflichtversicherung um 30 v. H his 35 v. H, gesenkt werden sollten, dann würde, damit die Überteuerung der Versicherungsnehmer in der Ostzone nur zu einem geringen Teil rückgängig gemacht werden. Das ist um so erstaunlicher, als der Versicherungsschutz im Osten zum überwiegenden. Teil Zwangscharakter hat, so daß dje. Monopolanstalten nur geringe Kosten zur Einwerbung der Pflichtversicherungen aufzuwenden haben. Ferner hat die entschädigungslosc Enteignung der privaten, VersicherungsunteMiimungen zu einem Vermögenszuwachs geführt, der um so größer ist, als ja die Verpflichtungen der Vorgänger nicht mit anerkannt wurde !. Schließlidi wird in dem zitierten Aufsatz festgestellt, daß ,die Monopolanstalten die früher allgemein übliche Kulanz in Grenzfallen vermissen lassen, ihre Leistungen streng auf derr bedingungsmäßigen Umfang begrenzen und im Geschäftsverkehr einen Behördenton an- wenden, dem man hilflos ausgesetzt ist " Denjenigen, die die Privatversicherung nicht nach diesem "Vorbild" sozialisieren wollen, sondern die die Umgestaltung der privatwirtschaftlidhen Versicherungsunternehmungen auf genossenschaftlicher Basis verlangen, ist die Struktur der deutsAen Privat- oder VertragS versidierung, wie sie in den Westzonen erhalten geblieben 1 ist oft nicht bekannt Hier stehen private und öffentlich rechtliche Versicherungsunternehmungen im Wetbewerb. Und die privatenVersicherungsu;tpfnehmungen gliedern sich wieder"in Aktiengesellschaften (übliche- Abkürzung "A G ") und Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (üblich? Abkürzung "a. G;"). Das sind Genossenscbafte i des Versicherungswesens, für deren Verfassung das Versicherungsaufeichtsgesetz alle Rechtsvorschriften enthält. Wer nun die Konsumvereine als die Selbsthilfeeinrichtungea der Konsumenten anerkennt, und nicht auch ihre Sozialisierung ver langt, der muß da;; gleiche Verhältnis auch zu den Vereicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit einnehmen. Von den 2000 privaten Ver sichertmgsunternehmungen, die das Reichsaufsichtsauu für das Versicherungswesen am 31. Dezember 3 93S beaufsichtigte — es sind das die leisten veröffentlichten Zahlen — waren 1799 Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit und nur 193 Aktiengesellschaften, wozu noch 9 Unternehmungen anderer 1799 Versicherungsvereinen 1119 sogenannte kleinere Vereine. So ist in mandien Versicherungszweigen trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Versicherungsvereine der größere VeBicherongsbestand bei den Aktiengesellschaften vorhanden , In anderen Versicherungszweigett" dagegen überwiegen die Versidierungsvereine auch nach derZahl der Versicherungsnehmer und der versicherten Summen. Das ist besonders stark in der privaten Krankenversicherung der Fall, wo etwa neun Zehntel der veisidierten Personen auf Versicherungsvereine entfallen, der Rest auf Aktiengesellschaften und auf öffentlidi rechtliche Versicherungsanstalten.

Man hat nun auch schon, in Anerkennung des gemeinwirtschaftlichen Charakters der" Versieherungsvereine, die Umwandlung der Versäctteruogsaktiengesellsdhaften in Versicherungsvereine empfohlen. Man" gewinnt aber, wenn rnatr einmal beobachtet, wie je nach dem Versicherungszx j Aktiengesellschaften und Versicherungsvereine ganz verschieden stark vertreten sindj den E ndruck, als ob in manchen Versicherungszweigcn vor allem in der Sachversicherung, die Aktiengesellschaft die angemessenere Unjfcernehniur fs form sei. Weiter haben die Unternehmungen auch j e nach der Rechtsform in den gleichen ytsichemngszweigen sehr verschiedenartige Aufgaben übernommen. So "muß festgestellt werden, daß die Auslandsversidierung, und zwar sowohl die Direktversicherung wie die Rückversicherung, so gut wie, ausschließlich von Aktiengesellscfiiften betrieben worden ist.

Selbstverständlich kommt für die Auslands , Versicherung- eine staatliche Monopolanstalt überhaupt nicht in Frage. Sicher auch deswegen s Sehtin ! England die Sozialisierung der PrivatversiAerung gar nicht erst zur Debatte. Niemand würde dort wohl daran denken, das Weltinstitut Lloyds verstaatlichen zu wollen, unddamit England einen der wertvollsten volkswirtschaftlichen Aktivposten z, nehmen. Trotz der Einstellung der deutschen Versicherungstätigkeit im Ausland, durch Kontrollrätsgesetz Nr. 47 vom, 10.

