Die Premierenbestimmung auf der hannoverschen Export-Messe ist vorüber; Noch weiß aber niemand, ob diese Ausstellung, wie bei der Eröffnungsfeier gesagt wurde, wirklich ein „Wendepunkt“ der deutschen wirtschaftlichen Entwicklung, vor allem beim Wiederanlaufen eines deutschen Exportes sein kann.

Die Dollarsummen der abgeschlossenen Aufträge und die wirkliche Endzahl der ausländischen Besucher werden nur als relativ unwichtige Symptome gewertet werden können. Denn jeder Versuch, das hannoversche Experiment mit wirklichen Messen (als rationellen Ballungen wirklichen Angebotes) und die ersten abtastenden Abschlüsse mit einem normalen Exportgeschäft kritisch in eine zahlenmäßige Relation zu bringen, ginge am Problem vorbei. Ob die Export-Messe ein Erfolg oder ein Mißerfolg sein wird, entscheidet sich nicht in Hannover und auch nicht in der Messezeit selbst. Diese Frage wird entschieden werden, in den Hauptquartieren der Militärregierungen und abhängig sein von den Ergebnissen der gerade stattfindenden oder der kommenden großen internationalen Konferenzen. Der gute Wille einzelner Ausländer und die besten Absichten einer einzelnenen Besatzungsmacht genügen nicht, um eine grundsätzliche Wandlung in der Deutschlandpolitik der Alliierten herbeizuführen.

Bei den Eröffnungsfeierlichkeiten fand der Präsident des bizonalen Wirtschaftsrates, Dr. Köhler, beredte Worte des Dankes an die angelsächsischen Mächte, weil sie – wohl zum erstenmal in der-Weltgeschichte – als Sieger. den Besiegten zwei, Jahre nach dem Kriege ernährten. Unausgesprochen blieb die genau so einmalige Tatsache, daß die? selben Sieger den Besiegten aber bisher auch am Arbeiten hinderten; daß sie durch politische und wirtschaftliche Maßnahmen verhinderten, daß die Deutschen durch eigene Initiative und Arbeit selbst ihre eigenen Angelegenheiten wieder in Gang bringen konnten.

Dabei ist für die Feststellung des Tatbestandes von untergeordneter Bedeutung, ob das mit mehr oder weniger Recht geschah, oder ob diese für die gesamteuropäische Wirtschaft so ungünstige Entwicklung absichtlich oder unabsichtlich herbeigeführt wurde. Der wichtigste Grund für das Nichtwiederingangkommen der deutschen Wirtschaft liegt in der banalen Tatsache, daß man leider aus Deutschland neben anderen Grundstoffen die Kohle als Rohstoff heraustransportierte, statt sie im Lande zu lassen und die mit seiner Hilfe produzierten Fertigwaren zu exportieren.

Im Zuge der Vorbereitungen der hannoverschen Export-Messe ist nun von den angelsächsischen Mächten wiederholt und mehr oder weniger feierlich versprochen worden, daß die auf der Export-Messe getätigten Aufträge tatsächlich auch erfüllt werden würden; und zwar ohne Beschneidung der knappen Inlandskontingente: daß vor allem die notwendige Kohle für den Export zur Verfügung stehen würde. Dieses Versprechen hat die deutsche Industrie und die deutschen Exporteure zu einem imponierenden Beweise des Exportwillens und zu einer Kraftanstrengung veranlaßt, die in dem Ausgestellten ihren sichtbaren Ausdruck fand.

Die Inangriffnahme des Messeprojektes hat alle Beteiligten verpflichtet. Die deutsche Wirtschaft und die deutschen Exporteure haben durch ihre Mitarbeit an der deutschen Export-Messe bewiesen, daß es ihnen ernst ist um einen deutschen Export, der das deutsche Volk endlich freimachen soll von den Almosen der Sieger.

Mehr kann die deutsche Wirtschaft, in diesem Zusammenhange im Augenblick kaum tun. Jetzt ist die Gegenseite am Zuge! Und es ist nur zu hoffen, daß der solide, seriöse Optimismus des deutschen Exporteurs nicht wieder enttäuscht wird. Einer der eigenartigsten Eindrücke der Eröffnungsfeierlichkeiten war, daß die englischen und amerikanischen Redner die Export-Messe als eine rein deutsche Angelegenheit hinstellten, während die deutschen Redner sich verpflichtet fühlten, darauf hinzuweisen, daß die Messe auf Grund von Anordnung gen der Militärregierung oder mindestens auf englische Initiative ins Leben gerufen wurde. Die gemeinsamen Bemühungen um ein lange versäumtes, aber längst fälliges Aufleben des deutschen Exportes im Interesse der gesamteuropäischen Wirtschaft sind doch (kein Schwarzer-Peter-Spiel! – Bis zur letzten Stande hofften die deutschen Exporteure, daß bei den Eröffnungsfeierlichkeiten neue Anordnungen über eine Vereinfachung des mehr als bürokratischen Exportverfahrens verkündet und außerdem endlich eindeutige und klare Regeln für die Preisgestaltung und eine intervalutarische Verrechnung bekanntgegeben würden.