Wenn es nach vielem Bemühen dem geplagten Verbraucher ausnahmsweise gelungen ist, Bezugsmarke für die so dringend nötigen Teller, Eßbestecke, vielleicht sogar ein Städtchen Ofenrohr oder selbst einen Herd zu erkalten, dann ist der Pfad der Prüfungen nicht etwa beendet, sondern beginnt eigentlich erst recht ärgerlich zu werden. Optimisten könnten der Meisein, daß keine Marken ohne Deckung ausgegeben werden, und in der Theorie mag das vielleicht auch zutreffen. Nur ist dem Verbraucher wenig damit gedient, wenn die "Deckung" für seine Bezugsmarke 100 km weiter in irgendeinem Unternehmen der Industrie oder des Handels lagert und sich im Verlauf von Monaten vielleicht – wenn überhaupt – ein Ausgleich vollziehen wird zwischen Nachfrage und Angebot.

Haushaltswaren werden oder wurden aus Eisen, Keramik, Holz, Porzellan und Aluminium hergestellt. Die meisten und selbstverständlich die wichtigsten der vielen hundert Artikel sind bewirtschaftet. Das bedeutet nicht, daß sie deswegen? etwa an, erhalten wären. Meist ist es gerade umgekehrt. "Freie" Kerzenleuchter, Kacheln, Aschenbecher, Schneeschläger, Vasen, Figuren, Schnapsgläser usw. sind eher zu kaufen als Schöpflöffel, Durchschläge, Teller, Bürsten oder Quirle. Man sagt, der Grund liege darin, daß die Bezugsmarke kein Wiederbeaugsrecht für den -aufgewandten Rohstoff enthalte. Aber dieser Grund kann wohl nicht allein stichhaltig sein. Denn aus dem gleichen Rohmaterial der heute zu sogenannten kunstgewerblichen Erzeugnissen verarbeiteten Artikel ließe sich gewiß schön eine ganz erkleckliche Menge jener Mangelwaren herstellen, die Ausgebombte, Flüchtlinge, Evakuierte usw. dringender brauchten. Allerdings wären diese lebensnotwendigen Artikel hinsichtlich des Preises wohl weniger "interessant". Aber kann man es – in aller Ruhe überlegt – dem Rohstoff so arg übelnehmen, wenn er seinen Weg dorthin nimmt, wo der größte Nutzen winkt? Arbeitet die Wirtschaft wirklich etwa nach einem Grundsatz wie "Gemeinnutz geht vor Eigennutz" (der seine innere Verlogenheit an der Stirn trägt), oder produziert sie und verkauft sie, um in diesen anomalen Zeiten überhaupt noch ein Bestehen zu finden? Liegt der Fehler nur bei der Wirtschaft oder nicht auch bei der Bewirtschaftung? Man mißverstehe dies nicht als Anregung, nun auch Kerzenleuchter noch zu kontingentieren. Im Gegenteil, seien wir nicht gleich böse darüber, wenn irgendwelche kleinen Reserven trotz allem noch immer hier und da zum Vorschein kommen und dem einen die Möglichkeit zu ehrlicher Arbeit, dem anderen die Gelegenheit einer kleinen Freude bieten. Aber trotzdem muß das Problem der Versorgung mit Hausrat ja doch wohl irgendwie gelöst werden.

Wenig erfreulich sind. Feststellungen wie die, daß nach wie vor das Verbot des Verbrauchs von Reinaluminium für Hausratsartikel besteht und infolgedessen zahlreiche und wichtige Produktionsbetriebe im Bergischen Land und anderwärts ausfallen. Oder-daß Holzlizenzen für den "zivilen Sektor" überhaupt nicht gegeben werden und die Berleburger, Witt-– gesteinter und einschlägige lippische Erzeugung daher keinen Hausrat herstellen kann. Oder daß Bakelite Polopas, Tropas, Plexiglas und ähnliche Werkstoffe für die Herstellung von Hausrat verboten sind. Oder daß, wie eine westdeutsche Industrie- und Handelskammer ausführt, die Nachlieferungen von Porzellan, Glas, Hausrat und Elektroartikeln jetzt sozusagen überhaupt völlig aufgehört haben.

– Die Reihe ließe sich fortsetzen. Aber auch so wird vielleicht schon in etwa erkennbar, warum Hausrat so knapp ist und es – leider – wohl auch noch für längere Zeit bleiben wird. Sf.