Für den deutschen Fertigwaren-Export werden neben den so notwendigen in Deutschland vorhandenen Materialien wie Kohle, Strom usw. vor allen Dingen Rohstoffe benötigt, die vom Ausland engeführt werden müssen. Nun wird vielfach, besonders von amtlichenStellen, derStandpunkt vertreten, daß Rohstoffe bei Vorliegen von Exportaufträgen eingeführt werden können. Dieser Standpunkt ist aber in der Praxis unhaltbar. Die Rohstoffe werden überwiegend von Übersee herangeschafft. und infolgedessen vergehen Monate, Bis sie beim Fabrikanten greifbar werden. Wenn also erst dann Rohstoffe gekauft werden dürfen, wenn die dazu gehörenden Exportaufträge vorliegen, würde das für den deutschen Export und auch für den ausländischen Käufer der Exportware eine sehr lange Lieferfrist bedeuten. Lieferfristen aber, die sich auf ein halbes Jahr oder noch länger erstrecken nüßten, machen Exportgeschäfte sowohl für den Verkäufer als auch für den ausländischen Käufer uninteressant.

Es muß daher angestrebt werden, die exportorientierte deutsche Industrie zunächst einmal mit den notwendigsten Rohstoffen zu versorgen, ehe überhaupt Exportaufträge hereingeholt werden, können. Die meisten deutschen Exportindustrieen verfügen noch nicht einmal über soviel Rohstoffe; um die erforderlichen Muster oder Probeaufträge herzustellen, die Voraussetzung und Grundlage für das Hereinholen von Exportaufträgen sind. Deshalb muß es nicht heißen: erst Exportaufträge, dann Rohstoff-Einkäufe, sondern erst Rohstoffe und dann Exportaufträge. Es ist daher nicht nur erwünscht, sondern für eine wirkliche Ingangsetzung der Exportindustrie unbedingt erforderlich, daß der deutsche Importeur. in die Lage versetzt wird, die dringend benötigten Rohstoffe im Ausland einzukaufen und dafür gewisse Rohstoff-Devisenkredite mit einer bestimmten „Exporttauflage“ zur Verfügung gestellt werden. Nur so wäre der exportorientierte Fabrikant in die Lage versetzt, eingehende. Aufträge sofort aus seinem Rohstofbestand in Angriff zu nehmen.

Es muß auch einmal darauf hingewiesen werden, daß: man sich im Ausland offenbar nur Sehr vage Vorstellungen von der Lage der deutschen Außenhandelsmöglichkeiten machen kann. Briefe. die deutsche Importvertreter von ihren ausländischen Häusern erhalten, lassen das immer wieder erkennen. Die deutschen Importvertreter im Rohstoffhandel geben sich alle Mühe, ihre ausländischen Häuser über Aussichten undMöglichkeiten, die alten Geschäftsbeziehungen wieder aufzunehmen, zu unterrichten und über die Entwicklung der innerdeutschen Außenhandelsorganisation auf dem Laufenden zu halten. DasAusland hat ganz zweifellos. den dringenden Wunsch, wieder mit Deutschland Handelzu treiben. – Viele Bestimmungen der Besatzungsmacht und auch die deutsche behördliche Überorganisation stehen jedoch der natürlichen Entwicklung des Außenhandels in Ein- und Ausfuhr noch hindernd entgegen

Bei der Ingangsetzung des Exportes sollte man aber Vorsicht walten lassen, Firmen den direkten Exportzu gestatten, die früher nicht exportierten. Für den direkten Export ist eine gründliche Kenntnis des Landes nötig, in welches man exportieren will. Diese Kenntnis hatten zur Zeit nur Unternahm mer, die bereits früher exportiert haben, der Exporthandel und der Exportvertreter, die branche- und ländermäßig orientiert sind.

Einfuhr und Ausfuhr bilden ein siamesisches. Zwillingspaar. Beide müssen in Gang gesetzt werden, um endlich die Besatzungsmächte von der Notwendigkeit, uns zu ernähren, zu befreien. Drei Dinge .. aber müssen vorher geklärt werden, die Verbesserung der Nachrichtenübermittlung, die Möglichkeit, Muster ins und vom Ausland zu sendenund die Festlegung einer klaren Relation, zwischen RM und den ausländischen Zahlungsmitteln. Hans Wuttke, Hamburg