; März 1947, ist zu hoffen daß t der unausgesetzte Hinweis- auf dfe Bedeutung der deutschen Auslandsversicherung. die bis "193 3 einer der wertvollsten Devisenbringer war, einmal- Beachtung findet Der freie Wettbewerb der drei Unteniehmungs" formen, also der Versicherungsvereine, der Aktien " gesllschaften und der öffenilkh jcchtlidsen Anstalten, hat sich segensreich ausgewirkt, wobei Vielfach Vorzüge der einen Unternehmungsform auch von der anderen übernommen wurden. So 1z B ist in der Lebensversicherung nicht, nuf bei den Versicherungsvereinen, sondern auch bei den Aktiengesellschaften die Gewinnbeteiligung weit verbreitet. Die Dividenden, die die Versicherungsnehmer der Lebenaversicherungs Aktiengesellf , Schäften erhalten, liegen in der Summe weit über. den Aktionärdiyidenden; Schließlich noch Folgendes: Als Adolph Wagner, der bedeutendste der "Kathedcrsozialisten", seine Vorschläge zur Verstaatlichung des Versicherungswesen madite, gab es in Deutschland noch nicht einmal ein Versicherungsaufsichtsgesetz, das erst 1901 erlassen wurde. Dieses Gesetz, dem sdioa die Erfahrungen der Versidierungsatffsiditsgesctzs- , anderer Länder, vor allem der Schweiz und Öster reichs, zugrunde lagen und das imLauf der Jaa r, ,zehnte ständig ausgebaut wurde, hat tiefgreifend, r materielle Wirkungen gehabt. Den von der A uff ii, Sichtsbehörde, zu genehmigenden Versicherungbediagungen (also den Grundlagen der Vej il> Sicherungsverträge ) muß ferner das "1908 erlassen (und seitdem ausgebaute) Versicherungsvertrags gesetz zugrundeliegen. So rechtfertigt sich, dia"Frage, die Professor Möller, der Versicherungsrechtler der Universität Hamburg, in einem Auf- atz über "Ordmongsaufgabe 1 des Versiclierungsrechts" ("Versicherungswirtschaft"- vom 1. Juni) stellt:, was eigentlich in den Ländern und Provinzen der Ostzone rechtens sei, und welche Nonnen "an die Stelle des den Versicherungs- " nehmer vielfältig sdiüteetidei Versicherung- vertragsjeseizes getreten" seien.

Allerdings stellt Möller est daß die Aufsichts , bebörden auch zu Instrumenten der Planung ancl, Lenkung ausgestaltet werden können. Das dürfte ; vor allem dann möglich sein, wenn wieder einReichsaufsicbtsamt für das Versichmingswesea vorhanden ist- Einen Vorläufer bildet das Harn, , bmger Zonenamt, "das bisher noch einzige über die Landesgrenzen"" hinausgehende Aufsichtsamt, dem hoffentlich bald das bizonale Aufsichtsamt folgt. Aber schon jetzt kann gesagt werden, daß das Hamburger Zonenamt, vor altem auch mit. seinen Beiräten aus den- Vertretern der Versidierungsunternehmungen und den — in erstet Linie von den Gewerkschaften entsandten — Vertretern der Versidierüngsnehmer; eine erfreulicheInitiative entfaltet, und dich 1 keineswegs nur ab "Behörde" empfindet, sondern in enger Zusammenarbeit mit den Yersicherungsunterhehmungen konstruktive Leistungen vollbringt.

Der programmatisch die Sozialisierung" verkündende Artikel AI der neuen hessischen Verfassung sagt, daß Großbanken- und Versidierungsunternehmungen vom Staat "beaufsichtigt" oder "verwaltet" werden sollen. Eins schließt das andere aus. In der Beaufsichtigung könnte es sich nur rnodi"um eine Intensivierung der jetzt schon laufenden, Arbeiten handeln (Denn sicher will doch wohl die hessische Verfassung das Versicherungswesen nicht etwa der Landesanfsicht unterstellen!) Und zum Thema der Sozialisierung durch Übernahme in eigene Verwaltung glauben wir das Nötige bereits gesagt zu haben " W. Heyn (Hamburg) schicdenKeit vom Weltmarkt außerdem beschrittea , 11.